KREUZBERG. Für passionierte Kleingärtner wäre dieser Zustand wahrscheinlich eine Zumutung: Holzbalken und Reisighaufen liegen herum, Unkraut wuchert zwischen Sandhügeln und überall bleibt man an Brombeerranken hängen. Genau so haben sich die Kinder aus dem angrenzenden Wohngebiet den Naturspielplatz gewünscht. Sie wollen Sand mit Wasser zum Matschen, Steine zum Klettern und Holz zum Bauen. Am Sonnabend wird auf dem Naturspielplatz ein Apfelbaum gepflanzt. Es ist der erste Setzling im künftigen Park am Gleisdreieck.Bislang wurde auf der riesigen Brache vor allem gerodet und abgerissen. "Wir haben Bahnruinen abgeräumt, Betonflächen enttrümmert und dort, wo die Liegewiese entsteht, Schienen und Pflastersteine ausgegraben", sagt Regina Krokowski. Die 53-Jährige von der Grün Berlin Park und Garten GmbH ist die Projektleiterin für die Arbeiten. Noch hat der Park wenig Grün. Wo sich auf großen Wiesen Menschen niederlassen sollen, glänzt blanke Erde. "Dort war die Lagerfläche für die Baufirmen am Potsdamer Platz. Im Frühsommer säen wir Rasen", sagt Krokowski. Entlang der Bahntrasse, die den Ost- vom Westteil des Parks trennt, entstehen Flächen zum Skaten. Und "ökologische Schotterflächen". "Das sind Bahnflächen, auf denen Laufkäfer und andere seltene Kleintiere leben", sagt Krokowski. Um Brutmöglichkeiten für Erdhummeln und andere Insekten zu erhalten, wurde auf künftigen Sportflächen 30 Zentimeter Erdreich abgetragen und anderswo wieder angehäuft. So viel wie möglich wolle man auf dem Gelände erhalten, sagt Krokowski. Vom alten Baumbestand und von den Spuren der Bahnnutzung.Vielen Anwohnern ist das zu wenig. "Das Gleisdreieck war berühmt für seine Mischung aus Wildwuchs und historischen Spuren", sagt Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck. Anstatt das nutzbar zu machen, habe man sich für ein Konzept der "großflächigen, eintönigen Wiesen" entschieden. Für vieles sei am Parkrand kein Platz mehr. Regina Krokowski hält dem entgegen: "Wir planen für rund 300 000 Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen."Noch unklar ist, ob es im Park einen Ort zum Grillen geben wird. Oder was aus den mehr als 60 Kleingärten im Westteil wird, die für Sportanlagen weichen sollen. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) sagt: "Wir diskutieren gerade darüber, wie dort beides nebeneinander möglich ist." Dass Planungen geändert werden können, zeigt der Naturspielplatz, der im Juni fertig sein soll. Er war ursprünglich gar nicht vorgesehen und wurde erst auf Druck von Anwohnern aufgenommen. Am 8. Mai wird dort ein riesiger Findling angeliefert. Den hatten sich die Kinder zum Klettern gewünscht.------------------------------Platz für Spiel, Sport, ErholungFast 150 Jahre lang war das 35 Hektar große Areal Bahngelände. Im östlichen Teil verliefen die Gleise zum Anhalter Güterbahnhof, im Westen war der Potsdamer Güterbahnhof. Bis in die 1980er-Jahre befand sich dort auch der Paketbahnhof der Post.Nach dem Rückzug der Bahn entwickelte sich zwischen Landwehrkanal und Monumentenstraße Wildwuchs. Auf dem Gelände sollte 1995 eine Bundesgartenschau stattfinden. Die wurde abgesagt, stattdessen wurde das Areal als Logistikfläche für den Bau des Potsdamer Platzes genutzt.Der Senat entwarf 1997 ein Konzept für einen Park. Das Land und das Bahn-Immobilienunternehmen Vivico vereinbarten schließlich, dass dafür 26 Hektar genutzt werden. Rund 11,6 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Das Geld kommt von den Investoren am Potsdamer Platz.Der künftige Park grenzt an Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten. Er wird etwa 20 Eingänge an großen Straßen haben. Im Park gibt es einen ringsum führenden Asphaltweg für Radler und Skater sowie einen Fußweg. Im Zentrum entstehen zwei große Rasenflächen, im Außenbereich gibt es Spielplätze, Flächen für Sport und Cafés. Auch ein Hundeauslaufplatz ist geplant.Bis 2011 wird zunächst der Ostteil des Parks fertiggestellt, etwa zwölf Hektar. Der westliche Teil soll 2013 fertig sein. Verantwortlich ist die Grün Berlin Park und Garten GmbH. Entlang der ICE-Trasse soll später der Europa-Radweg von Leipzig bis zum Potsdamer Platz führen.------------------------------Karte: Bauvorhaben am Gleisdreieck------------------------------Foto: Kein totes Gleis: Hier wird später mal die Museumsbahn vom Technikmuseum zu besonderen Anlässen fahren.