Die Grünen im Bezirk und die Senatsumweltverwaltung sind sich uneins, wie die Moorsenke Riemeisterfenn am besten zu schützen sei. Das Gewässer war von den Grunewaldseen abgetrennt worden, doch die Fische, die dort lebten, trieben im Winter plötzlich bauchoben auf dem Wasser. Sie waren eben wegen der Maßnahme erstickt. Seither mehren sich die Stimmen, das Fenn wieder zu öffnen.Ein Senatsbeschluß vom 4. Mai 1987 hatte das Riemeisterfenn zum Naturschutzgebiet erklärt und vorgesehen, die Verbindung zwischen Fenn und Grunewaldseen zu schließen. Diese Verordnung wurde im Herbst 1998 umgesetzt. Doch da lebten längst Aale, Hechte und Karpfen im Fenn und erstickten im Winter in dem sauerstoffarmen Wasser. "Dem Naturschutz wäre besser gedient, wenn wir die Fischwanderwege erhalten", findet Michael Folgert, Gewässerwart beim Anglerverein Wels. Die Gemeinschaft hat den Schlachtensee und die Krumme Lanke gepachtet. Durch den Badetourismus gebe es immer weniger Ruhe- und Laichgebiete für die Fische, sagt er. Auch die Zehlendorfer Grünen setzen sich für eine Öffnung der Verbindungswege ein. "Der Zufluß von Wasser ist nötig, damit die Lebewesen genug Sauerstoff haben", sagt Cornelius Plappert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Ein Antrag, sich beim Senat dafür einzusetzen, wurde in der BVV angenommen.Ursprünglich war das Riemeisterfenn ein kleiner See, der nach und nach verlandete. Die Inbetriebnahme des Wasserwerks Riemeisterfenn im Jahr 1955 beschleunigte diesen Vorgang, weil sich dadurch der Grundwasserspiegel senkte. Aus dem See wurde eine abflußlose Moorsenke, in der sich seltene und bedrohte Arten ansiedelten, die auf nährstoffarmes, saures Wasser angewiesen sind. Seit den 60er Jahren floß jedoch aufgrund eines Dammbruchs nährstoffreiches Wasser aus den Grunewaldseen in das Moor. "Dadurch sind einige bundesweit vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten wie das Sumpfknabenkraut, eine der wenigen Orchideenarten in Deutschland, und die Schwanenblume ebenso verschwunden wie einige Spinnenarten", sagt Holger Brandt von der Naturschutzbehörde in der Senatsumweltverwaltung. Er verteidigt die Zuschüttung der Zuflüsse: "Wir haben nicht so viele Moore in Berlin und mußten die Dämme dichtmachen, um das Moor zu schützen." Dies habe Vorrang und entspreche den Naturschutzgesetzen. "Das Fischesterben ist ein natürlicher Prozeß bei Kleingewässern im Winter", sagt Brandt. Die Forderungen von Grünen und Anglern führt Brand auf "mangelnde Information" zurück.