ULRICH PAUL ärgert sich über die platte Produktreklame anlässlich der Fußball-WMDeutschland, Land der Ideen - das hörte sich nach einer geistreichen Initiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft an. Zur Fußball-WM wollte die Initiative der Welt zeigen, "wie deutsche Dichter und Denker, Forscher und Erfinder, Künstler und Komponisten das Leben seit Jahrhunderten bequemer, sicherer und schöner machen". Leider hat die Initiative die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Der "Walk of Ideas", bei dem Skulpturen an prominenter Stelle in Berlin den Ideenreichtum und Erfindergeist Deutschlands symbolisieren sollen, ist überwiegend zur peinlich platten Produktreklame verkommen. Vor dem Reichstagsgebäude erinnert eine überdimensionale Pillen-Skulptur an die Erfindung der Aspirin-Tablette, im Spreebogenpark rufen ein paar Fußballschuhe in XXXL-Größe die Erfindung des Fußballschuhs mit auswechselbaren Stollen ins Gedächtnis und vor dem Brandenburger Tor erinnert ein Audi an die erfolgreiche Geschichte des deutschen Automobilbaues. Solche Skulpturen mögen an Messeständen der Hersteller ihren berechtigten Platz haben - für die Nutzung der besten Plätze in der Hauptstadt sind sie ungeeignet. Dass an solch prominenter Stelle geworben werden kann, lässt sich allenfalls dadurch erklären, dass die Firmen Adidas (Stollenschuh), Bayer (Aspirin) und Audi zu den offiziellen Partnern der Initiative "Land der Ideen" gehören. An deutschen Erfindergeist hätte man besser unabhängig vom heutigen Selbstdarstellungstrieb mancher Wirtschaftsunternehmen erinnert: indem man den Erfinder der Röntgenstrahlen, Wilhelm Conrad Röntgen (1895) gewürdigt hätte oder Konrad Zuse, den Erfinder des Computers.Bleibt also zu hoffen, dass wenigstens die deutsche Nationalmannschaft zur WM so spielt, dass dies zum Motto "Land der Ideen" passt.