Früher hatte das graue Haus an der Spree schon einmal Kunst beherbergt. Als im Zweiten Weltkrieg Bomben auf die Stadt fielen, evakuierten die Staatlichen Museen ihre Kunstschätze in die großen Tresore im Keller des Direktorenhauses der "Münze". Das Haus hielt dem Angriff stand und so konnten nebenan bald wieder Münzen geprägt werden. Im Direktorenhaus zog wie zuvor die Verwaltung ein.Sie hätten lange gebraucht, sagt Pascal Johanssen, Mitbegründer des Projekts "Direktorenhaus", um das "hässliche DDR-Linoleum" zu entfernen. Nachdem das Haus fast zwei Jahrzehnte leer gestanden hatte, haben er und Katja Kleiss es seit Januar wieder aufpoliert. Ein Zufallsfund sei das Gebäude, erzählt er, aber bestens geeignet für das, was sie vorhätten. In der Nähe des alten Hafens soll das entstehen, was nach Johanssens Meinung längst überfällig ist: Ein Haus, indem Kunst, Design und Handwerk zu einem Gesamtkonzept verschmelzen. Wo Genre-Denken überflüssig wird und Besucher sich auf neue sinnliche Eindrücke einlassen. Keine Galerie solle es sein, auch kein Künstlerhaus, kein Museum. Etwas dazwischen.Kleiss und Johanssen sind Leute vom Fach. Gemeinsam organisieren sie das Festival "Illustrative", seit letztem Jahr geben sie das Grafik-Magazin "Objects" heraus. Viel Zeit für alles bleibe ihnen nicht, räumt Johanssen ein. Das für diesen Herbst geplante Festival wurde auf kommendes Jahr verschoben. Die im Jahreszeitenrhythmus wechselnden Ausstellungen wollen vorbereitet sein. Zum Konzept gehört auch der Bezug zum Haus selbst. Deshalb hat man sich auch für den Namen Direktorenhaus entschieden. Aber auch in den ausgestellten Werken findet sich das Haus wieder. Der britische Designer Peter Nencini, zeigt sich fasziniert von der Geschichte des Gebäudes. "Dieses Haus hat zwei Schichten, die in den unterschiedlichen Räumen sichtbar werden. Einmal die der 1930er Jahre und die des Kalten Krieges." Zwei Räume hat er für die neue Ausstellung "By, With and Of" gestaltet, jeweils einen für die beiden Epochen.Neben Nencini zeigen auch Nachwuchskünstler wie die Gewinnerin des deutschen Nachwuchs-Design-Preises, Elisa Strozyk, und Daniel Becker ihre Werke. Während Strozyk unter anderem mit der Verbindung von Textilien und Holz arbeitet, stellt Becker seine dreidimensionale LED-Lichtinstallation "Sparks" aus.Auch im Bereich Möbeldesign wollen Kleiss und Johanssen ein Umdenken erreichen. Gegenwärtig gäbe es in den Köpfen der Menschen drei Möglichkeiten, Möbel zu erwerben: Flohmarkt, Ikea und viel zu teuere Anbieter. "Wir wollen auf Alternativen in der Mitte hinweisen", sagt Johanssen. Kreativ designte Möbel, die erschwinglich seien. Prototypen dafür kann man in der Ausstellung betrachten.Finanziert wird das Projekt durch Investitionen der Initiatoren, Sponsoren und durch Veranstaltungen. Das Direktorenhaus soll nicht allein der Ausstellung von Objekten dienen, sondern auch Ort für "Happenings" sein. "Insgesamt geht es darum, das Bewusstsein zu schärfen," erklärt Johanssen. Dazu gehören auch die Produktionsbedingungen der Designer und Künstler. Die Frage nach der Herstellung bestimme immer mehr die Diskussionen. Man könne es mit der Slow-Food-Bewegung vergleichen: Die Frage nach Qualität und Herkunftstellen, aber immer mit entscheidendem Blick auf den Genuss.Fraglich ist, inwieweit das Haus in Zukunft planen kann. Die Immobilie, derzeit noch in Landesbesitz, steht zum Verkauf. Was das bedeuten kann, haben die Beispiele c/o und Bar 25 eindrucksvoll gezeigt.-----------------------Direktorenhaus der Münze, Am Krögel 2. Ausstellung "By, With and Of" bis 9. Nov.------------------------------Foto: Sind es Hüte, Zelte, Karnevalsmasken? Im Direktorenhaus verschwinden die Grenzen zwischen Kunst und Design. Und manchmal auch zwischen Sinn und Zweck der dort gezeigten Exponate.