FRANKFURT A.M., 1. Dezember. Im dritten Verfahren gegen Monika Böttcher wurden am Mittwoch der psychiatrische Sachverständige Professor Willi Schumacher und die Psychologin Professor Dr. Elisabeth Müller-Luckmann befragt. Beide waren auch in den zwei ersten Verfahren um den Mord an Melanie und Karola Weimar, in Fulda wie in Gießen, gehört worden. Der Psychiater Schumacher sollte auf Grund der über Reinhard Weimar vorliegenden ärztlichen Akten ein Bild von dessen Krankheit zeichnen. Der Ex-Ehemann von Monika Böttcher verweigerte jedoch eine Untersuchung. Seine Einschätzung hätte daher nur "hypothetischen Charakter", sagte Schumacher. Der Gutachter widerlegte die These, Monika Böttcher könnte die Psychose ihres Ex-Mannes durch Medikamente gezielt verstärkt haben. Dies hätte möglicherweise auf eine langfristige Vorbereitung der Tat hingewiesen. Die Psychologin Elisabeth Müller-Luckmann verwies darauf, dass sie nur die Angeklagte Monika Böttcher habe begutachten können. Reinhard Weimar, der sich schon seit Fulda jeder Exploration entzogen habe, "bleibe dabei eine schemenhafte, unerreichbare Figur". Die Psychologin bezeichnete die Angeklagte als eine eher unauffällige Frau "in der Spielbreite der Normalität". Obwohl die Ehe mit Reinhard Weimar "aus dem heraus, was man gemeinhin Liebe nennt", geschlossen wurde, sei 1986 ein deutliches "emotionales Abflauen" erkennbar gewesen. Frau Böttcher suchte Ablenkung und lernte dabei den US-Soldaten Kevin Pratt kennen. Der eine, Weimar, wirkte müde und seelisch nicht in der Balance; der andere, Pratt, strahlte eine vitale Frische aus. Die Dreiergeschichte, so Müller-Luckmann, bot damals jedoch kaum Stoff für ein Drama, eher schien sie von der trivialen Art, wie es sie zu Tausenden gibt. Doch Gefühle seien nicht gradlinig, auch die der Angeklagten für ihren Ex-Ehemann waren eher zwiespältig. Deshalb sei es für Müller-Luckmann auch vorstellbar, dass sich Monika Böttcher in der Nacht vom 3. zum 4. August 1986 so verhalten haben kann, wie es von ihr geschildert wurde. Sie sei von Schuldgefühlen gegenüber dem Mann so überwältigt gewesen, dass sie nicht fähig war zu schreien, als sie Reinhard Weimar bei den toten Kindern fand. Auf den Einwand des Vorsitzenden Richters, das seien doch aber "Ur-Reaktionen", schreien und Hilfe holen, antwortete die Gutachterin: "Das mag vielleicht nicht logisch zu erklären sein, psychologisch aber durchaus.""Das Verhalten Monika Böttchers mag nicht logisch zu erklären sein, psychologisch aber durchaus. " Elisabeth Müller-Luckmann, Psychologin