MITTE. Durch ein 50 Zentimeter kleines Bullauge klettert Marcus Winning aus dem Innern des Fernsehturms auf die schlammige Plattform, die den Betonschaft umschließt. Sie schwingt 135 Meter überm Alexanderplatz. Helm, Brille, Bergsteigergeschirr, Regenhose und -jacke schützen den 31-Jährigen. Vorsichtig geht Winning über schmierige Bretter, steigt eine Metallleiter hoch. Er hat seinen Arbeitsplatz erreicht, ein Spezialgerüst mit drei übereinander liegenden Ebenen. Der gelernte Elektroinstallateur putzt zusammen mit drei Kollegen den Schaft des Fernsehturms. Die Prozedur mit Hochdruckstrahlern geschieht zum ersten Mal an dem Bauwerk und ist der erste Schritt zur Sanierung des Betonpfeilers.Seit elf Jahren arbeitet Marcus Winning als Betonsanierer bei der Harald Zweig Bautenschutz GmbH. "Meine Frau soll am Besten gar nicht wissen, wo ich überall herumturne", sagt er. Auch der 13-jährige Sohn weiß nur, dass der Vater auf Montage arbeitet.Plattform an 40 StahlseilenAm Fernsehturm hatten die Arbeiter in 200 Meter Höhe mit der Putzarbeit begonnen, auf einem Spezialgerüst an 40 Stahlseilen, je einen Zentimeter dick. 20 synchron gesteuerte Winden halten den Arbeitsring waagerecht. Hinter den Planen stehen die Männer mit den Hochdruckstrahlern. Sie sind eingehüllt von einem Nebel aus Wasser, Sand und Schmutz, der sich von der Außenwand des Fernsehturms löst. Mit 350 Bar kommt das Wasser aus den Düsen, 70 Mal so stark wie bei einer normalen Wasserleitung. Am Tag schaffen die Männer 1 000 Quadratmeter. 80 000 Liter Wasser werden sie verbraucht haben, wenn der Turm-Schaft sauber ist. Statt gelb-grau sieht der Beton dann weiß-grau aus.30 Tonnen Mörtel müssen ranGanz sauber muss der Beton sein, damit später der Mörtel an den Stellen hält, die mit 30 Tonnen Zementspachtel ausgebessert werden müssen. Danach wird die Außenwand mit mehr als 12 Tonnen Farbe gestrichen. Bis Oktober will die Firma aus Essen den Turmschaft von der Kugel bis zum Fuß saniert haben. Marcus Wenning und seine Kollegen wissen nicht, ob sie bis dahin noch an ihrer derzeit "höchsten Baustelle Deutschlands", wie ihr Chef es nennt, arbeiten. "Wir wechseln oft die Baustelle und treffen dann wieder auf andere Kollegen", sagt Wenning. "In der Firma heißt es immer, das ist gut, damit sich nicht noch Grüppchen bilden so wie bei Bayern München."