Am Anfang ist das Wort. Der Wandelgang wird von goldfarben lackiertem Aluminium umrahmt, die Wände sind aus Metallbuchstaben. Textpassagen aus dem Alten und dem Neuen Testament werden dort zu lesen sein. Gartenkunst, die funktional und inhaltlich durch das Christentum geprägt wurde, wird in der neunten Anlage in den "Gärten der Welt" im Erholungspark Marzahn dargestellt. Voraussichtlich im Oktober soll der "Christliche Garten" eröffnet werden. Der Name wurde vom Aufsichtsrat der Grün Berlin GmbH beschlossen, dessen Vorsitzende Staatssekretärin Maria Krautzberger aus der Stadtentwicklungsverwaltung ist. Doch es gibt Streit darum.Es wäre der erste Garten, der nach einer Religion benannt würde. Heinrich Niemann und Hendrik Gottfriedsen, Chef und Stellvertreter des Vereins "Freunde der Gärten der Welt", halten das für falsch. "Es war ursprünglich ein Arbeitstitel", sagt Gottfriedsen, bis 2009 Geschäftsführer der Grün Berlin und geistiger Vater der "Gärten der Welt". "Es war immer klar, dass man sich zusammensetzt und einen treffenden Namen findet", sagt er. Schließlich seien auch der Chinesische und der Japanische Garten durch Religionen geprägt, den Shintuismus und den Zen-Buddhismus. Aber sie heißen nicht danach.Heinrich Niemann berichtet von Stimmungen bei Führungen des Freundeskreises zum neu entstehenden Garten. "Jetzt will man uns christianisieren", hätten Teilnehmer gesagt. In Marzahn-Hellersdorf, einer Hochburg der Linken, sind die wenigsten Bewohner religiös gebunden. Christen sind hier in der Diaspora.Doch nicht nur darum geht es. Gottfriedsen verweist darauf, dass das Christentum keine originäre Gartenkunst hervorgebracht hat: "Es gibt immer nur christliche Elemente darin." Anders sei es beim Hinduismus, Buddhismus und den Naturreligionen. "Und im Islam." In den Suren des Koran sei der Garten des Paradieses sogar beschrieben - mit den vier Strömen, die sich zum Kreuz treffen. Deshalb gibt es den Begriff "islamischer Garten" oder "islamisch-arabischer Garten" schon lange in der Fachliteratur.Doch in Berlin durfte es keinen Islamischen Garten geben. Auf Wunsch von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer wurde 2004 dessen Bezeichnung in "Orientalischer Garten" geändert, mit dem blumigen Titel "Garten der vier Ströme". Ihre damalige Begründung: Erstmals wäre einer der "Gärten der Welt" nach einer Religion benannt worden. Der wahre Grund war allerdings die Furcht vor Islamismus nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York. Gottfriedsen und Niemann sehen die jetzige Namens-Entscheidung als ein Politikum, als ein "fatales Zeichen" gegenüber den Berliner Muslimen. Sie fordern gleiches Recht für alle: "Bis zur Eröffnung sollten neue Vorschläge entwickelt werden", sagen sie. Und dann solle man die Berliner dazu befragen."Die Entscheidung wird nicht mehr in Frage gestellt,", sagt Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Alternativen seien gründlich geprüft worden, doch keine sei dem Konzept gerecht worden. "Die Namensfindung ist abgeschlossen."------------------------------Ein Kreuz aus WegenDer Erholungspark Marzahn an der Eisenacher Straße wurde 1987 zur 750-Jahrfeier Berlins als (Ost-)Berliner Gartenschau eröffnet. 1991 übernahm die Grün Berlin GmbH die 21 Hektar große Anlage. In diesem Jahr kamen 12 Hektar Fläche dazu, die der Bezirk Marzahn-Hellersdorf für den weiteren Ausbau kaufte.Die Reihe "Gärten der Welt" wurde im Jahr 2000 mit dem Chinesischen Garten eröffnet, dem "Garten des wiedergewonnenen Mondes". Inzwischen gibt es acht internationale Themengärten. Geplant ist ein Englischer Garten mit Pleasureground und Cottage Garden. Ein Christlicher Garten entsteht noch in diesem Jahr.Die Namensfindung bezeichnet die Senatsstadtentwicklungsverwaltung, Eigentümerin der Parkanlagen, als "abgeschlossen". Es hatte Runden mit Fachleuten dazu gegeben. Letztlich votierte der Aufsichtsrat mehrheitlich für die Bezeichnung "Christlicher Garten". Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin stimmte dagegen. Sie erhielt mehrere Beschwerden von Bürgern zu dem Namen.Mit Kosten von 3,8 Millionen Euro wird auf einer tausend Quadratmeter großen Fläche eine Anlage gebaut, die an einen klösterlichen Kreuzgang erinnern soll. Der quadratische Garten ist in den Boden eingelassen und von einer vier Meter hohen Hecke umgeben. Es gibt einen Wandelgang, der Hof wird geprägt durch ein Wegekreuz. Die Mitte markiert ein überquellender Wasserstein.------------------------------Karte:Gärten der Welt: Im Erholungspark gibt es bereits acht "Gärten der Welt", darunter auch den Karl-Foerster-Stau- dengarten als Beispiel deutscher Gartenkunst. Voraussichtlich im Oktober soll ein Christlicher Garten eröffnet werden, ein Englischer Garten folgt später.