Warum brechen 27 Prozent der Studenten in Deutschland ihr Studium ab, ohne ein Examen abgelegt zu haben? Aus Faulheit und Unfähigkeit? Nicht ganz auszuschließen, meinte die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie "Ursachen des Studienabbruchs". Entscheidender aber seien die Strukturen: schlechte Betreuung, unübersichtliche Studienorganisation, finanzielle Probleme. In Deutschland sei es gelungen, den Studentenanteil eines Jahrgangs von 28 auf 35 Prozent zu erhöhen. Jetzt gelte es, diese 35 Prozent auch zum Examen zu führen. Durchgeführt wurde die Studie im Sommersemester 2000 und im Wintersemester 2000/01 von der Gesellschaft Hochschul-Informations-System (HIS) auf der Grundlage einer Befragung von 3 000 Studienabbrechern an 63 Hochschulen. Es ergibt sich folgendes Bild: Mit 30 Prozent Studienabbrechern rangieren die Universitäten an der Spitze, während die Fachhochschulen mit 22 Prozent besser abschneiden. Im Durchschnitt hat ein Studierender 7,6 Semester hinter sich, bevor er sich endgültig aus der Alma Mater verabschiedet. Auf einzelne Fächer bezogen, verzeichnen Universitäten einen größeren Schwund: 42 Prozent der Studierenden der Sozialwissenschaften exmatrikulieren sich ohne Abschluss, dicht gefolgt von den Sprach- und Kulturwissenschaftlern mit 41 Prozent und den Informatikern mit 37 Prozent. In den Lehramtsstudiengängen sind es 14 und in der Medizin nur acht Prozent. Drei ausschlaggebende Gründe für den Studienabbruch wurden in der Befragung am häufigsten genannt: eine berufliche Neuorientierung, Probleme bei der Finanzierung des Studiums und mangelnde Studienmotivation. Problematische Studienbedingungen - schlechte Betreuung, mangelnder Praxisbezug, Unübersichtlichkeit des Studiums, überfüllte Lehrveranstaltungen - werden zwar von 71 Prozent als wesentlich gesehen. Doch nur acht Prozent der Studienabbrecher nannten sie als ausschlaggebend.Edelgard Bulmahn nahm es trotzdem zum Anlass zu betonen, dass es nun vor allem Sache der Hochschulen sei, dem Problem durch verbesserte Studienstrukturen zu begegnen. Um die Bedingungen zu verbessern, will der Bund mit den Ländern als Partner in der Sache zusammenarbeiten. Bulmahn sprach von einem Pakt. Das Studium solle nicht noch verschulter werden, wohl aber übersichtlicher. Bulmahn schlug mehr studienbegleitende Prüfungen vor, und sie reklamierte für sich, dass mit der Einführung von Bildungskrediten und der Reform des Bafög 2001 - die Befragung fand vor der Reform statt - das Motiv finanzielle Probleme nun ausgeschieden sei. Sinnvoll sei es, Studienberatung nicht erst kurz vor Studienbeginn, sondern noch vor dem Abitur anzubieten. Bulmahn regte an, Schule und Hochschule intensiver zu verzahnen.Der Bildungssprecher der unionsgeführten Länder, Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), lehnte Bulmahns Vorstoß als Einmischung in die Länderkompetenzen ab. Der Bund solle sich um die Dinge kümmern, für die er zuständig sei und seine Zusagen bei der Forschungsförderung einhalten.An der Spitze stehen die Studenten der Sozialwissenschaften, von denen 42 Prozent vor dem Examen abspringen.