Die Pläne waren kühn, vielleicht zu kühn. Der Berliner Star-Architekt Jan Kleihues wollte in der libyschen Hauptstadt Tripolis einen 69 Stockwerke hohen Wolkenkratzer bauen. Er sollte mit 277 Metern das höchste Haus auf dem afrikanischen Kontinent werden. Doch nun haben sich die Pläne zerschlagen. "Wir haben vor drei Wochen unser Büro geschlossen", sagte Kleihues gestern zur Berliner Zeitung.Mit den Protesten gegen das Regime von Libyens Machthaber Muammar Al-Gaddafi hat Kleihues' Rückzug nichts zu tun. Das Projekt sei einfach nicht vorangekommen, sagt der Architekt. "Wir gehen davon aus, dass es tot ist." Nur die Baustelle wurde noch eingerichtet, doch dabei blieb es. "Vielleicht ist es auch ganz gut so", sagt Kleihues mit Blick auf die Eskalation der Gewalt. "Mit großer Besorgnis und einer gewissen Verbittertheit" verfolge er die Entwicklung in Libyen. "Ich habe in meiner Naivität gedacht, dass es den Leuten da doch ein wenig besser geht", sagt er. "Ich finde es schlimm, wie da jetzt agiert wird."Erinnerung an MachtergreifungKleihues hatte sich mit seinem Hochhausentwurf in einem internationalen Wettbewerb gegen Architekten aus Italien, Österreich und Australien durchgesetzt. "Tower 69" sollte der von einem libyschen Unternehmen beauftragte Hochhaus-Komplex heißen, um an das Jahr 1969 zu erinnern, in dem Revolutionsführer Muammar Al-Gaddafi die Macht ergriff. In dem Turm sollte ein Fünf-Sterne-Plus-Hotel mit 456 Zimmern und Suiten entstehen. Kleihues überzeugte die Jury mit einem Entwurf, der Elemente aus der arabischen Architektur aufgriff: Die Fassade wollte er mit einer rautenförmigen Gitterstruktur gestalten, der Ballsaal sollte an ein Beduinenzelt erinnern.Als Bauherr des etwa 500 Millionen Euro teuren Projekts sollte die LAP (Libya Africa Investment Portfolio) fungieren. Ihm sei jedoch immer klar gewesen, dass ein solches Projekt nicht ohne Zustimmung der Regierung entstehen könne, sagte Kleihues.Bevor sich der Architekt auf das Projekt in Libyen einließ, fragte er beim Bundesverfassungsschutz nach, ob er dies dürfe. Schließlich baut Kleihues in Berlin gerade die neue Zentrale für den Bundesnachrichtendienst (BND), den deutschen Auslandsgeheimdienst. Der Verfassungsschutz hatte gegen das berufliche Engagement Kleihues' in Libyen nichts einzuwenden. Allerdings unter einer Voraussetzung: Es sollten keine Mitarbeiter, die für den BND-Neubau tätig sind, gleichzeitig für das Projekt in Tripolis eingesetzt werden - Kleihues ausgenommen.Kleihues ist nicht der erste Berliner Architekt, der in Libyen glücklos blieb. Im Jahr 2007 gewannen die Berliner Architekten Hilde Léon, Konrad Wohlhage und Siegfried Wernik den Wettbewerb für ein neues Regierungsviertel in Tripolis. Ein Jahr später verschwanden die Pläne in der Schublade. Gründe dafür wurden nicht genannt.Kleihues blickt nun nach vorne. Neben der Baustelle für den Bundesnachrichtendienst zieht es ihn wieder ins Ausland. In der norwegischen Hauptstadt Oslo hat er vor kurzem ein Büro eröffnet. Dort soll er einen Neubau für das National-Museum errichten.------------------------------Foto: Architekt Jan Kleihues sollte das höchste Haus Afrikas bauen.

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