Beschlossen ist sie noch nicht, doch die Gemüter erhitzt sie schon heute - die ab dem Jahr 2003 geplante Straßengebühr in Deutschland. Sollten nach den bisherigen Plänen schwere Lkw pro Kilometer mit 25 Pfennig belastet werden, verlangt die Regierungskommission nun sogar 40 Pfennig für schwere Lkw ab 40 Tonnen. Mehr noch: Auch leichte Lastkraftwagen und sogar Pkw sollen demnach Gebühren zahlen. Und das nicht nur auf Autobahnen sondern auf allen Bundesfernstraßen.Der neue Vorschlag geht weit über die bisherigen Ideen hinaus - und damit in die richtige Richtung. Denn alle bisherigen Überlegungen griffen zu kurz. Ziel der Straßengebühr muss es sein, dass diejenigen, die die Straßen benutzen, auch entsprechend für deren Erhalt aufkommen. Das heißt, die Abgabe muss vor allem den schweren Lkw-Verkehr treffen. Fast die Hälfte aller Straßenschäden werden vom Lkw verursacht. Ein 40-Tonner zerstört die Straßen im selben Maße wie 160 000 Pkw - ganz zu schweigen von den externen Kosten durch Luftverschmutzung, Lärm, Unfälle, Klimaveränderungen und Aufwendungen für die Verkehrssicherheit. Der Aufwand von Bund und Ländern zur Schadensbegrenzung liegt weit höher als die Einnahmen aus Lkw-Abgabe und Mineralölsteuer. Nach jüngsten Studien der Wirtschaftsforscher liegen allein die Umweltkosten bei jährlich mindestens 66 Milliarden Mark.Dennoch hat sich der Güterverkehr auf Straßen in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht. Bis 2015, so schätzen Experten, wird er sich um weitere 50 Prozent erhöhen - wenn alles so bleibt, wie es ist. Der Transport auf Schienen dagegen sank in den letzten Jahren von 26 auf 16 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Die Abgaben für einen Lkw in Deutschland sind extrem niedrig. Mit dem Preis für eine Jahresvignette von 2 500 Mark legt ein Lkw im Durchschnitt 120 000 Kilometer zurück. Ein Güterzug kann für den gleichen Preis lediglich von Hamburg nach Frankfurt am Main fahren, weil er für jeden Kilometer Trassengebühr zahlt.Dieser extreme Wettbewerbsnachteil für die Eisenbahn in Deutschland muss endlich beseitigt werden. Nur mit einer entsprechend hohen Straßengebühr ist das eigentliche Ziel zu erreichen: Eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene.