Nur ein kleiner, schwarzer Stern trennt Christian Schenk von seiner weiblichen Vergangenheit. Auf seiner Webpage steht er, direkt hinter seinem Namen. Und ein ganzes Stück darunter liest man: "vormals Christina". Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Christina Schenk hat sich 2004 entschieden, "endlich auch nach außen hin" ein Mann zu sein und ließ sich im vergangenen Jahr operieren. Dass der 54-jährige Christian Schenk heute keinen BH mehr trägt und nicht mehr in die Frauenkneipen darf, für die er selbst gekämpft hat, hat er einer Frau zu verdanken.Der Busen ist weg"Wie ein Urknall war das, als ich meine jetzige Freundin traf. Ich war meistens in der Lesben-Szene unterwegs, und da war es natürlich undenkbar, plötzlich ein Mann zu sein. Obwohl ich mich schon immer als solcher gefühlt habe. Aber mit meiner Freundin ging auf einmal alles", sagt er. In der Haut einer Frau hat er sich immer unbehaglich gefühlt. "Ich habe mich nie weiblich gefühlt und bin immer mit gebeugten Schultern rumgelaufen, um meinen Busen zu verbergen." Nur einmal legte sich Schenk unters Messer - dann waren die Brüste weg. Seine helle Stimme behandelte er mit Hormonen. "Ich fühle mich viel wohler und gelassener. Oft bin ich innerlich zusammengezuckt, wenn man mich mit Frau Schenk angesprochen hat", sagt der grauhaarige Brillenträger.Jetzt erlebt er die Männer-Klischees am eigenen Leib. Geht er mit seiner Freundin in eine Bar, bekommt er automatisch das Bier vorgesetzt, das sie bestellt hat. "Obwohl ich lieber Saft oder Alkoholfreies trinke. Mir macht es dann auch Spaß zu sagen: ,Nein, der O-Saft ist für mich.'" Als Bundestagsabgeordnete war Schenk bei den Grünen und später in der PDS-Fraktion für Frauenrechte zuständig. Will Christian Schenk jetzt noch für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen streiten? "Ich machte und mache Frauenpolitik nicht nur für Frauen. Ich kämpfe für gleiche Geschlechterverhältnisse. Denn alle sogenannten Frauen-Themen wie Abtreibung gehen Männer genauso an", sagt Schenk.Der studierte Physiker gründete 1990 den "Unabhängigen Frauenverband", mit der heutigen Stadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Sybill Klotz. "Ich habe Christian als Feministin kennengelernt. Sie ist nie sehr weiblich im Ballettröckchen aufgetreten und hatte damals schon ihre geradlinigen und klaren Einstellungen", sagt Klotz.Ebenfalls 1990 zog Schenk für die Grünen in den Bundestag ein. Als erste Politikerin ließ sie den Eintrag "lebt in lesbischer Lebensgemeinschaft" in das Abgeordnetenhandbuch des Bundestages schreiben. Vier Jahre später kandidierte er nicht mehr für die Grünen und vertrat bis 2002, wenn auch ohne Parteibuch, als Abgeordnete die PDS.Nach einer mehrjährigen Pause will Schenk wieder aktiv werden, auch wenn er selbst nun als Mann ganz anders wahrgenommen wird. "In Web-Diskussionsforen wird mir schon mal vorgeworfen, ich könne als Typ dazu sowieso nichts sagen", meint er. Doch seine politische Einstellung hat sich nicht verändert. "Ich bin doch der gleiche Mensch."Dass Menschen allein auf Grund ihrer "Biologie" anders wahrgenommen werden, geht Christian Schenk nicht in den Kopf. Auch deshalb ist ihm eine Reform des Transsexuellen-Gesetzes ein großes Anliegen. "Es muss einfacher werden, seinen Namen und sein Geschlecht zu wechseln. Keiner überlegt sich einfach mal so, seine Identität zu ändern, das ist ein langer Prozess." Wie lang der Weg sein kann, dafür steht Christian Schenk selbst.Damit wird er nicht nur in die bundespolitische Geschichte eingehen, sondern auch wohl der einzige Mann sein, der je einen Preis vom WDR erhielt mit dem Titel "Frau des Monats".------------------------------Foto: (2) Davor und danach: Der 54-jährige Christian Schenk (oben) nach seiner Geschlechtsumwandlung. Als Frau habe er sich nie wohl in seiner Haut gefühlt. Voriges Jahr entschied sich Christina Schenk (links), ihr weiteres Leben als Mann zu verbringen. Als Bundestagsabgeordnete kämpfte sie für die Rechte der Frauen.