5. Juni 1945, 17 Uhr: In einer Villa in Wendenschloß am Stadtrand von Berlin unterzeichnen die Oberbefehlshaber der alliierten Besatzungsstreitkräfte eine Deklaration über die Niederlage Deutschlands und die Übernahme der obersten Regierungsgewalt. Zugleich werden Dokumente über die Bildung eines Alliierten Kontrollrats und die Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen unterschrieben. Die Siegermächte teilen Deutschland in vier Zonen auf, Berlin wird eine Viersektorenstadt. Am Vormittag des 5. Juni flog eine amerikanische Delegation unter General Dwight D. Eisenhower von Frankfurt nach Berlin. General Lucius D. Clay, Eisenhowers Stellvertreter, berichtet in seinen Memoiren: "Bei der Landung in Tempelhof wurde General Eisenhower von einem sowjetischen Truppenkontingent von ungefähr 800 Mann mit gebührenden Ehren empfangen. Uniformen und Ausrüstung waren offensichtlich im Kriege abgenutzt worden, aber sie waren sauber und ordentlich. Die Leute schienen in hervorragender körperlicher Verfassung und gut diszipliniert zu sein. Ich war beeindruckt". Immerhin - Clay war nicht gerade ein Sowjetfreund. Verzögerung Nach dem opulenten Mittagessen kamen die Franzosen unter General de Lattre de Tassigny und die Briten unter Feldmarschall Montgomery. Doch der Programmablauf verzögerte sich. In einem Dokument hatte sich ein Fehler eingeschlichen: Die Sowjets, die sich mit Japan noch nicht im Krieg befanden, sollten zur Festnahme japanischer Staatsbürger verpflichtet werden. Der Passus wurde gestrichen, und man hätte nun mit dem offiziellen Akt beginnen können.Doch die Stunden verrannen, ohne daß etwas geschah. Eisenhower, der noch vor Dunkelwerden nach Frankfurt zurück wollte, beabsichtigte schon, Gastgeber Marschall Schukow zu sagen, daß er abreisen müsse, wenn die Zeremonie nicht innerhalb von 30 Minuten begänne; da trafen Wagen ein, um die Delegationen zu einem Haus in die Siedlung Wendenschloß in Köpenick zu bringen.Die Verzögerung ergab sich daraus, daß Schukow noch Direktiven aus Moskau hatte abwarten müssen. In seinen Memoiren berichtet er allerdings von diesen Peinlichkeiten nichts. Statt dessen erwähnt er, wie er Montgomery erläutert habe, daß Stalingrad bedeutender gewesen sei als der britische Sieg bei El Alamein und daß er US-General Spaatz über die geplanten Luftkorridore aufklären mußte.Im Saal war ein großer runder Tisch mit gekennzeichneten Plätzen - für jede Delegation genau ein 90 Grad-Abschnitt - aufgestellt. Die Dokumente wurden nun ohne weitere Verzögerungen unterschrieben. In wenigen Minuten war der offizielle Akt abgeschlossen. Anschließend gab es ein Bankett. Trinksprüche Eisenhower ließ sich zu kurzem Verweilen überreden, da Schukow ihm eine schnelle Fahrt zum Flugplatz zusicherte. Nach zwei Liedern eines russischen Chors brachte Schukow einen Trinkspruch aus. Nun war es an Eisenhower zu erwidern. Der aber hatte die stundenlange Verzögerung nicht vergessen und schloß seine kurze Rede mit dem Bedauern darüber, daß er jetzt, da er sich bei seinen Gastgebern bedanke, aus Zeitgründen sich auch schon verabschieden müsse.Zur ersten Sitzung des Kontrollrats am 30. Juli an der Kronprinzenallee, der heutigen Clayallee, kamen alle pünktlich. Aber wegen der notwendigen Klärung von Organisationsfragen konnte man erst Ende August mit der Sacharbeit beginnen. Es will scheinen, das Klima vom 5. Juni war für die Tätigkeit des Kontrollrates von Anfang an wie ein böses Omen. Die für den Zusammenhalt Deutschlands so nötige Kooperation wurde bald vom Kalten Krieg behindert und schließlich ganz zerstört. Das Ende Auf der Sitzung am 20. März 1948 warf Sowjetmarschall Sokolowskij dem Westen vor, die Zusammenarbeit zu blockieren. Der britische Vertreter wollte antworten, doch "Sokolowskij erklärte: Ich finde es sinnlos, die Sitzung fortzusetzen, und ich erkläre sie hiermit für vertagt. Ohne ein weiteres Wort machten die sowjetischen Vertreter auf dem Absatz kehrt und verließen den Konferenzsaal." So die Darstellung Lucius Clays. Die Geschichtsschreibung im Ostblock sah die Schuld für das Verhalten der sowjetischen Vertreter auf seiten des Westens, der erbetene Informationen u. a. über die Londoner Konferenz der Westmächte und der Beneluxländer zu Deutschland betreffenden Fragen verweigert habe.Die Arbeit des Kontrollrats war damit beendet. Die letzten Befugnisse der Alliierten endeten allerdings erst 1990 mit der deutschen Vereinigung.