Wer die sechsspurige Landsberger Allee stadtauswärts fährt, passiert auf der rechten Straßenseite kurz vor der Rhinstraße eine lang gestreckte Brache. Dort wird im Witer der Grundstein gelegt für Berlins vierte Ikea-Filiale. "Wir brauchen etwa acht Monate, bis das Möbelhaus fertig ist", sagt Simone Settergren, Referentin für Expansionsthemen bei Ikea Deutschland. Die Eröffnung sei für Herbst 2010 geplant. Um die Kosten zu senken, sei das Bauvorhaben noch einmal überarbeitet worden, so die Sprecherin. So werde es keine unterirdischen Auto-Stellplätze geben, sondern ein zweigeschossiges Parkhaus.Der Neubau, der an guten Tagen 15 000 Kunden zählen soll, könnte die Entwicklung des gesamten Gewerbegebietes entlang der Landsberger Allee beschleunigen. Schon lange existieren Pläne für weitere Fach- und Möbelmärkte an der viel befahrenen Magistrale, doch offenbar warten alle, dass Ikea loslegt. Auf dem Gelände, auf dem heute Möbel-Max steht, soll zum Beispiel ein Fachmarktzentrum mit 48 000 Quadratmeter Verkaufsfläche errichtet werden. "Der Bau wurde schon vor drei Jahren genehmigt", sagt Lichtenbergs Baustadtrat Andreas Geisel (SPD).Mit viel Wohlwollen sieht man im Bezirk auch die anstehenden Veränderungen auf dem Gelände des Zwischenpumpwerks der Berliner Wasserbetrieb. Ein Drittel des 15 Hektar großen Areals mit den markanten Klinkerbauten soll abgetrennt und zu einem Standort für Kultur, Sport und Unterhaltung umgebaut werden - ähnlich wie die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. "Wir brauchen zwei Häuser und einen unterirdischen Wasserspeicher nicht mehr", sagt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe. Dort sollen ein Restaurant mit Biergarten eröffnen, ein Sportartikelfachmarkt und ein Wellness-Bereich. "Das sind aber zunächst nur Ideen, entschieden ist noch nichts", betont Natz. Das Grundstück könne nächstes Jahr verkauft werden, die Umbauten könnten bis 2011 erfolgen. "Wichtig ist uns, dass das einheitliche Erscheinungsbild nach außen bestehen bleibt", so Natz.Gebaut werden soll auch auf dem Gelände direkt neben Ikea. Dort plant die Grundstücksgesellschaft Berlin-Lichtenberg GbR seit vielen Jahren einen großen Einkaufs-Komplex. Gebaut wurde aber noch nichts, weil der Bezirk einen Teil ablehnt: den riesigen Supermarkt der Firma Globus, in dem es außer Lebensmittel auch Haushaltswaren, Elektrogeräte und Kleidung geben soll. Zunächst waren 12 000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant, inzwischen ist die Rede von 8 400 - gut zwölf Mal mehr als ein herkömmlicher Supermarkt. "Ich sehe darin eine große Gefährdung der Nahversorgungszentren in der Gegend", sagt Wirtschaftsstadtrat Andreas Prüfer (Linke). Drastischer formuliert es Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): "Das Globus-Warenhaus wäre das wirtschaftliche Aus des Anton-Saefkow-Platzes und der Allee-Arcaden." Selbst im Eastgate in Marzahn würden die Auswirkungen zu spüren sein. Es gehe nicht gegen Globus, man habe dem Unternehmen auch alternative Standorte angeboten, wo es bestehende Zentren stärken könne - doch Globus bestehe auf dem Standort Landsberger Allee.Die Investoren des Areals - die Hamburger Eheleute Helmut und Hannelore Greve - sind verwundert über die ablehnende Haltung Lichtenbergs. Greve wolle mehrere Millionen Euro investieren und mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen, argumentiert Berlin-Repräsentant Hans-Jürgen Klemm. Im Übrigen gefährde Globus nicht den Bestand kleiner Supermärkte, "Globus ist Konkurrent für die Großen, nicht für die Kleinen". Klemm vermutet, dass Lichtenberg vorhandene Unternehmen wie die ECE oder Kaufland vor Konkurrenz schützen wolle. Sollte der Bezirk das SB-Warenhaus weiterhin ablehnen, sei eine juristische Klärung nicht ausgeschlossen, so Klemm. Nach Auskunft ihres Anwalts seien die Aussichten dafür "sehr gut".Vor Ostern hat Globus eine Bauvoranfrage eingereicht, die allerdings abgelehnt wurde. Juristische Folgen hatte diese Entscheidung des Bezirks bislang aber nicht.Unterdessen haben die Investoren Unterstützung von Anwohnern bekommen. Aus Protest gegen die ablehnende Haltung des Bezirks haben Bewohner des Wohngebiets Weiße Taube ein Bürgerbegehren für das Globus-Warenhaus eingereicht. Zurzeit wird geprüft, ob das Begehren überhaupt zulässig ist.------------------------------Hier soll demnächst gebaut werden1. Zwischenpumpwerk Lichtenberg, Landsberger Allee 230-250: Ein Drittel des Geländes der Wasserbetriebe soll zu einem Standort für Gastronomie, Kultur und Unterhaltung werden. Fertigstellung: 2011.2. Grundstück der Winchester Luxemburg Investmentfonds, Landsberger Allee 358: 48 000 Quadratmeter Verkaufsfläche für multifunktionales Fachmarktzentrum bereits genehmigt. Baubeginn jeder- zeit möglich.3. Grundstücksgesellschaft Berlin-Lichtenberg GbR, Landsberger Allee 360-362: Geplant ist ein Fachmarktzentrum, bestehend aus einem Möbelhaus, Baumarkt und Getränke-Center. Auch ein Selbstbedienungswarenhaus soll entstehen. Bauantrag noch nicht gestellt.4. Ikea, Landsberger Allee 364: Berlins vierte Ikea-Filiale soll 22 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erhalten, Baubeginn soll Ende 2009 sein, die Eröffnung im Herbst 2010.------------------------------Grafik: Gleich vier Bauvorhaben sollen an der Landsberger Allee verwirklicht werden.------------------------------Foto: Kultur statt Wasser: Ein Teil des Zwischenpumpwerks Lichtenberg soll für Kunst und Gastronomie genutzt werden.