EBERSWALDE. Der 38-Jährige handelte mit verbotenen Dingen aus einer unrühmlichen Zeit: mit Hakenkreuzarmbinden, mit Orden aus der Nazizeit oder Teilen von Wehrmachtsuniformen. Dinge, auf die alte und neue Nazis, aber auch Sammler von Kriegsdevotionalien ganz scharf sind - für ein Ritterkreuz zahlen sie etwa 80 Euro. Doch gestern wurde eine wichtige Bezugsquelle der Militaria-Szene geschlossen. In Templin (Uckermark) durchsuchten Polizisten um 8 Uhr die Wohnung des 38-jährigen Udo W. und seines Bruders. Die 50 Beamten durchsuchten auch die Wohnungen von drei Mittäterinnen und stellten Unterlagen und etwa 100 Devotionalien sicher.Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt seit zwei Jahren gegen Udo W. unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das Pikante an der Geschichte: Udo W. hat seine Kunden auch noch betrogen. Denn die Dinge, die er bei Ebay oder auf speziellen Internet-Seiten angeboten hat, sind unecht. "Es sind keine Originale", sagte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt. Die täuschend echt aussehenden Stücke wurden extra von Firmen in Polen hergestellt. Auch dort fanden Durchsuchungen statt. "Wir gehen davon aus, dass er tausende strafrechtlich relevante Gegenstände quasi gewerbsmäßig nach Deutschland eingeführt hat", sagte er. In 650 Fällen sei der illegale Handel bereits genauestens nachgewiesen.Der 38-Jährige gilt nicht als Neonazi, sondern als Belieferer der Szene. Gegen ihn wurde bereits wegen Betrugs ermittelt. Ihm droht nicht nur eine Geld- oder Haftstrafe wegen des illegalen Handels, gegen ihn wird auch noch wegen Steuerhinterziehung und wegen "Leistungsbetrugs" ermittelt. Denn Udo W. hat nicht nur seit 2004 seine Kunden abgezockt, sondern auch seit vier Jahren Hartz IV kassiert. Die zuständigen Behörden werden wohl das Geld zurückverlangen.------------------------------"650 Fälle sind nachgewiesen." Toralf Reinhardt, LKA-Sprecher