Der muslimische Verein Inssan darf in der Pflügerstraße in Neukölln weder ein Kulturzentrum noch eine Moschee errichten. Neuköllns Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) begründete dies gestern mit dem Baurecht. Die beantragte Sondergenehmigung könne es nicht geben, weil das Gebäude von der Straße weg 73 Meter in das Grundstück hineinragen solle - lediglich eine Bautiefe von 13 Meter sei erlaubt. Nur fünf Geschosse seien zulässig, die geplanten Gebäude höher. Zudem handele es sich um eine überörtliche Einrichtung, die nicht in ein dicht besiedeltes Wohngebiet passe. "Es freut mich, dass der Antrag nicht genehmigungsfähig ist", so Vogelsang, die zugleich Vize-Bezirksbürgermeisterin ist. Nach ihrer Ansicht muss das Projekt mit radikal-islamischen und antidemokratischen Bestrebungen im Zusammenhang gebracht werden.Um den geplanten Moscheebau streiten sich Bezirk und Inssan seit 2003. Ein schon genehmigter Bauvorbescheid wurde aus Sorge vor dem Unmut von Anwohnern aufgehoben. In einigen Tagen verhandelt das Verwaltungsgericht über eine Klage von Inssan, mit der dieser Verein den Bau durchsetzen will.Streit um islamische VereineVogelsang warf dem Grundstückseigentümer des 4 700 Quadratmeter großen Geländes, Ibrahim El-Zayad, ausführlich vor, Verbindungen zur islamistischen Muslimbruderschaft zu pflegen. Diese würde Selbstmordattentäter als ehrenwerte Menschen bezeichnen. Nach diesen Ausführungen sprang der von Vogelsang Beschuldigte zur allgemeinen Überraschung auf und erklärte: "Ich lehne klar und deutlich Selbstmordattentate ab - unmissverständlich." In Deutschland, wo Muslime in der Minderheit seien, gelte für diese Religionsgruppe das Grundgesetz und nicht die Sharia. El-Zayad betonte, dass er während seines Studiums den CDU-nahen Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) in mehreren Studentenparlament en vertreten habe. Nach Auskunft von Islam-Experten aber hat El-Zayad Kontakte nach Saudi-Arabien und übt viele Funktionen aus - so den Vorsitz der umstrittenen Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD).Der Bauträger Inssan erklärte sich bereit, die Bauten um bis zu ein Drittel zu reduzieren. Um seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, verwies Vertreter Chaban Salih auf prominente Gäste des Vereins: Ex-Bundespräsidentin Rita Süssmuth, Ex-Ausländerbeauftragte Barbara John, Cem Özdemir (Grüne). Am 25. September kommt Edzard Reuter, Sohn des ersten Regierenden Bürgermeisters von Berlin.Barbara John äußerte sich über das Vorgehen von Vogelsang zutiefst empört. John, selbst CDU-Mitglied, sagte, dass sich Inssan aus "ernsthaften jungen Leuten" zusammensetze. Der Verein trete für einen europäischen Islam ein. Aussagen wie die Ablehnung von Zwangsehen und Ehrenmorden zeigten, dass Inssan versuche, ihren Glauben in der Demokratie zu definieren. Zur Islamischen Gemeinschaft verwies John darauf, dass viele Politiker wie Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) deren Modernisierungsprozess zur Kenntnis nehmen. Eine Verfassungsschutzsprecherin wollte keine Angaben zu Inssan machen. Im Verfassungsschutzbericht 2004 steht, dass es zwischen Inssan und der IGD Verbindungen gebe. Der wiederum werden Kontakte zur Muslimbruderschaft nachgesagt.------------------------------Moscheen in BerlinMoscheen: Berlin hat 70 Moscheen, davon 14 in Neukölln. Dazu gehört die Imam-Reza-Moschee, die wie eine Moschee in Wedding als Treffpunkt von Hisbollah-Mitgliedern gilt.Abgelehnt: Das Bezirksamt Neukölln ist auch gegen die Erweiterung der Imam-Reza-Moschee. Eine weitere Moschee sollte im Imbuschweg errichtet werden - inzwischen wurde dort ein Bräunungsinstitut eingerichtet. In Pankow gibt es Streit um das Moschee-Bauprojekt der Ahmadiyya-Gemeinde.------------------------------Karte: Das Gelände in der Pflügerstraße------------------------------Foto: Brachland im Zentrum Neuköllns: Seit drei Jahren ist auf dem Gelände eine Moschee mit Kulturzentrum geplant.