Seit über 50 Jahren wird die Symbiose zwischen den beiden Tierarten auf der rund 72 Kilometer langen Insel im Norden der USA dokumentiert. "Es ist die bekannteste Wolfsstudie der Welt", behauptet Douglas Smith, der früher einmal selbst die Wölfe im Nationalpark Isle Royale beobachtete.Die Biologen fanden heraus, dass es im Jahr 1900 einigen Elchen erstmals gelang, durch den Lake Superior auf die rund 24 Kilometer entfernte Insel zu schwimmen. Dort fehlten den Elchen die natürlichen Feinde, so dass sie sich rasant vermehren konnten -zu Lasten der übrigen Tiere und der Umwelt. Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatten die Elche ihre Futterquellen, wie etwa Eiben und Unterholz, derart dezimiert, dass zahlreiche Tiere verendeten. Ebenso verschwanden in dieser Zeit die Karibus, Hirsche und Kojoten von der Insel.Einige Winter später kam natürliche Hilfe: Ein Wolfsrudel schaffte es vom kanadischen Ufer her über den zugefrorenen See auf die Insel und sorgte nach und nach für den ökologischen Ausgleich: Gab es wenig Wölfe, waren die Elche so zahlreich, dass sie weniger zu fressen hatten und dadurch schwächer wurden. Die geschwächten Tiere wiederum waren eine leichtere Beute für die Wölfe, so dass deren Zahl wieder stieg. Wurden die Elche weniger, hatten auch die Wölfe weniger zu fressen und deren Population nahm ab: Somit etablierte sich ein stabiler Kreislauf.Seit den 1950er Jahren ist die Wolf-Elch-Beziehung auf Isle Royale Gegenstand viel beachteter wissenschaftlicher Untersuchungen. Nun scheint jedoch das Zusammenleben der beiden Tierarten in Gefahr, denn in den vergangenen Jahren sind die Durchschnittstemperaturen auf Höchstwerte gestiegen. Experten vermuten, dass die weltweite Klimaerwärmung ein seit hundert Jahren funktionierendes System zerstören könnte.Verändertes VerhaltenIm Jahr 2007 zählten die Wissenschaftler die Elche und kamen auf 385 Tiere: der niedrigste Stand seit über 50 Jahren. Auch die Wolfspopulation hatte sich verkleinert. Zählten die Forscher im Vorjahr noch 30 Tiere, fanden sie nun 21 vor. Auch zeigten die Tiere ein verändertes Verhalten. Normalerweise müssen sich die Elche im Sommer Vorräte für den Winter anfressen, um diesen überstehen zu können. Doch die Tiere wurden dabei beobachtet, wie sie durch das Seewasser wateten und sich in schattigen Ruheplätzen niederließen. Außerdem machen den Elchen aufgrund der milderen Frühjahrs- und Herbsttemperaturen auch in den kalten Wintermonaten noch Zecken zu schaffen. Die Zecken konnten sich massiv fortpflanzen und befallen die Tiere zu Zehntausenden. Viele Elche werden durch die große Zahl der Zecken auf ihnen geschwächt, so werden sie zur leichten Beute für die Wölfe oder sterben an Unterkühlung und Gewichtsverlust.Auch die Wölfe legten ein verändertes Verhalten an den Tag: Sie näherten sich den Zeltplätzen von Menschen, obwohl sie diese sonst instinktiv meiden. Womit dieser Wandel zusammenhängt, wissen die Forscher noch nicht. Was jedoch fest- steht ist: Weniger Elche bedeuten langfristig auch weniger Wölfe.Im Yellowstone NationalparkAuch im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark wurde über einen längeren Zeitraum das Zusammenleben von Elchen und Wölfen beobachtet. 1995 hat man erfolgreich 14 kanadische Wölfe im Nationalpark angesiedelt und unter Schutz gestellt. Mittlerweile ist ihre Population gewaltig gewachsen: Anfang des Jahres zählten die Forscher 1 500 Tiere.Mit der Rückkehr der Wölfe hat sich auch die Ökologie des Parks geändert. Als "deutlichen Indikator für unseren Erfolg" sieht Douglas Smith, der auch dieses Projekt leitete, die hochgewachsenen Pappeln und Weiden entlang der der Flüsse. "Vor 1995 gab es hier keine jungen Bäume", so der Wissenschaftler. Bevor die Wölfe im Yellowstone-Nationalpark wieder angesiedelt wurden, weideten die Elche dort alle Jungtriebe ab und verhinderten somit deren Wachstum.Bereits ein Jahr nach der Wiederansiedlung der Wölfe hat sich die Elchpopulation verringert: von rund 17 000 auf 10 000 Tiere. Aber nicht allein die Tatsache, dass die Wölfe die Elchpopulation in Schach halten, führte dazu, dass der Baumwuchs sich erholen konnte. Bereits in den Zwanziger- bis SechzigerJahren hatten Mitarbeiter des Nationalparks die Elchzahl immer wieder künstlich auf 10 000 beschränkt. Doch auch wenige Tiere vernichteten die jungen Bäume. Erst durch die Wölfe kam Abhilfe. "Sie veränderten das Verhalten der Elche. Heute meiden die Elche Niederungen, wo sie leicht überrascht werden können", erläutert Smith.Die Wissenschaftler hoffen, dass durch weitere Projekte das schlechte Image der Wölfe in der Öffentlichkeit gebessert werden kann. Eines der häufigsten Vorurteile sei, dass Wölfe wesentlich mehr Beutetiere reißen als nötig. "Die Studie auf der Isle Royale zeigt aber, dass dies nicht der Fall ist. Es hält sich in einem Gleichgewicht", so die Wissenschaftler. Doch durch die Folgen des Klimawandels ist das Gleichgewicht durcheinander geraten. Nun hoffen die Forscher, dass sich die Tiere langfristig an die höheren Temperaturen gewöhnen werden.------------------------------Der Lebensraum von Wölfen und ElchenDer WolfDer Wolf ist eine Hundeart in der Gattung Canis. Wölfe sind sehr soziale Tiere, sie leben und jagen in Rudeln. Innerhalb des Rudels gelten strenge hierarchische Strukturen. Die Rudel beanspruchen ein Revier, das sie mit Duftmarken aus Urin markieren, und das sie gegen Eindringlinge (etwa einzelne Wölfe oder ganze Rudel) verteidigen. Ihre Hauptbeute sind Huftiere, bei Nahrungsmangel jagen sie aber auch Kleintiere wie Biber, Hasen oder auch Nutztiere wie etwa Schafe. Wölfe heulen häufig. Dieses Heulen hat dieselbe Bedeutung wie das Bellen für die Hunde: das Wolfsgeheul dient als Rufzeichen der Tiere in verschiedenen Situationen -es dient als Alarmsignal oder Kontaktruf. Wölfe können sehr gut riechen und besitzen ein gutes Gehör -beides hilft ihnen bei der Ortung von Beute und Feinden. Geräusche können über mehrere Kilometer Distanz wahrgenommen werden. Das Auge nimmt vor allem Kontraste und Bewegungen wahr.VerbreitungFrüher war der Wolf in ganz Europa verbreitet. Er wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet. Wölfe sind heute noch im Norden Nordamerikas und in Asien in freier Wildbahn anzutreffen. Restbestände finden sich in Europa, Mexiko und Skandinavien. Der Wolf besiedelt unterschiedliche Lebensräume, von dicht bewaldeten Gebieten bis zu sehr offenen Steppenlandschaften. Er kommt auch im Gebirge vor. Wichtig sind nicht zu dicht besiedelte Gebiete, wo der Wolf Rückzugsmöglichkeiten hat.Der ElchElche gehören zur Familie der Hirsche. Ihr Körper ist massig mit einem kurzen, dicken Hals. Das Fell ist schwarzbraun, das der Kälber zumeist rotbraun. Allerdings kann die Farbe je nach Unterart zwischen rot- und schwarzbraun variieren. Die Augen der Tiere sind klein und nicht sehr leistungsstark, dafür sind Gehör und Geruchssinn gut ausgeprägt. Elche sind tagaktive Einzelgänger, bei denen aber ein Alttier sein Kalb bis zum zweiten Lebensjahr bei sich behält. Im Winter finden sich die Elche zu losen Gemeinschaften zusammen, bei denen sich mitunter Rudel bis zu fünfzig Tieren zusammentun. Dabei handelt es sich mehr um ein lockeres Rudel, es gibt keinen engeren Zusammenhalt. Die Bullen werfen ihre Geweihe im späten November oder Dezember ab, junge Bullen hingegen behalten ihre Geweihe bis in den März. Das Abwerfen der schweren Geweihe hilft ihnen, Energie zu sparen, was ihnen hilft, den Winter leichter zu überleben.VerbreitungDas Verbreitungsgebiet des Elchs ist riesig und umfasst auf der Nordhalbkugel nahezu die gesamte nördliche Waldzone über Europa, Asien und Amerika. Der Lebensraum des Elchs bestimmt sich nach den vorherrschenden Jahrestemperaturen. Die Ausbreitung nach Süden wird von den Sommertemperaturen begrenzt, da ihm warmes und trockenes Klima nicht bekommt. In der Regel leben Elche in einem Waldgürtel, da sie Laubhölzer als Nahrung benötigen. Teilweise gehen sie auch ins Gebirge.------------------------------Foto (2):Die Wissenschaftler hoffen, dass durch ihre neuen Erkenntnisse das schlechte Image der Wölfe verbessert wird.Elche sind Einzelgänger. Ihre Kälber behalten sie jedoch bis zum zweiten Lebensjahr bei sich.

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