Ein Fall für die Kommissare Kain (Bernd-Michael Lade) und Ehrlicher (Peter Sodann) aus Leipzig: Milan Materna, einziger Sohn eines angesehenen Prager Trompetenherstellers, kommt in die Stadt, um eine neue Produktlinie vorzustellen: Instrumente, die den ehrwürdigen Namen des Stammhauses tragen, aber in moderner Weise als Dutzendware hergestellt werden. Als sich alle Beteiligten samt Journalisten schon zur feierlichen Unterzeichnung des Vertrags mit dem deutschen Vertriebspartner versammelt haben, wird Milan tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden.Ehrlicher findet schnell heraus, dass es kurz vor der Pressekonferenz zu einem Streit gekommen war: Der alte Materna reiste überraschend aus Prag an, um eine Entweihung des Familiennames durch die Billigtrompeten zu verhindern. Nach der Konfrontation mit dem Vater besann sich der Sohn doch noch eines Besseren und wollte die Unterzeichnung platzen lassen. Nun steht Milans Freundin Eva (Michaela Merten), deren Idee die neue Produktlinie war, unter dringendem Mordverdacht, da sie kurz nach der Tat nach Prag floh. Ehrlicher bittet die Prager Polizei um Mithilfe, doch der zuständige Beamte Major Cerny stellt sich stur: Ohne Einsicht in die Beweise könne er Eva nicht festhalten. Also packt der Kommissar die Sachen und fährt nach Prag, um die Ermittlungen in die Hand zu nehmen.Für Ehrlicher wird die Reise eine Rückkehr in seine Vergangenheit. Vor 35 Jahren hatte er in Prag eine Romanze mit einer tschechischen Studentin, die ihn aber bei einem Tete-a-tete an der Karlsbrücke sitzen ließ. Seitdem hat er sie nie mehr widergesehen. Während er die flüchtige Eva verfolgt und sich mit dem immer sturer werdenden Prager Beamten herumschlagen muss, sucht Ehrlicher nach seiner Jugendliebe und den Stätten seiner Erinnerung. Die Ermittlungen werden dabei immer unwichter, das Privatleben des Kommissars Bruno Ehrlicher tritt in den Vordergrund. Darunter leidet die Spannung, der Fall dümpelt vor sich hin."Heiße Grüße aus Prag" ist ein solider Tatort. Doch die Darstellung der goldenen Stadt Prag als geheimnisvolles Pflaster, auf dem Ehrlicher seiner Erinnerung nachjagt, geht daneben. Zu klischeehaft sind die Stationen des Kommissars: Moldau, Altstadt, Jazzkeller. Prag bleibt für den Zuschauer kulissenhaft. Vielleicht liegt das auch daran, daß alle tschechischen Beamten und alle Prager Einwohner in akzentfreiem Deutsch miteinander sprechen. Mit ein bisschen mehr Mut zur Authentizität und weniger Betonung auf dem Charakter Ehrlicher wäre der Regisseurin Sylvia Hoffmann ein überzeugender Krimi gelungen, so bleibt es doch nur ein gewöhnlicher "Tatort".Tatort: Heiße Liebesgrüße aus Prag Sonntag, 20.15 Uhr, ARDMDR/STEPAN LUTANSKY Tod eines Musikers: Wer erschlug Milan Materna (Vaclav Mares)?