Die Hamburger Schwartzkopff-Kaserne der Führungsakademie der Bundeswehr soll am kommenden Dienstag den Namen des vor einem Jahr verstorbenen Bundeswehr-Mitbegründers Wolf Graf Baudissin erhalten. Die längst überfällige generelle Abkehr von belasteten Namen aus Wehrmachtszeiten ist damit aber nicht verbunden.30 Kasernen sowie ein Zerstörer der Bundesmarine tragen noch immer Namen von Wehrmachtsangehörigen, die auch nach Regierungs-Darstellung "nicht dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus zugeordnet werden können". Ganz im Gegenteil. lch glaube an den Führer. Je härter der Kampf, um so mehr vertraue ich ihm." Nazi-Generaloberst Eduard Dietl schwor im November 1943 mit markigen Worten auf die "harte Kriegsnotwendigkeit" ein. Noch heute kündet ein Schild mit seinem Namen an der Kaserne der 1. ,Gehlrgsdivision der Bundeswehr im bayerischen Füssen vom zweifelhaften Ruhm des "Helden von Narvik".Der Historiker Wolfram Wette vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) hat einen "eklatanten Widerspruch" zwischen dem Anspruch des "sehr stark demokratisch orientierten Traditionserlasses und der rauhen Wirklichkeit" in der Bundeswehr ausgemacht. Denn in dem zum Ende der Amtszeit von Hans Apel (SPD) 1982 verabschiedeten Traditionserlaß heißt es: "Die Bundeswehr identifiziert sich nicht mit dem Dritten Reich, sie begründet keine Tradition im Dritten Reich."Um so befremdlicher nimmt sich der hinhaltende Widerstand der politischen und militärischen Führung der Hardthöhe gegen Umbenennungen aus. Doch vor allem die von der Forschung in den siebziger Jahren belegte Verquickung von Wehrmacht und Vernichtungskrieg wird von großen Teilen des Militärs bestritten. "Die aus Legitimationsgründen am meisten traditionssüchtige gesellschaftliche Gruppe", sagt Wette, "kann nicht ertragen, daß die Wehrmacht nicht Teil der Tradition ist." Zwar wagten es die CDU-Verteidigungsminister trotz Ankündigung von Apel-Nachfolger Manfred Wörner nicht, den Erlaß aus sozialliberalen Zeiten zu kippen und einen konservativen Gegenentwurf durchzudrücken. Doch die belasteten Namen mit all ihrer Symbolkraft blieben. Initiativen zur Tilgung als unabwendbare Konsequenz aus der Auseinandersetzung mit dem persönlichen Versagen wurden mit fadenscheinigen Begründungen abgeblockt. Nicht einmal im eindeutigen Fall Dietl konnte sich Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) durchsetzen -- Kasernen-Hausherr Rühe beugte sich dem Votum des Stadtrates von Füssen gegen eine Umbenennung. Eine Ausrede, die sich nur mit Rücksichtnahme auf Wählerschichten am rechten Rand erklären lasse, urteilte Flottillenadmiral a. D. Elmar Schmähung.Wette registriert zudem die Tendenz, vor dem Hintergrund der Umorientierung der Bundeswehr auf Interventionseinsätze außerhalb des NATO-Bereichs "operativ erfolgreiche Generäle" wieder in ein positives Licht zu rücken und hoffähig zu machen. Schmähung befürchtet: "In der Bundeswehr findet der alte Bazillus ,Militarismus, jetzt wieder fruchtbaren Boden." auchMit Umbenennungen kann in der" nächsten Monaten nicht gerechnet werden. Veränderungen haben andere Ursachen. So verschwindet von Leeb, weil die Landsberger Liegenschaft aufgegeben wird. Der Name Günter Schwartzkopff wird nicht mehr die Kaserne der Führungsakademle schmücken, weil er Graf Baudissin, einem der Väter der "Inneren Führung", weichen muß. Doch wird für Ersatz gesorgt: Ein Hörsaal wird nach Schwartzkopff benannt. Der Luftwaffengeneral, der 1940 als Kommodore eines Sturzkampfgeschwaders beim Überfall auf Frankreich fiel, werde "seine Ecke" in der Kaserne erhalten, versicherte ein Sprecher.