Der Schülerbeirat warnte vor Panikmache. „Die sexuelle Vielfalt ist doch ein Teil unserer Gesellschaft, warum sollte sie nicht im Unterricht vorkommen“, sagte der Vorsitzende Christian Stärk „Spiegel Online“. „Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul oder hetero“, sagte Stärk gegenüber „Spiegel Online“. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er, auch homosexuelle Lehrer outeten sich eher nicht, aus Angst vor blöden Kommentaren oder davor, von Schülern bloßgestellt zu werden.

Die SPD stellte sich in einer am Samstag verabschiedeten Resolution hinter die geplante Reform der Bildungspläne. Parteichef Nils Schmid sagte, das Vermeiden von Diskriminierung jeder Art müsse Teil der Bildungspläne sein. Die SPD verurteilte die von Zehntausenden unterstützte Petition, die sich gegen eine „Überbetonung“ des Themas Homosexualität im Unterricht wendet. Sie zeichne Zerrbilder und versuche, Ängste zu schüren.

In einem internen Papier des Kultusressorts sind als Leitlinien für den Bildungsplan 2015 unter anderem berufliche Orientierung, nachhaltige Entwicklung, Medienbildung vorgesehen; sie sollen auch unter dem Aspekt sexueller Toleranz gesehen werden. Diese Ausschließlichkeit hält der Chef des Landes-Philologenverbandes, Bernd Saur, für unglücklich. Toleranz könne auch anhand von Kriterien wie Religion, Herkunft oder Hautfarbe durchgespielt werden.

Nach Angaben des Bundesvorsitzenden des Verbands für lesbische und schwule Polizeibedienstete, Thomas Ulmer (51), ist Homosexualität auch bei der Polizei ein Tabu-Thema. „Viele Kollegen haben Angst davor, sich dazu zu bekennen.“

Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, forderte FDP-Chef Christian Lindner auf, „sein donnerndes Schweigen“ zu diskriminierenden Tönen aus der FDP Baden-Württemberg zu brechen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, hatte im Zusammenhang mit dem Bildungsplan gesagt, für die FDP sei die Familie die wichtigste Lebensform.

Bis zum Sonntagnachmittag unterzeichneten rund 104.000 Gegner der grün-roten Pläne eine Petition. Bei den Befürwortern des Anliegens von Grün-Rot, die eine eigene Petition im Internet gestartet haben, waren es zum gleichen Zeitpunkt rund 46.000.