BERLIN. Das bekannteste Foto Holger Börners ist nicht seinetwegen so oft abgedruckt worden. Es zeigt ihn am 12. Dezember 1985 bei der Vereidigung von Joschka Fischer zum hessischen Umweltminister, der Geburtsstunde der ersten rot-grünen Koalition der Bundesrepublik. In der Nacht zum Mittwoch ist der frühere hessische Ministerpräsident im Alter von 75 Jahren in Kassel gestorben, und in vielen Würdigungen seiner Person wird diese politische Leistung, die Öffnung der SPD für die Zusammenarbeit mit den Grünen, hervorgehoben.Der gelernte Betonfacharbeiter galt als ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn mit zunächst wenig Sympathien für die Grünen und die Umweltbewegung. Er setzte den heftig umstrittenen Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens durch und förderte die Atomindustrie. Oft zitiert wurde sein Ausspruch gegenüber Straßenblockierern, früher auf dem Bau habe er solche Probleme mit der Dachlatte erledigt. Später wollte Börner den Satz in dieser Form zwar nicht gesagt haben, verbürgt ist hingegen dieses Zitat des ebenso schwergewichtigen wie vollblütigen Politikers: "Ich heiße Börner, wiege 250 Pfund und wenn ich Zorn habe das Doppelte."Vor seiner Zeit als Ministerpräsident (1976 bis 1987) war er fast 20 Jahre Bundestagsabgeordneter und in den 70er-Jahren SPD-Bundesgeschäftsführer. Von 1987 bis 2003 leitete er die Friedrich-Ebert-Stiftung. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte Börner als einen wirklichen Menschenfreund und integren Politiker. SPD-Chef Kurt Beck nannte ihn einen geborenen Sozialdemokraten und der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) einen empfindsamen Menschen und entschlossenen Staatsmann.------------------------------Foto: Holger Börner, hessischer SPD-Politiker