BERLIN. Das gute alte Fotoalbum hat ausgedient. Vorbei sind die Zeiten, in denen Dutzende auf Papier abgezogene und mit Fotoecken versehene Urlaubsbilder liebevoll von Hand in ein Album eingeklebt worden sind. Heutzutage schlummern Hunderte bis Tausende von Fotos auf den Festplatten heimischer Computer, Laptops und Handys. Denn im Zeitalter der digitalen Fotografie halten die Menschen viel häufiger auf ein Motiv drauf und drücken den Auslöser lieber mehrmals statt ein oder zwei Mal wie das früher in der analogen Fotografie üblich gewesen war. "Im Schnitt war eine analoge Kamera zehn Jahre in Gebrauch, mit der man pro Jahr rund 120 Bilder aufgenommen hat - und dies sehr ausgewählt", sagt Hella Hahm, Sprecherin von Cewe Color in Oldenburg, einem der größten Fotolabore in Europa. Digitalkameras hingegen verleiten zum Knipsen. Mit ihnen werden durchschnittlich 500 Aufnahmen pro Jahr gemacht.Jeder wird zum GestalterDoch mit der steigenden Anzahl an Klicks und der damit verbundenen Fülle an Bildern, wächst der Wunsch bei vielen Hobbyfotografen, eine Auswahl ihrer besten Aufnahmen zu treffen. So landen auch im digitalen Zeitalter etwa ein Viertel der ausgewählten Aufnahmen gedruckt auf Papier. Zum Beispiel, um daraus einen Kalender zu basteln oder das Foto als Grußkarte zu verschicken. Und wer wie früher gerne in alten Fotoalben blättert, kann sich sogar ein ganzes Buch aus seinen besten Bilder am Computer selbst zusammenstellen. Damit war die Idee des Fotobuches geboren.Nötig ist dafür lediglich eine kostenlose Software des jeweiligen Anbieters, die sich jeder über das Internet herunterladen kann, und man kann sich sein eigenes Buch zusammenstellen. Von klein und quadratisch über großes Panorama bis hin zu XXL-Fotobänden mit Leinen- oder Kunstledereinband sind viele Format-Varianten möglich. Wer aber ein einzigartiges Design bevorzugt, sollte ein wenig Gespür für Farben, Formen und Proportionen mitbringen und mehrere Stunden Zeit einplanen. Mit dem Umfang des Buches steigt allerdings auch sein Preis.Dafür sind der eigenen Kreativität dann kaum Grenzen gesetzt. Alles kann individuell festgelegt werden - von der Hintergrundfarbe bis hin zur Schriftart des Titels. Auch eigener Text lässt sich in unterschiedlichen Größen ins Fotobuch einbinden. Ist alles fertig, werden die Daten über das Internet oder per CD zum Anbieter geschickt. In der Regel kommt das gedruckte Werk nach einer knappen Woche per Post zum Kunden oder kann bei Handelspartnern wie Drogerien oder Elektronikmärkten abgeholt werden.Erst vor vier Jahren ist das Fotobuch auf den Markt gekommen, doch es ist bereits zum Renner für die Fotogroßlabore geworden. Wer früher einen klassischen Film entwickeln ließ, ließ sich im Schnitt 30 Bilder abziehen. In einem Fotobuch sind jedoch viele Dutzende oder sogar Hunderte Fotos enthalten. "Die Fotobücher sind für die Labore ein lukratives Geschäft", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Foto-Großlaboratorien, Michael Grütering. So werden in diesem Jahr deutschlandweit rund fünf Millionen Fotobücher ausgeliefert. Ein Jahr zuvor wurden erst 3,7 Millionen gezählt. 2005, als das Fotobuch von Cewe Color eingeführt worden ist, waren es gerade mal 75 000 Exemplare. Und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. "Wir erwarten bis 2011 eine Steigerung auf sieben Millionen Fotobücher allein für Deutschland", sagt Grütering.Eine Erklärung für den Erfolg könnte sein, dass ein Fotobuch ein Unikat ist, welches eine sehr persönliche Note trägt und sich gleichzeitig in punkto Druck- und Papierqualität durchaus mit gängigen Bilderbänden aus dem Handel messen kann. "Wer einmal ein Fotobuch gesehen hat, ist fasziniert davon und es weckt den Reiz, es ebenso mal zu versuchen", erklärt Grütering. Aufgrund der großen Nachfrage hat sich auch die Stiftung Warentest bereits zweimal mit dem Thema befasst. Das Ergebnis: Die billigsten Fotobücher sind nicht zu empfehlen. Hier können die Seiten beim Blättern schnell auseinanderfleddern. Besser schneiden Produkte wie das Cewe-Fotobuch ab, das mit "gut" bewertet und bei einem Umfang von 26 Seiten in DIN A4 um die 30 Euro kostet.Dass der Boom der Fotobücher bald nachlassen könnte, davon geht in der Branche derzeit niemand aus. Schließlich besitzen heutzutage viel mehr Menschen als früher eine eigene Kamera. Noch Anfang der 90er-Jahre gab es in einem Haushalt meist nur eine einzige für die ganze Familie. Das hat sich in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt. Seit der Einführung der digitalen Fotografie Mitte der 90er-Jahre ist die Kamera mehr und mehr zu einem personenbezogen Produkt geworden. Fast jeder hat in einer Familie inzwischen eine eigene. So besitzen heute bereits viele Jugendliche eine Kamera. Darüber hinaus finden auch immer mehr ältere Menschen Gefallen an den neuen technischen Möglichkeiten. Daher blickt Cewe-Color-Sprecherin Hahm optimistisch in die Zukunft: "Wir sind erst am Anfang. Und erst zwölf Prozent der Besitzer einer Digitalkamera kennen das Fotobuch und entdecken dieses als Archivmedium der Zukunft."------------------------------Von analog zu digitalWachstum: Die Zeiten in der Fotografie haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch gewandelt. Im Spitzenjahr 2001 wurden pro Jahr 6,1 Milliarden Fotos von analogen Kameras auf Papier entwickelt. Diese Zahl sackte seitdem kontinuierlich ab. 2009 werden es insgesamt nur noch drei Milliarden Entwicklungen sein - damit hat sich die Zahl innerhalb weniger Jahre halbiert. Im Gegenzug ist die digitale Bilderentwicklung stetig gewachsen. 2001 lag der Wert gerade mal bei vier Millionen Stück. 2003 stieg die Zahl auf 320 Millionen; 2005 wurde die Marke von 1,2 Milliarden Stück erreicht. Nach 2,2 Milliarden 2008 werden es in diesem Jahr rund 2,3 Milliarden digitale Bilder sein, die von den Laboren gedruckt werden.------------------------------Grafik: Verkaufte KamerasFoto: Mit Fotobüchern jedweder Größe können Hobbyfotografen ihre digitalen Fotos auf Papier verewigen.