Eine junge Frau, die seit einem Autounfall vor zehn Jahren im Koma liegt, wurde im Pflegeheim vergewaltigt und ist im fünften Monat schwanger. Ihre Eltern wollen keine Abtreibung. Der Fall erregt großes Aufsehen in den USA, nicht nur bei den Strafverfolgungsbehörden. Ärzte, Philosophen, Priester diskutieren: Ist die Entscheidung der Eltern richtig? Wie erklärt man später dem Kind seine Herkunft und welchen Schaden nimmt es daran möglicherweise? Hochbegabte Studentin Der Name der werdenden Mutter wird von den Behörden und der Presse geheimgehalten. Vergewaltigungsopfer genießen in den USA einen sonst nicht üblichen Schutz ihrer persönlichen Daten. Soviel aber ist bekannt: Die junge Frau stammt aus Rochester bei New York, war 19 Jahre alt und eine hochbegabte Studentin an der angesehenen Cornell-Universität, als sie mit ihrem Auto verunglückte. Das geschah 1985. Seither liegt sie im Koma, redet nicht, bewegt sich nicht, reagiert aber laut Auskunft der Ärzte auf "gewisse Körperreize". Personen, die sich ihr nähern, folgt sie mit den Augen. Ein Polizeibeamter, der in dem Fall ermittelt, schwärmte von den blauen Augen der Patientin: "Man kann sehen, daß sie ein sehr schönes Mädchen war."Anfang 1995 gaben ihre Eltern die junge Frau in die Obhut eines neu eröffneten Pflegeheims. Dort geschah, wohl im August, die Vergewaltigung. Die Polizei hat offiziell bislang keinen Verdächtigen. Gegen einen 51jährigen Pfleger, einen Angestellten des Heims, wird allerdings in einem anderen Fall ermittelt; wegen sexuellen Mißbrauchs einer 49jährigen Patientin. Geburt im Mai? Erst Ende Dezember registierten Pfleger, daß der Bauch ihrer Patientin anschwoll. Zuerst vermuteten die Ärzte eine Verstopfung. Am Silvestertag offenbarten sie den überraschten Eltern der jungen Frau, ihre Tochter sei schwanger. Die Eltern - inzwischen geschieden - entschlossen sich nach langen Beratungen, ihre Tochter das Kind austragen zu lassen. Die Geburt könnte im Mai erfolgen.Die Ärzte sagen, die Schwangerschaft verlaufe bisher normal. Wie die Geburt sich abspielen wird - und ob die junge Frau die Geburt überlebt -, weiß aber niemand mit Sicherheit zu sagen. Auch ist rechtlich unklar, wem das Sorgerecht für das Kind zustände. Die Eltern der Frau ließen durch einen Anwalt erklären, ihre streng katholisch erzogene Tochter sei stets entschieden gegen Abtreibungen gewesen. Zudem erhofften sie sich, in dem Enkelkind einen Teil ihrer Tochter zurückzuerhalten. +++