In Heidelberg ist im September 2002 ein bedeutender Schlag gegen den islamistischen Terror und den internationalen Drogenhandel gelungen. Ein junges Paar - ein 25 Jahre alter Türke und seine drei Jahre jüngere, deutsch-amerikanische Freundin - wurde unter dem Verdacht verhaftet, im Namen Osama bin Ladens einen Sprengstoffanschlag in der Heidelberger Innenstadt geplant zu haben, zwei "Top-Terroristen" also, wie die in- und ausländische Presse frohlockte, dingfest gemacht nur dank der exzellenten Zusammenarbeit mit den USA: "Danke, FBI." (Edmund Stoiber) Zwar räumten die Ermittler wenig später ein, dass die knapp 400 Gramm Schwarzpulver, die in der Wohnung des Paares gefunden worden waren, nur zur Produktion von Silvester-Böllern taugten und auch die zehn entdeckten Hanf-Samen den Drogenhandel nicht effektiv befördern könnten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Staatsanwaltschaft allerdings schon eine andere Verdächtige im Visier - Nicole Bargatzky, jene Ermittlungsrichterin, die die beiden, nun ja, "Bottom-Terroristen" in Untersuchungshaft genommen hatte. Der Vorwurf: Bargatzky habe einen ihr bekannten "Spiegel"-Reporter über das Verfahren informiert und damit ein Dienstgeheimnis verraten, strafbar gemäß §353 b Abs.1 Strafgesetzbuch.Über die Konsequenzen dieses Verdachts hat gestern das Bundesverfassungsgericht verhandelt. Auf der Suche nach Belegen des Geheimnisverrats war die Privatwohnung der Richterin durchsucht worden - vor allem auf ihre Handy-Daten und die E-Mails hatten es die Ermittler abgesehen. Die Aktion verlief nicht nur erfolglos, vor allem war sie verfassungswidrig. Bereits im Februar 2004 entschied das Bundesverfassungsgericht, die gravierenden Einwände Bargatzkys gegen die Durchsuchung seien vom zuständigen Gericht nicht berücksichtigt und die Richterin damit in ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden.Mit diesem Beschluss aber gab sich Bargatzky nicht zufrieden. Die 43 Jahre alte Richterin erhob erneut Verfassungsbeschwerde mit der Begründung, die Sicherstellung ihrer Handy-Daten und der E-Mails habe das Fernmelde- und Briefgeheimnis verletzt. Dem widersprach in Karlsruhe gestern Bundesjustizministerin Brigitte Zypries: Elektronische Kommunikationsdaten seien nicht besser geschützt als konventionelle Post. Das Postgeheimnis aber ende mit Ankunft des Briefes beim Empfänger. Doch hat eine Kammer des Bundesverfassungsgerichts jüngst entgegengesetzt entschieden und die Sicherstellung von Handy-Daten nur in Verfahren wegen Straftaten von "erheblicher Bedeutung" gestattet. Aber, wie jeder Strafverfolger weiß: Alles ist erheblich, selbst ein Tütchen Schwarzpulver.------------------------------Foto: Nicole Bargatzky Heidelberger Richterin