Als im Jahre 1977 das DDR-Fernsehen seine große Serie "Zur See" startete, war es keine Frage, wer oben auf der Kommandobrücke steht, das Steuer fest in der Hand. Den Kapitän konnte nur Horst Drinda spielen. Er war der Mann für die starken Charaktere mit einer natürlichen Autorität. Am Montag ist Horst Drinda im Alter von 77 Jahren in Berlin gestorben. Über Jahrzehnte hinweg war der 1927 geborene Berliner einer der populärsten DDR-Schauspieler. Seine Karriere begann Ende der 40er-Jahre am Deutschen Theater. Gustav von Wangenheim entdeckte ihn, Wolfgang Langhoff förderte ihn. In den Sechzigern bewies Drinda in klassischen Dramen wie "Egmont", "Don Carlos", "Wallenstein" seine Wandlungsstärke. Legendär wurde er in der Rolle als diabolischer Bürgermeister in Jewgeni Schwarz' Märchengroteske "Der Drache" - hier erlebte ihn das Publikum mehr als 600 Mal. Auch auf der Leinwand war Horst Drinda als Charakterdarsteller und als Komödienheld zu sehen. Er spielte Hauptrollen in Konrad Wolfs "Lissy" und Günther Rückers "Die besten Jahre" - Filme, die heute zu den Höhepunkten der DEFA-Geschichte gezählt werden. Populär aber machten ihn Lustspiele wie "Die Liebe und der Co-Pilot" und "Das verhexte Fischerdorf". 1971 wechselte Drinda vom Deutschen Theater zum Ensemble des DDR-Fernsehens. Er verkörperte so gegensätzliche Figuren wie Axel Cäsar Springer, Georgi Dimitroff und Gerhard von Scharnhorst, hielt in der überaus populären Serie "Zur See" als Kapitän Hans Karsten das Frachtschiff "MS Fichte" sicher auf Kurs und gab in der Serie "Unser Mann ist König" sogar einem kommunalen DDR-Volksvertreter Glaubwürdigkeit. Mit der Wende brach Drindas Karriere ab. Zwar bekam er Angebote, doch die Serienrollen sagten ihm nicht zu. Er vermisste Niveau, soziale Hintergründe und Tiefe. "Ich gebe von meiner Lebenszeit nichts mehr her für irgendwelche Märker", betonte er in einem der wenigen Interviews in den Neunzigern. Er genoss lieber das Leben auf seinem Grundstück am Scharmützelsee und unternahm mit seiner Frau Ingeburg, seiner Jugendliebe, mit der er seit 1953 verheiratet war, Reisen in die weite Welt, auch als Passagier auf Kreuzfahrtschiffen. Nur vereinzelt ließ er sich zu Gastauftritten überreden, zuletzt 2003 in der ARD-Krankenhausserie "In aller Freundschaft". Hier spielte er den Mann einer krebskranken Frau. Kurz darauf wurde er selbst schwer krank, zwei Schlaganfälle lähmten ihn. Seine Familie pflegte ihn bis zuletzt.------------------------------Foto: Horst Drinda - Theaterstar, Film- und Fernsehschauspieler.