PANKOW Morgen öffnet das Ballhaus Pankow in der Grabbeallee seine Türen. Bezirksbürgermeister Jörg Richter (SPD) führt die Teilnehmer des 15. Kiez-Spaziergangs persönlich aufs historische Parkett des wiederentstandenen baulichen Kleinods. Rauschende Ballnächte aber wird es hier künftig kaum geben.Der Leierkastenmann hat sein Kommen zugesagt, und die Musikschule Pankow "serviert" Kaffeehaus-Klänge, wenn am Sonnabend Kiez-Spaziergänger die goldbestuckten Deckengemälde im 400 Quadratmeter großen Ballsaal bestaunen. Und es wird viel interessante Geschichte zu hören sein über das mehr als hundert Jahre alte Gebäude. Als "Lindengarten" repräsentierte es einst die Nordberliner Ausflugstradition, wo Tanz und Theater eine Heimstatt hatten. Als vergammelte Lagerstätte einer Fabrik erlebte es nach dem Krieg seinen Niedergang. Veto der Anwohner 1993 wurde der architektonische Schatz von den neuen Grundstücksbesitzern gehoben. Die Bauherren Dr. Heymann & Kreuels bezogen in ein Wohnensemble an der Grabbeallee/Ecke Tschaikowskistraße auch die Instandsetzung des Ballhauses mit teilweiser Rekonstruktion ein. Rund zehn Millionen Mark soll die Wiedergeburt des Gebäudes mit einer Nutzfläche von 1 140 Quadratmetern gekostet haben. Über 18 Monate haben nicht nur interessierte Pankower mit allerlei Hoffnungen das Geschehen auf der Baustelle verfolgt. Aber bald wurde das Ballhaus von den neuen Wohnbauten abgedrängt ins Hinterhofabseits.Da steht es nun - schön und still. Mittlerweile ist das "Kompact-Team Berlin" vom Investor mit der Betreuung beauftragt worden. Ein Konzept existiere schon, bestätigt PR-Managerin Dorett Auerswald. Danach soll es pro Jahr 30 bis 40 Veranstaltungen geben, vor allem Tagungen, Konferenzen, Ausstellungen, Kleinkunst - und auch Bälle. "Wir bekommen täglich Anfragen, wann es denn nun endlich losgeht. Es gibt viele Interessenten", sagt Frau Auerswald. Wie es aber aussieht, muß das ganze Programm wohl künftig auf kleinem Dezibel-Pegel gefahren werden. Vorab schon legen die Bewohner der angrenzenden Wohnhäuser ihr Veto ein. "Die wollen Rabatz machen, wenn es hier laut wird", meint Frau Frank, die Hausmeisterin des Ballhauses. Das Umweltamt zieht am gleichen Strang, für jede Veranstaltung soll eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden. "Wie sollen wir da Optionen vergeben?" klagt die Managerin. Ein weiteres Problem: Es gibt weder eine Einfahrt noch Parkplätze. Bezirk übergangen Das Betreiber-Team müht sich zur Zeit, mit spezieller Schallanlage, mit Dämmstoffen, schallschluckenden Vorhängen an den Fenstern die Lautstärke in Grenzen zu halten. Aber bei rund 500 Besuchern ist Lärmbelästigung kaum auszuschließen. Am 13. Oktober soll voraussichtlich die erste Festveranstaltung stattfinden, danach wird man mehr wissen. Dorett Auerswald: "Im Ernstfall finden hier nur Tagungen und Konferenzen statt "Bezirksbürgermeister Richter: "Die Investoren haben sich augenscheinlich keine Gedanken über die öffentliche und vielseitige Nutzung des Gebäudes gemacht. Die Kommune hatte nie die Hand drauf, weil die Treuhand nicht in ihrem Sinne die Vergabe entschieden hat."Ilse Schaulies 15. Kiez-Spaziergang am 30. 9.: Besuch des Ballhauses Pankow und Führung durch die Paul-Franke-Siedlung. Treffpunkt: 10 Uhr Tschaikowskistraße/Ecke Grabbeallee. +++