Im Schloss Charlottenburg wird über das Leben der preußischen Königin informiert. Das Publikum ist interessiert: Schlange stehen für Luise

Working mom - Preußens Königin Luise kommt auf Plakaten enorm modern daher. In leuchtendem Grün macht der englische Slogan die Königin zu einer Art Pop-Ikone. Mama arbeitet, leitet die Geschicke eines Volkes und bringt nebenbei auch noch zehn Kinder zur Welt. Am Wochenende hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zum 200. Todestag der Königin (1776-1810) ein umfangreiches Kulturprogramm gestartet. Im Schloss Charlottenburg stehen die Menschen an diesem Sonntag Schlange, um eine Ausstellung über "diese tolle Frau" zu sehen, wie zumeist Frauen sagen. Gemeinsam mit ihren Lebensgefährten oder Ehemännern sind sie ins Schloss gekommen. Letztere behaupten, sich mehr für die Zeitgeschichte zu interessieren.Eine Besucherzahl können die Ausstellungsmitarbeiter am Sonntagabend nicht herausgeben. "Enorm gut besucht", sei die Ausstellung. Am Eröffnungswochenende kamen mehr Gäste als die Mitarbeiter erwartet haben. Und sie rechnen mit noch mehr Besuchern. Schließlich läuft die Luise-Ausstellung bis in den Mai. Sie läuft erst an. Aber warum kommen so viele Menschen in eine Ausstellung über eine Königin, die seit 200 Jahren tot ist und die heute eigentlich keiner mehr kennt?Carlos Rocca kommt aus Spanien. Er ist für eine Woche in Berlin "und natürlich besuche ich Luise", sagt er. Er hofft auf etwas Romantik in den Ausstellungsräumen. "Soll sie nicht ein Verhältnis mit Napoleon gehabt haben?", fragt er. Er ist sich nicht sicher und gibt schließlich zu, dass er gar nicht wirklich wegen der Königin gekommen ist. Das Schloss steht einfach auf seinem Berlin-Besuchsprogramm. Dass er sich in die Luise-Ausstellung verirrt hat, ist reiner Zufall.Die Ticketverkäufer im Schloss Charlottenburg müssen italienisch, spanisch, englisch sprechen. Viele Besucher erkundigen sich in diesen Sprachen nach Tickets. Viele wollen einfach nur das Schloss besuchen. Daneben sind auch deutsche Berlin-Besucher da und einige Berliner, zumeist ältere, die in jede Schloss-Ausstellung kommen. Vor der Figurengruppe, die Luise mit abweisendem Gesicht, einen Kopf größer als Napoleon, zeigt, stehen zwei Frauen. Luise, die dem Erzfeind Paroli bietet, fasziniert sie. "Erstaunlich, was in diese Begegnung alles reininterpretiert wurde - im Nachhinein", sagt Frederike Lörsch. Ihre Begleiterin findet es "sehr verklärt, das Ganze". Schließlich hat der Künstler hier die Machtverhältnisse einfach auf den Kopf gestellt. 1807 befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die beiden Frauen aus Stuttgart besuchen ein paar Tage Berlin. Alles Preußische gehöre doch zu Berlin, sagt Frederike Lörsch. Deshalb sucht sie nach entsprechenden Spuren in der Stadt. Deshalb ist sie auch ins Schloss gekommen.Vor dem letzten Bild stehen endlich ein paar Berliner. Es zeigt eine königliche Figurengruppe im Tiergarten. Zu sehen sind allerdings nicht Luise und ihre Schwester, sondern die Sängerinnen Annette und Inga Humpe im 80er-Jahre-Outfit. Das findet Klaus Meiners lustig. Er hat die Ausstellungswerbung gesehen mit Working Mom, Miss Preussen und It Girl und sich gewundert, warum er so gar nichts weiß über diese Frau. Das wollte er ändern."Luise. Leben und Mythos der Königin" im Schloss Charlottenburg ist bis zum 30. Mai zu sehen, Eintritt 12 Euro.------------------------------Foto: Große Luise, kleiner Napoleon: So sah der Künstler Gustav Eberlein 1899 die Begegnung von 1807.