Am S-Bahnhof Yorckstraße über eine weiße Mauer klettern und durchs Gestrüpp an den Schienen entlang", erklärt die Freundin per Handy. Es ist ein früher Montagabend, wir sind auf dem Weg zu einer Open-Air-Party auf stillgelegten Gleisen. Die Frau am Telefon ist eine Bekannte, sie ist mit einem der DJs befreundet, die an diesem Abend hier irgendwo auflegen. Telefonisch navigiert sie das Grüppchen: "Wenn ihr die Musik hört, seid ihr schon fast da."Es ist Sommer, die Stadtbewohner drängt es nach draußen, in die Parks oder an die umliegenden Seen. Clubgänger freuen sich auf Festivals auf dem Land wie Melt oder Fusion, doch auch in der Stadt gilt: lieber Open-Air-Party statt Club, lieber umsonst und draußen, spontan, tanzende Leute mit nackten Füßen vor provisorischen DJ-Pulten. Die Getränke sind billig, man beschränkt sich auf Wesentliches: Jägermeister, Bier und Club Mate. Abseits von der Tanzfläche wird gegrillt. Es gibt solche Partys jedes Wochenende, manchmal mitten in der Stadt, unübersehbar in öffentlichen Parks. Oder aber versteckt, wie die Party an der Yorckstraße.Ankündigungen werden höchstens kurzfristig per Newsletter oder SMS verschickt. Das hat damit zu tun, dass eine eingeschworene Community lieber unter sich bleibt, aber nicht nur. Die Heimlichtuerei hat vor allem den Grund, dass diese Partys illegal sind. Jedes Wochenende gilt es zu feiern, bis die Polizei kommt.Im Wäldchen hinter der Yorckstraße tanzt Tina, 28 Jahre alt und Studentin. "Das ist mal was anderes, als immer nur stumpf in einen Club zu gehen. Es ist immer spannend. Du weißt nie, wie lange es geht", sagt sie. Eine halbe Stunde lang habe sie den Weg zu den stillgelegten Gleisen gesucht. Das gehört dazu. Zwischen all jenen, die in der untergehenden Sonne zu Elektro-Beats tanzen, herrscht ein Zusammengehörigkeitsgefühl.Es ist vor allem der Reiz, gemeinsam etwas Verbotenes zu tun. Die Veranstalter reden nur ungern mit der Presse. Viele von ihnen sind noch Studenten, das Organisieren illegaler Partys ist ihr Hobby. Ebenso wie die Namen ihrer Partyreihen wollen auch sie anonym bleiben. Olli, 27 Jahre, ist einer von ihnen. Er ist Eventmanager, organisiert Festivals und Veranstaltungen. Das Interview findet am Telefon statt, denn Olli ist gerade irgendwo im Berliner Umland unterwegs, auf der Suche nach einem passenden Ort für die nächste Party. "Es wird immer schwieriger, gute Plätze finden. Mit jeder Party wird die Grauzone, in der wir uns bewegen, kleiner. Aber genau das ist die Herausforderung." Zehn bis 15 geheime Partys organisiert Olli jeden Sommer. Das ist anstrengend, kostet Nerven und macht ihm dennoch Spaß: "Wenn die Leute tanzen und glücklich sind, hat sich der ganze Aufwand gelohnt." So richtig Ärger mit der Polizei hatte er bisher nicht. Nur einmal, erzählt er, da sei eine Veranstaltung im Park plötzlich von einer Hundertschaft umringt gewesen. Nach zähen Verhandlungen habe man sich darauf geeinigt, das ganze zur Demo zu erklären. Schnell wurden Redebeiträge organisiert, der DJ legte "Fight For Your Right To Party" von den Beasty Boys auf, alle waren zufrieden. Olli lobt das Verhalten der Polizei: "Sie ist immer sehr wohlwollend uns gegenüber. So lange sie eine gewisse Grundsicherheit feststellt, lässt sie uns gewähren."Die Tanzfläche zwischen den Bäumen an der Yorckstraße ist voller geworden. Immer mehr Leute haben den Weg gefunden. Auch die Polizei. Sie schaut sich kurz um und geht wieder. Alles in Ordnung. Nur die Musik soll etwas leiser gestellt werden.------------------------------Foto: Lichtblick: Das Fusion-Festival in Lärz beginnt am 26. Juni.------------------------------Foto: Dem Himmel so nah auf dem Melt-Festival (18.-20. Juli). Aber auch in der Stadt gibt es im Sommer für Eingeweihte zahlreiche Open-Air-Partys.