Im Schorfheideviertel wird eine märkische Landschaft angelegt - mit kleinen Hütten: Mufus für Marzahn

MARZAHN. Noch braucht es Fantasie, sich eine Heidelandschaft zwischen den Plattenbauten an der Golliner- und der Kölpiner Straße vorzustellen. Im nächsten Jahr, nach dem Abriss von zwei Elf- und zwei Sechsgeschossern mit 262 Wohnungen durch die zur Degewo-Gruppe gehörende Wohnungsbaugesellschaft Marzahn, soll die Schorfheide in das gleichnamige Viertel geholt werden: Auf 13 000 Quadratmetern Freifläche, die beim Plattenabriss entsteht, werden Hügel modelliert sowie Kiefern und Gräser gepflanzt. Verstreut am Rand, soll es eine "Herde von 20 bis 30 Mufus" geben, so drückt es Landschaftsplanerin Gabriele Pütz von der Gruppe F aus. Mufu steht für "Multifunktionsbox". Solche Hütten - nutzbar als Garage, Hobbyraum, Werkstatt oder als Probebühne - wünschten sich die Anwohner.Diese konnten in den vergangenen vier Monaten in einer Planungswerkstatt mitberaten, wie ihr Viertel umgebaut werden soll. Degewo-Chef Frank Bielka: "Das Konzept der Bewohner besticht durch Kreativität. Und es ist auch praktisch umsetzbar." Etwa 350 000 Euro stehen für die Gestaltung der Abrissflächen zur Verfügung. Gegenwärtig würden mit dem Bezirksamt die Bedingungen verhandelt, damit das Projekt so schnell wie möglich realisiert werden kann. Noch sei nicht klar, ob die Boxen von den Anwohnern gekauft oder gepachtet werden. Laut Bielka müssen die Kosten dafür noch geprüft werden. Dennoch gibt es bereits 20 Bewerber für die etwa sieben Meter langen und 3,5 Meter breiten Räume. Fast alle Interessenten wollen diese als Garage für ihr Auto nutzen.Norbert Lüdtke (Linkspartei), Stadtrat für Ökologische Stadtentwicklung, sieht in dem Projekt "eine neue Qualität" beim Stadtumbau Ost. Rund 100 Hektar Freifläche werden bis 2010 im Bezirk durch den Abriss von Plattenbauten frei. Nicht überall gibt es Interesse an Parks, Mietergärten oder Spielplätzen. "Viele Bewohner aber wünschen sich Garagen", sagt Lüdtke. Seinerzeit hatte die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Wohngebiete in Marzahn und Hellersdorf garagenlos zu bauen - eine Platzfrage. Nun gibt es genügend Raum. Lüdtke schätzt deshalb, dass es für die 15 Tonnen schweren Multifunktionsboxen bald eine Nachfrage weit über das Schorfheideviertel hinaus geben wird.------------------------------Stadtumbau OstPlattenabriss: Von den 100 000 Plattenwohnungen in Marzahn und Hellersdorf werden bis 2010 etwa 4 500 abgerissen. 76 Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude mussten bisher weichen.Freiflächen: Auf Abrissflächen entstanden Gärten, einfache Rasenflächen und Spielplätze. Anwohner wünschen sich jetzt Garagen.------------------------------Foto: Hirschgeweih am Giebel: So stellen sich die Planer die Schorfheide-Landschaft zwischen den Plattenbauten vor.