Wenn alles funktioniert, dann werden die U-Bahn-Züge der Linie 1 so leise, dass zehntausende Anwohner sie ignorieren können. Bis Mitte des nächsten Jahres erproben die Berliner Verkehrsbetriebe auf einem 150 Meter langen Stück der Hochbahn über der Gitschiner Straße ein so genanntes Flüstergleis. Dafür beginnen am kommenden Wochenende zwischen der Station U-Bahnhof Prinzenstraße und dem Wassertorplatz die Bauarbeiten. Die Züge werden deshalb auf dieser Strecke an den nächsten vier Wochenenden bis zum 30. Oktober im Pendelverkehr fahren."Auf den Flüstergleisen sollen die Züge wesentlich leiser als der Straßenverkehr sein", sagt Uwe Kutscher, der Chef der U-Bahn-Bau-Abteilung bei der BVG. Das Geheimnis der Flüsterschienen besteht darin, dass sie in Gummi eingebettet sind. Vorbei die Zeiten der klassischen Schwellen und Schotterbetten: Die neuen Schienen werden samt Gummipolstern auf Stahlträger geschraubt. Die Zwischenräume sollen mit schallschluckendem Bimsstein oder Matten gefüllt werden. Forscher der Technischen Universität grübeln noch über eine dritte Variante: Die Flächen zwischen den Gleisen könnten möglicherweise mit Gras oder Kräutern begrünt werden.Ein neues GleisbettDie Pfeiler und Abschnitte der Brücke wurden in den vergangenen Jahren bereits saniert, jetzt muss das Gleisbett erneuert werden. Rein rechnerisch habe die alte Stahlkonstruktion der Fahrbahn ihre Lebensdauer demnächst erreicht, sagt Bauleiter Kutscher. Vor allem die gewölbten Bleche, auf denen das Schotterbett mit den Gleisschwellen liegt, sind am Ende. Rund 4,2 Millionen Mark lässt sich die BVG den Versuch kosten, an dem die Technische Universität und die Bundesanstalt für Materialprüfung beteiligt sind. Letztendlich werde trotzdem Geld gespart, versichert Kutscher. Bei der herkömmlichen Sanierungsmethode seien jahrelange Bauarbeiten und Vollsperrungen nötig, um die Bleche mit dem Schotterbett auszutauschen. Die Kosten dafür würden nach BVG-Schätzungen weit über 100 Millionen Mark betragen. Bei dem neuen Verfahren werden lediglich Stahlträger, die die Schienen halten, auf die vorhandenen Träger montiert. Die alten Bleche bleiben, wo sie sind, weil sie nun nicht mehr belastet werden. Dadurch, sagt Kutscher, betragen die Kosten nur rund 40 Millionen Mark. Zudem werde die Wartung billiger. Zwei Schienensorten unterschiedlicher Hersteller will die BVG auf dem Abschnitt ausprobieren.Europaweit einmaligWenn der Test erfolgreich ist, soll die gesamte Strecke von der Warschauer Straße bis zum Gleisdreieck mit den neuen Gleisen ausgestattet werden. Die Sanierung der sechs Kilometer langen Hochbahn soll im Jahr 2004 abgeschlossen sein. Ob sich die Flüstergleise auf einer Hochbahn bewähren, weiß allerdings niemand. "Europaweit ist die neue Bauweise jedenfalls einmalig", sagt Uwe Kutscher. "Deshalb gibt es damit auch keine Erfahrungen."Pendelverkehr an vier Wochenenden // Die Hochbahnstrecke der Linie 1 ist rund 100 Jahre alt und die älteste U-Bahn-Linie der Stadt. Baubeginn war 1896. In den 30er-Jahren wurde ein großer Teil des Tragwerks und der Stützen erneuert.Seit 1995 sanieren die Berliner Verkehrsbetriebe erneut Hauptträger und Brückenteile an dem sechs Kilometer langen Viadukt.Bis Mitte 2001 wird die BVG zwischen U-Bahnhof Prinzenstraße und Wassertorplatz neuartige Schienen testen.Die Bauarbeiten dafür beginnen an diesem Wochenende. Von Freitag 22 Uhr bis Sonntag-abend besteht zwischen Warschauer Straße und Gleisdreieck Pendelverkehr, ebenso an den folgenden Wochenenden bis zum 30. Oktober.Die Linie U 15 verkehrt an diesen Wochenenden nur zwischen Uhlandstraße und Nollendorfplatz.BERLINER ZEITUNG/PABLO CASTAGNOLA Ein Bauarbeiter zeigt ein Modell der neuen "Flüsterschiene". Sie ist eingebettet in ein Gummipolster.