Breit und sandig ist der Weg zur Alm, die fünfhundert Meter über dem Fjord liegt. Die grob gezimmerten Hütten mit Moos und Gras auf den Dächern am Ziel sind umgeben von saftig grünen Bergweiden, die sich bis zum Tørvsla, dem mit 1 882 Metern höchsten Berg der Region, erstrecken. Schneeflecken auf seinen Hängen künden von kurzen Sommern. Wirklich schneefrei sind hier nur der Juli und August. Sommerfarmen wie Herdalsseter, auf denen Milch und Käse produziert wurde, gab es im 18. Jahrhundert in Fjordnorwegen zu Tausenden. Die Modernisierung der Landwirtschaft ließ sie nach und nach verschwinden. Dafür floriert dank des milden Klimas in der Region Norddal der Obstbau und Handel mit Kirschen, Aprikosen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen. In Valldal, dem "Tal der Erdbeeren", werden jährlich tonnenweise Beeren geerntet, die im nahen Ålesund, dem Handels- und Fischereizentrum Westnorwegens, auf den Weg zu den Käufern gebracht werden. Auf umgekehrtem Weg gehen von der Küstenstadt Seefische und Krabben auf die Reise ins Land. Einmal in ihrer Nähe, sollte man sich die Stadt ansehen. Schon wegen der schönen Jugendstilbauten und dem Meeresaquarium. Sogar Almhütten gibt es und Wikingerboote, wenn auch nur im "Sunmøre Museum". Ganz wie auf der Alm. Die ist jedoch alles andere als ein Museum. Sie ist vielmehr die einzige weit und breit, die noch in Betrieb ist und mit 400 Ziegen sogar eine der größten des Landes. Auch Kühe gibt es, ein paar Fjordpferde und jede Menge Schafe. Um die Mittagszeit ist außer den Pferden vom lieben Vieh allerdings nichts zu sehen. Jostein Sande, Chef der Gemeinschaftsalm, sitzt in der Herdalsstova bei einem Teller Rjomegraut, einem Brei aus Weizengrütze und saurer Sahne. Diese traditionelle Almkost kostet jeder Neuankömmling obligatorisch. Dazu werden das knäckebrotähnliche Flatbrød, luftgetrocknetes Fleisch, Wurst und Schinken gereicht und zum Abschluss ein Stück deftiger Ziegenkäse. Natürlich steht auch viel Fisch auf der Speisekarte: Forelle, Lachs und Klippfisch. Bei Letzterem handelt es sich um Kabeljau, der in alten Zeiten entgrätet und ausgenommen auf den Klippen getrocknet wurde. Obwohl der Kabeljau seit mehr als 300 Jahren auf den für die Nordmeerküste typischen Trockengestellen aufgehängt wird, hat er den Namen Klippfisch behalten.Touristen werden als zusätzliche Einnahmequelle für Herdalsseter immer wichtiger. Und so können in einigen Almhäusern auch Urlauber wohnen. Ihre Einrichtung ist spartanisch und urgemütlich zugleich. Kein Fernseher, Radio oder Telefon stören die Ruhe, allein Bergbach und Wasserfall plätschern vor sich hin. Am Abend leuchtet Kerzenlicht aus den Fenstern. Leben wie in alten Zeiten, ein Luxus heute. Von der Herdalsalm führen Wege in viele Richtungen ins Gebirge. Eine Woche lang kann man gut wandern, ohne den gleichen Weg zweimal zu gehen. Die Bergführer sind auf thematische Touren zu Flora und Fauna, Geologie und Geschichte eingestellt. Eine führt zum Beispiel zur Weide "Boen", wo noch die Grundmauern der alten Höfe zu sehen sind, die hier im frühen Mittelalter standen. Südlich der Alm liegt der Ort Geiranger, der eigentlich Marak heißt, aber wegen seiner exponierten Lage am Ende des berühmten Geiranger-Fjordes nach diesem genannt wird. S-förmig schlängelt sich der nur 16 Kilometer lange, aber gewaltig wirkende Fjord durch 1 700 Meter hohe Berge und Steilwände mit immer neuen Wasserfällen. Am spektakulärsten anzusehen sind "Die Sieben Schwestern", von denen im Sommer allerdings nur drei Wasserfälle sprudeln. Es heißt, wer diesen Fjord nicht gesehen hat, kenne Norwegen nicht. Entsprechend voll ist es in Geiranger. Mindestens ein Kreuzfahrtschiff liegt immer vor Anker, es können auch mal fünf sein. Im Juli und August füllt sich der 200-Seelen-Ort, die 3 000 Gästebetten sind belegt. Doch wenn man einmal hier ist, muss man auch noch zum Flydalsjuvet, wo sich Amateurfotografen drängen, um festzuhalten, was man schon x-mal auf Kalendern und in Prospekten gesehen hat: die Sicht von oben auf den Geiranger-Fjord. Es stimmt, der Blick ist unglaublich schön.Nach dem Gedränge ist es am Nachmittag wieder schön, auf der Alm zu sein. Auch die Wanderer kehren von ihren Touren zurück, kühlen ihre Füße im Gebirgsbach oder schauen zu, wie in einem großen Kessel Karamell gerührt wird. Daraus entstehen die in runden Spanschachteln verkauften Alm-Karamellen. Zugesehen und gekostet werden darf auch, wenn in der Käserei der Alm Ziegenkäse hergestellt wird. Noch bevor die Sonne sinkt, ziehen die meisten Wanderer die Tür hinter sich zu, um in einen gesunden Schlaf zu sinken. Denn morgen wartet die nächste Tour.SERVICE Nur im Juli und August garantiert schneefrei // Anreise: Mit dem Flugzeug von Berlin mit Lufthansa oder SAS nach Oslo, von dort gibt es Flüge nach Ålesund (Sonderpreise für Norwegenbesucher bei Braathens, www. braathens. no). Mit dem Auto per Autofähre nach Oslo, von dort 533 Kilometer nach Ålesund Møre og Romsdal.Reisezeit: Im Juli und August sind Wege und Straßen garantiert schneefrei.Almhütten: Pro Tag kostet eine Hütte auf der Herdalsalm etwa 100 Mark. Auskünfte: Herdalsferie, 6214 Norddal, Tel. : 0047/70 25 92 29, Fax: 70 25 91 57, E-Mail: aashildd@online. de.Ålesund-Ausflug: Stadt auf vier Inseln; Atlantik-Sea-Park (Juni bis August täglich 10 - 20 Uhr geöffnet); Sunmøre-Museum (Juli/August Montag bis Sonnabend 11 - 17 Uhr, Sonntag 12 - 17 Uhr).Auskünfte: Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Neuer Wall 41, 20354 Hamburg, Postf. 11 33 17, 20433 Hamburg, Tel. : 040/ 22 94 15 18, im Internet unter www. norwegeninfo. com // HEIDRUN BRAUN (2) Inmitten saftiger Bergwiesen liegt die Herdalsalm. In einigen einfachen Hütten können Touristen übernachten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.