ZOSSEN. Rainer Link sitzt hinter dem Tresen seines Internetcafés und wartet auf Kundschaft. Griesgrämig guckt der weißhaarige Mann nach draußen. Es ist leer an diesem Mittag. Vor Schichtbeginn hat er wieder Bierkästen und einen Werbeaufsteller auf die goldfarbenen Gedenksteine vor seiner Tür geschoben. Eine Provokation. Er findet die Steine "unerträglich", diese Erinnerungskultur an die Judenvernichtung. "Ich will das nicht haben", sagt er.Seit der Künstler Gunter Demnig vor einer Woche zwei neue Stolpersteine vor Links Laden in der Berliner Straße 11 gesetzt hat, wissen die Zossener, dass sich dort ein bekennender Antisemit eingenistet hat. Denn schon bei der Verlegung der Messingsteine, die an das jüdische Ehepaar Martha und Lesser Weinberg erinnern, das im Konzentrationslager von den Nazis ermordet wurde, hatte Link heftig protestiert. Einen Mitarbeiter der Stadt griff er sogar an und drohte, gerichtlich gegen die Steine vorgehen zu wollen. Doch die Straße ist öffentliches Straßenland - sie gehört nicht zu Links Anwesen.Jetzt erreichte Bürgermeisterin Michaela Schreiber (parteilos) ein Beschwerdebrief, den Link auch demonstrativ in sein Ladenfenster gehängt hat. "Wenn ich gewusst hätte, dass Juden in dem Haus gewohnt haben, hätte ich dieses Haus nicht gekauft", schreibt er. Ab und an bleiben Zossener vor dem Laden stehen, blicken auf den Brief und gehen kopfschüttelnd weiter. Worte wie "Auschwitz-Keule" lesen sie dort und Sätze, die Links antisemitische Gesinnung belegen. "Wir sind schon entsetzt über das Gebaren des Mannes", sagt Stadtsprecher Axel Jürx. Noch aber regt sich keinerlei Protest in der Stadt. "Wir müssen aber etwas tun", sagt Kurt Liebau, der Leiter des Projekts "Jüdische Spurensuche in Zossen".Links Laden liegt zwischen Reisebüro, Eiscafé und Modegeschäften. Doch seine Nachbarn halten sich bedeckt. Man wolle nichts sagen, ist überall zu hören. Nur die Kellnerin eins Cafés, die aber ihren Namen nicht nennen mag, äußert sich: "Ganz wohl war mir noch nie bei den Jungs in Bomberjacken, die da den ganzen Tag sitzen." Rainer Link zog vor drei Jahren aus Berlin nach Brandenburg, er kaufte in Zossen diesen Laden und das dahinterliegende Haus. Anwohner beobachten, wie Jugendliche dort am Abend Computer spielen und Männer in einschlägiger Kleidung mit Link im Hinterhaus verschwinden.Schon mehrfach stand der Mann, der mit den bekannten Rechtsextremisten und Holocaust-Leugnern Horst Mahler und Ernst Zündel sympathisiert, vor Gericht. So musste sich Link im April 2006 wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung vor dem Amtsgericht in Berlin-Tiergarten verantworten. Er hatte nach Angaben von Berlins Gerichtssprecherin Iris Berger vor einer Schule Flugblätter verteilt. "Darin stellte er den Völkermord in Abrede", sagt die Sprecherin. Damals sei Link zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden. "Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig", sagt Iris Berger.Auch in Frankfurt (Oder) stand der Mann in diesem Frühjahr vor Gericht. "Der Vorwurf lautete auf gemeinschaftliche Volksverhetzung", sagt Gerichtssprecher Marco Kriegelstein. In dem Berufungsverfahren wurde Link am 27. März 2008 zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätze zu jeweils 20 Euro verurteilt. Link hat gegen das Urteil Revision eingelegt.Sechs Stolpersteine gibt es in Zossen, vier weitere sollen folgen. Bürgermeisterin Schreiber macht klar: "Wenn er das Haus verkaufen will, um dann zu verschwinden, würde die Stadt das Haus erwerben."------------------------------Familie WeinbergDie Weinbergs: Das jüdische Ehepaar Lesser und Martha Weinberg betrieb in der Berliner Straße 11 in Zossen sowie in Berlin Textilgeschäfte. Sie hatten zwei Söhne und eine Tochter. Noch vor der Pogromnacht 1938 zogen sie nach Berlin.Deportation: Am 24. September 1942 wurde das Ehepaar ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Lesser Weinberg starb dort am 22. Februar 1943, seine Frau Martha im August 1944.Kinder: Nur das Schicksal eines ihrer Kinder ist bekannt. Sohn Herbert, der als Rechtsanwalt tätig war, wurde in das KZ Auschwitz deportiert. Dort wurde er ermordet.------------------------------Foto: Zum Gedenken an ermordete jüdische Einwohner wurden Stolpersteine auch für das Ehepaar Weinberg verlegt.