In lässiger Kleidung mit geschultertem Rucksack mischten sich gestern Polizisten unter die Menge. "Die Polizei tritt heute in Zivil auf und macht sich ein Bild", sagt der Bademeister. Denn im Prinzenbad kommt es immer öfter zu Straftaten: Diebstähle, Belästigungen und Ähnliches. Es gibt im Bad zwar einen Sicherheitsdienst mit Hunden, doch wirklich helfen würde das nicht, so Kraatz. Die Randalierer sind zu dreist. "Nur vor den Hunden haben die ein bisschen Respekt." Am Eingang finden Taschenkontrollen statt, aber die helfen kaum. Mit ihnen soll verhindert werden, dass die Jugendlichen Waffen in das Prinzenbad bringen. "Die schmeißen einfach ihre Rucksäcke über den Zaun und kommen brav durch den Eingang", sagt Kraatz. Trotz der angespannten Situation ist der 52-Jährige überzeugt, dass er die richtige Strategie hat. "Wir haben hier Probleme, aber es gibt immer noch Bäder, in denen die Situation viel ernster ist."Das kann auch Besucherin Gloria Pense bestätigen. "Früher habe ich im Columbia-Bad in Neukölln gebadet", sagt sie. Dort sei es ihr mittlerweile aber zu laut, zu voll und zu gefährlich. "Dagegen ist das hier gar nichts." Die ältere Frau liegt immer in der Badebucht direkt am Wasser. Richtig schlimm sei es allerdings auf den Liegewiesen. "Da prügeln sich Jugendliche oft und der Sicherheitsdienst muss eingreifen." Angst vor Angriffen hat sie aber nicht. "Die Prügeleien beschränken sich auf Jugendliche", sagt Erhard Kraatz. "Da hat mal einer die Freundin des anderen zu lange angeschaut und schon geht es los." Störend für alle Besucher seien aber die Sprüche und das Pöbeln gegen jeden, der den Arabern und Türken nicht in den Kram passt. Oft werden auch die Schließfächer der Besucher aufgebrochen.Im Bad gibt es auch einen FKK-Bereich. Da sitzen die Jungen rum und gaffen die nackten Frauen an und beschimpfen sie dann, sagt Kraatz. "Die Araber schauen zwar gerne, finden aber gleichzeitig, die Frauen hätten keine Moral." Der Oberbademeister hat eine Liste mit 82 Personen, die Hausverbot im Prinzenbad haben. "Aber die kommen trotzdem rein. Ich kann mir ja nicht jedes Gesicht merken." Kraatz macht die deutsche Politik für die Situation in seinem Bad verantwortlich. "Da wurde keinerlei Integrationspolitik betrieben", sagte er. "Multikulti ist hier gescheitert."Das Prinzenbad wird indes immer voller, an heißen Tagen kommen bis zu 4 500 Badelustige. Auch die ersten Pöbler sind da. In der Kassenschlange stehen drei Jungen, sie schreien, schubsen und grinsen frech umher. "Je heißer es wird, umso schlimmer wird es", sagt Erhard Kraatz.Eine zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen hat auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg festgestellt. Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) sagt, was sich im Prinzenbad abspielt, sei "ein Stück Alltag im Bezirk". Die Jugendlichen benähmen sich im Bad so wie woanders auch. Gewalt-Probleme gebe es ebenso am Boxhagener Platz oder im Jobcenter: "Manche Jugendliche können nur in Begleitung von Sicherheitsleuten zu ihren Fallmanagern gebracht werden." Über Möglichkeiten, die Situation im Prinzenbad zu entspannen, will er mit dem Jugendamt beraten. Aber: "Zumachen, wie es manche CDU-Politiker fordern, ist Quatsch, weil es kein Problem löst."------------------------------"Je länger es heiß ist, desto schlimmer wird es. Die Hitze macht immer aggressiver." Erhard Kraatz, Oberbademeister im Prinzenbad------------------------------Foto: Nicht alle sind so friedlich wie diese Besucher des Prinzenbads. Sie mussten gestern nur deswegen gehen, weil das Bad wegen des Unwetters geräumt wurde.