Weinkritiker Stuart Pigott hat Bücher im Hotel Bogota geschrieben. Filmsternchen Keira Knightley posierte im Hotel in der Schlüterstraße 45 in Charlottenburg bei einem Modeshooting, Fassbinder-Muse Hanna Schygulla drehte dort im vorigen Herbst einen Film. Und der britische Schauspieler Rupert Everett wohnt dort bei Berlin-Aufenthalten, immer im selben Zimmer - dem größten.Das Haus unweit des Kurfürstendamm zieht die Künstler an, obwohl es vergleichsweise bescheiden eingerichtet ist. Es gibt 114 Zimmer in fünf Etagen und drei verschiedenen Kategorien, darunter Räume mit Waschbecken im Zimmer - Klo und Dusche auf dem Gang. Die Preise starten bei 40 Euro, das teuerste Doppelbett-Zimmer kostet 150 Euro. Mit Luxusherbergen kann das Hotel Bogota nicht mithalten. Doch es wird von seinen Gästen geliebt. Für die familiäre Atmosphäre und für den morbiden Charme der Räume. Das Mobiliar ist zusammengesucht und ersteigert, die Wände sind mit moderner Fotografie und Ölschinken geschmückt, die Teppichböden altmodisch gemustert, der Fahrstuhl ist Jahrzehnte alt. "Das Haus hat ein unverwechselbares Gesicht", sagt Hoteldirektor Joachim Rissmann.Rissmanns Ehefrau und die Schwester gehören zur Belegschaft. Es gibt 25 Mitarbeiter, viele arbeiten schon 30 Jahre dort. Gesorgt wird nicht nur für den Körper mit Übernachtung und Frühstück, sondern auch für den Geist: Joachim Rissmann veranstaltet Fotoausstellungen im Erdgeschoss und zeigt wechselnde Gemälde im Lichthof. Jeden zweiten Sonnabend lesen Künstler der Initiative Im Westen was Neues aus Goethes "Wahlverwandtschaften". Jeden Dienstagabend ist Swing Time - ab 20 Uhr gibt es Livemusik. Denn schon Benny Goodman soll 1929, lange vor seiner großen Karriere, im Haus bei einem Ball Klarinette gespielt haben.Auch darüber ist ab Sonnabend mehr zu erfahren, wenn im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf eine Sonderschau mit dem Titel "Das Hotel Bogota" eröffnet wird. Die Exposition beschäftigt sich mit der fast 100-jährigen Historie des Gebäudes. "Hier konzentriert sich Berliner Stadt- und Kulturgeschichte wie in keinem anderen Berliner Mietshaus", sagt Museumsleiterin Birgit Jochens.Als Mietshaus wurde es 1911/12 für einen Bankier gebaut. In der Weimarer Republik war es Society-Treff und Stätte jüdischen Kulturlebens. 1934 richtete die Fotografin Yva, bekannt für avantgardistische Modeaufnahmen, dort Atelier und Wohnung ein. Bei ihr lernte damals der 16-jährige Helmut Newton. Yva wurde mit ihrem Ehemann im Vernichtungslager Majdanek ermordet, Newton gelang die Emigration. 1942 wurde das Haus Sitz der Reichskulturkammer, nach 1945 der Kammer der Kunstschaffenden. In der Schlüterstraße 45 tagte die Entnazifizierungskommission - Künstler wie Heinz Rühmann oder Wilhelm Furtwängler mussten erklären, wie sie mit den Nazis kooperiert hatten. 1952 zog der Deutsche Gewerkschaftsbund ein. 1964 wurden Etagenpensionen eingerichtet. Ein Betreiber war Heinz Rewald, ein jüdischer Emigrant, der sein Hotel nach seinem kolumbianischen Zufluchtsort nannte: Bogota. Den Namen behielt Familie Rissmann bei, als sie 1976 das Haus mietete und es in Gänze zu einem Hotel machte.Vieles von dem, was jetzt im Museum zu sehen ist, hat Joachim Rissmann selbst zusammengetragen: "Wenn man in solch einem Haus tätig ist, will man einfach mehr darüber wissen", sagt er. Er spürte den Lebensläufen früherer Bewohner und Gäste nach, studierte Archive, sammelte Bilder und Dokumente. Auf zwei Fotos von 1998 ist er besonders stolz: Es zeigt den 2004 verstorbenen Starfotografen Helmut Newton auf der Treppe in Yvas früherem Atelier, dort, wo diese gern ihre Modelle ablichtete. Fotografiert hat Rissmann selber. Der Meister revanchierte sich und machte seinerseits ein Bild - von Rissmann und dessen Ehefrau.Das Hotel Bogota: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Schlossstraße 69, Eröffnung 30. Januar, 19 Uhr. Bis 31. März, Di-Fr 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr. Eintritt frei.------------------------------Foto: Schauspieler wie Rupert Everett, Keira Knightley und Hanna Schygulla (v. l.) waren in den vergangenen Jahren zu Gast im Bogota.Foto: Der Salon war 1942 bis 1945 das Büro von Hans Hinkel, Chef der Reichskulturkammer. Diese übte die Aufsicht über alle Kulturschaffenden in Deutschland aus. Die Mitgliedschaft war Juden und Künstlern, die aus Sicht des Regimes "entartete Kunst" produzierten, verboten.