Spenden Sie für die Toten von Ruanda. Ihr Geld wird benötigt, um Gräber aufzuheben. Ruanda ist das Sinnbild für die große Hilfe an den Toten, weil man weggeschaut hatte, als diese Menschen noch den letzten Hilfeschrei ausstoßen konnten. Nun sind endllch auch die Fernsehkameras da. Sie zeigen die trostlosen Bilder der eingewickelten Leichen."Es ist kein Massaker, es ist Völkermordl schrie UNO-Generalsekretir Boutros Ghaii. Doch niemand hörte hin. Boutros Ghali bekam auch keine Mittel, um der Machtbesessenheit der Diktatoren in Ruanda Einhalt zu gebieten. Die französischen Truppen evakuierten Europäer. In den Flugzeugen nach Paris saßen auch Würdenträger Ruandas, die für die Massaker verantwortlich waren. Das Morden der Regierungsarmee und der Milizen kannte keine Grenzen mehr. 500 000 Tote, Millionen Flüchtlinge. Man schaute weiter ungeniert weg.Dann droht plötzlich reelle Gefahr. Die Patriotische Front rückt heran. Sie verspricht, dem Massenmord ein Ende zusetzen. Lobenswert. Nur, mit diesen Leuten gibt es ein Problem: Ihr Anführer Kagame spricht kein Französisch, Paris kennt ihn nicht. Die Führung der Befreiungsarmee ist nicht in den Militärakademien Europas im Rahmen der Entwicklungshilfe ausgebildet. Und solche Menschen sollen die Macht in einem Jagdrevier der Grande Nation übernehmen? Soll Frankreich als Vertreter Europas etwa nicht mehr bestimmen, was Im frankophonen Afrika passiert?In die rasch gebildete französische Sicherheitszone flüchten sich die Reste des alten, frankreich-freundlichen Regimes. Die Mörder treiben die Bevölkerung in das Nachbarland Zaire. Das Spektakel hat endlich eine angemessene internationale Dimension. Spenden kommen aus aller Weit für Goma in Zaire, wo Frankreich federführend ist. In Kigali herrscht die Pa·triotische Front, und noch ist fraglich, wie man sie in den Dienst der Großmächte stellen kann.Europa sollte endlich damit aufhören, bestimmen zu wollen, wer in Afrika an der Macht sein darf und wer nicht. Wer guten Willens ist, sollte mit den Afrikanern zusammenarbeiten, damit sie eigene Lösungen umsetzen können.(Der Schriftsteller und Politologe Prof. Dr. Kum a Ndumbe lehrt an der Universität Yaounde in Kamerun und vertritt z.Zt. den Lehrstuhl Politik Afrikas an der FU Berlin.)