COTTBUS. Erika Schrödter steht in dem Raum, der einmal ihre Küche werden soll. Nebenan, so sagt die 52-Jährige, wird das Wohnzimmer sein - ein helles Zimmer mit großen Fenstern und einer Terrasse. Schrödters künftige Drei-Raum-Wohnung liegt im Erdgeschoss einer neuen Stadtvilla in der Theodor-Storm-Straße im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf, der größten Plattenbausiedlung des Landes Brandenburg. Noch vor neun Monaten gehörte die 85 Quadratmeter große Wohnung zum Erdgeschoss eines elfgeschossigen Plattenbaus aus den 80er Jahren. Das Hochhaus wurde nicht abgerissen, es wurde in einem Pilotprojekt bis auf jene drei Etagen abgetragen, die heute die Stadtvilla und den Dreigeschosser nebenan bilden. Aus den Fertigteilen der demontierten oberen Hochhausgeschosse entstanden in neunmonatiger Bauzeit noch zwei andere Stadtvillen sowie ein Einfamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft.An Ort und Stelle neu verbautBrandenburgs Bauminister Harmut Meyer (SPD) muss an diesem Freitag zugeben, dass er dem Cottbuser Modellprojekt anfangs sehr misstrauisch gegenüberstand. Hat es doch eine vergleichbare Variante des Stadtumbaus bisher nicht gegeben. "Sehen aber gut aus, die Häuschen", räumt der Minister bei einem ersten Rundgang ein. Zudem habe der Umbau 20 Prozent weniger gekostet als ein vergleichbarer Neubau. Ein derartiger Rückbau könne jedoch bei der Bekämpfung des Wohnungsleerstandes nicht so einfach auf andere Städte übertragen werden. "Hier hat es sich deswegen rentiert, weil die Fertigteile an Ort und Stelle wieder verbaut wurden und lange Transportwege weggefallen sind", sagt Hartmut Meyer. Außerdem würden die Stadtvillen eine gute städtebauliche Verbindung zwischen den stehen gebliebenen Hochhäusern und der angrenzenden Einfamilienhaussiedlung bilden.Die Hochhäuser in der Theodor-Storm-Straße gehören der städtischen Wohnungsbaugenossenschaft GWG. "Immer mehr Menschen ziehen hier weg, immer mehr Wohnungen stehen leer. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen", sagt Antje Schrader von der GWG. In zwei Elfgeschossern wurden bei der Sanierung die Wohnungsgrundrisse so geändert, dass aus den ursprünglich 54 Wohnungen pro Haus 44 geworden sind. Jede dieser Wohnungen ist mittlerweile vermietet. Aus dem dritten Hochhaus entstanden die fünf Stadtvillen. "Insgesamt 1,75 Millionen Euro hat uns allein der Umbau des dritten Gebäudes gekostet, die Hälfte davon kam vom Land", sagt Antje Schrader. Nur das Umfeld der Häuser sieht noch ein wenig wie Baustelle aus. "Mit dem Bepflanzen sind wir noch nicht fertig, aber es kann hier sofort eingezogen werden." Die Wohnungen in den Stadtvillen sind äußerst begehrt. 60 Familien haben sich darum beworben. Elf der 13 Wohnungen sind bereits vermietet. "In der kommenden Woche gibt es mit Sicherheit auch für die letzten zwei Wohnungen Mietverträge", sagt Antje Schrader.Auch bei Anwohnern der Straße kommen die neuen Häuschen gut an. "Ich bin froh, dass dieser riesige Klotz vor meiner Nase endlich weg ist", sagt Siegfried Becker. Er wohnt in seinem Einfamilienhaus am Rande des Neubaugebietes. Jahrelang habe er sich nur über den grauen Betonklotz dirket vor seinem Garten geärgert. "Jetzt wird das hier doch noch eine schöne Wohngegend", sagt der 59-Jährige.Seit 1968 in der GenossenschaftErika Schrödter und ihr Mann hatten gleich nach Baubeginn Interesse an einer der Wohnungen in den fünf kleinen neuen Häusern signalisiert. Ihre Chancen standen schon darum gut, weil sie seit 1968 Mitglied in der Wohnungsbaugenossenschaft sind. "Das wird jetzt unsere vierte Wohnung von der GWG", sagt sie. Ausziehen wolle sie aus diesem schmucken Haus nun aber nicht mehr.Die Möbel für die neue Drei-Raum-Wohnung hat die Gastwirtin schon bestellt. "Jetzt brauchen wir nur noch die Schlüssel", sagte sie. Die will Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) am heutigen Sonnabend übergeben. Dann können die Schrödters endlich umziehen - vom fünften Geschoss eines elfstöckigen Plattenbaus in das Häuschen aus der Platte.Von der Plattensiedlung zum Villenvorort // Neubaugebiet: Im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf-Madlow baute die DDR ab 1975 Wohnungen für rund 40000 Menschen. Zur Wende wohnten hier noch rund 30 000 Menschen, heute sind es noch 24 000 - Tendenz fallend.Projekt: Jede zehnte Plattenwohnung steht leer. Daher begann im Juni 2001 ein Pilotprojekt zum Umbau von Plattenbauten. Aus einem Elfgeschosser entstanden vier Stadtvillen und ein Einfamilienhaus - 13 Wohnungen.Finanzierung. Die Kosten für den Rück- und Umbau von 1,8 Millionen Euro (3,5 Millionen Mark) wurde zur Hälfte vom Land mitfinanziert.DPA/JÜRGEN KAFFKA Baukasten: Neben sanierten Hochhäusern stehen Stadtvillen, die aus alten Platten montiert wurden.