Der Gegensatz könnte krasser nicht sein. Während am nur wenige Kilometer entfernten Strand zwischen Barcelona und Tarragona der Tourismus tobt, schneidet sich hier ein endlos langer Stacheldraht-Zaun in die Einöde des spanischen Hinterlandes. Kameras spähen von hohen Masten entlang der Absperrung, und von Zeit zu Zeit patrouillieren Männer mit leistungsstarken Ferngläsern in groben Gelände-Fahrzeugen. Das Areal wirkt wie ein militärischer Sperrbezirk. Wer ihn betreten will, braucht einen speziellen Ausweis, der die Unterzeichnung einer so genannten Geheimhaltungserklärung voraussetzt. Fotoapparate, Videokameras und Tonbandgeräte sind verboten. "Idiada" steht in weißen Versalien auf den tarngrünen Patrouillien-Fahrzeugen, die das Gelände mit dem 7,5 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsoval, der topf-ebenen Betonplatte von der Größe acht zusammengesetzter Fußballfelder und den zahllosen Marterstrecken mit Kopfsteinpflaster und groben Querfugen sichern. Hier testen die Automobilhersteller Europas ihre neuesten Produkte. An diesem Sonnabend scheinen die Testbahnen jedoch verwaist. Jedenfalls ist während der Fahrt zu den acht asphaltierten Fußballfeldern nichts auszumachen - selbst am Ziel noch nicht. Doch dann taucht er auf. Zunächst nur als silbrig glänzender Fleck, der sich in der flimmernden Hitze unscharf am anderen Ende der Betonfläche abzeichnet, schnell größer wird, Konturen erhält und wie ein Abgesandter von einem anderen Stern vor mir steht. F 400 - der erste Kontakt. Mercedes hatte mit der Studie im vergangenen Jahr auf der Tokio Motor Show für Aufsehen gesorgt. Der Grund dafür war nicht nur das Design des Roadsters, sondern seine Technik. Ein Fahrwerk, das in der Lage ist, die Räder während der Fahrt zu neigen. Räder mit ganz besonderen Reifen. Es sind Reifen, deren Laufflächen aus unterschiedlichen Gummi-Mischungen bestehen. Zu etwa zwei Dritteln entsprechen Fläche und Profil herkömmlichen Pkw-Reifen. Das dritte Drittel jedoch gleicht einem "weichen" Motorradreifen mit besonders großer Haftung. Durch die Neigetechnik können die Räder so gestellt werden, dass der Reifen auf der jeweils optimalen Lauffläche rollt. Geht es geradeaus, stehen die Räder senkrecht und der F 400 fährt auf normalen Pkw-Reifen. Geht es durch eine Kurve, neigen sich die kurvenäußeren Räder je nach Tempo und verlagern die Last auf den besser haftenden "Motorradreifen". So sollen sich Querbeschleunigungen erzielen lassen, die im Serienbau bislang als unerreichbar galten. Günther Mäckle, einer der 2 500 DaimlerChrysler-Forschungsingenieure, die der Gegenwart um bis zu 20 Jahre voraus sind: "Mit einer guten Limousine sind Querbeschleunigungen von etwa 0,7 bis 0,8 g (Fortsetzung auf Seite C03) möglich, mit einem sehr guten Serien-Sportwagen wie Ferrari 1,0 bis 1,05 g, der F 400 schafft 1,3 g. " Beeindruckend, aber stimmt es?Unter den wenig sorglosen Blicken der Ingenieure enter ich das Cockpit des unbezifferbar teuren Unikats. Der Druck auf den Starterknopf wird von dem 3,2-Liter-V6 mit einem satten Brabbeln aus den Sidepipes unter den Flügeltüren quittiert. Los geht s. In den ersten Kurven zieht der F 400 sauber seine Bahn. Dann kündigen mit steigendem Tempo wimmernde Reifen das Ende der Haftung an, bis schließlich Gegenmaßnahmen mit der Lenkung erforderlich sind, um den F 400 auf Kurs zu halten. So weit, so gut. Nun schaltet mein Beifahrer das Neigesystem zu. Längst ist die Tachonadel in jenem Bereich, in dem eben noch Gummi auf die Bahn gelegt wurde, doch für den F 400 scheinen Kurven nicht zu existieren. Dass die Räder schräg stehen wie bei einem Achsenbruch, ist im Cockpit nicht zu spüren. Wie von einem Leitstrahl gelenkt folgt er der Kreisbahn und beschämt den Berichterstatter, der nicht selten schrieb, dass ein Auto wie auf Schienen fahre. Eine ernüchternde Lehrstunde. Der F 400 markiert eine neue Dimension. Auch beim scharfen Bremsen, wenn sich alle vier Räder zum maximalen Reibwiderstand hin neigen und den F 400 fünf Meter früher als jedes vergleichbare Auto mit herkömmlichen Rädern und Reifen zum Stillstand bringen.Doch die Neigetechnik ist nicht alles. Wie ich erst später erfahre, habe ich auch auf eine völlig neue Art gelenkt. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderachse. Keine Lenksäule, die sich bei einem Crash in Richtung Fahrer schieben kann. Es gibt nur Drähte. Das Erstaunlichste: Der Unterschied ist vom Fahrer nicht zu spüren. Elektromotoren erzeugen bei Bedarf den nötigen Gegendruck und simulieren exakt jenes Lenkgefühl, das man an einer guten Lenkung schätzt. Brillant.Ebenso neu ist die Lichttechnik mit Scheinwerfern, die kaum größer als ein Flaschenkorken sind. Es sind eigentlich nur Lupen, die das Licht bündeln, das per Lichtleiter von einer im Motorraum verborgenen Xenonlichtquelle nach außen gelangt. Für Steffen Koehl, dem sich als Designer so völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten ergaben, ist der Trend klar: "In etwa fünf Jahren sind die herkömmlichen Scheinwerfer tot. " Dann werden Lichtleiter oder Leuchtdioden Lampen flächendeckend ersetzt haben. Die Neigetechnik indes wird so schnell nicht kommen, das Design durchaus. Die "Nase" mit dem Stern wird den neuen SLR (2003) ebenso zieren wie den im Jahr darauf folgenden SLK.Für den Spaß zu zweit: Das Cockpit ist hochwertig, aber nur minimal bestückt.MARKENWARE // Mit einer besseren Ausstattung wertet Renault den Twingo (ab 8 950 Euro) auf. So gehört nun ein Bremsassistent zur Serienausstattung. Die Rückbank ist mit Isofix-Kindersitzbefestigung ausgerüstet.Audi rüstet die 1,4-Liter-Modelle des A2 ab sofort mit einem von 34 auf 42 Liter vergrößerten Tank aus. Für das Drei-Liter-Auto A2 1. 2 TDI kann nun auch ein 34- statt 13-Liter-Tank geordert werden.Honda will ab Frühjahr 2003 eine Hybridversion des Honda Civic in Europa einführen. Angetrieben wird das Auto von einem 1,3-Liter-Benzinmotor und einem 13 PS starken Elektromotor.Ab Oktober wird BMW für die neue 7er Reihe zwei Dieselmotoren anbieten. Der Sechszylinder im 730d (58 000 Euro) leistet 218 PS, der V8-Diesel des 740d (75 700 Euro) stellt 258 PS zur Verfügung.