Die meisten Mieter bundeseigener Wohnungen, die Angst vor der Privatisierung ihrer Häuser haben, können vorerst aufatmen. Der Bund will das Gros seiner 7 000 Wohnungen in Berlin nun doch nicht wie geplant bis zum Jahr 2012 verkaufen, sondern "bis auf weiteres" behalten. Das sagte Helmut John, Verkaufsleiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der Berliner Zeitung."Die Mieteinnahmen sind nicht zu verachten, deshalb wollen wir die Wohnungen möglichst lange behalten", sagte John. Verkaufen will der Bund künftig nur noch frei werdende Einfamilienhäuser. Zu den vorerst letzten Wohnungen, die noch verkauft werden, gehören eine Siedlung am Kladower Damm in Spandau und eine Wohnanlage in der Rudolf-Seiffert-Straße in Lichtenberg. Sie sollen noch in diesem Jahr einen neuen Besitzer erhalten. Der Verkauf eines Wohn- und Geschäftshauses an der Friedrich-/ Ecke Mohrenstraße in Mitte ist bereits so gut wie perfekt.Im vergangenen Jahr hat die Bima ihr Ziel, aus dem Verkauf bundeseigener Immobilien in Berlin 110 Millionen Euro einzunehmen, mal wieder übertroffen. "Wir haben 2007 für 137 Millionen Euro Liegenschaften verkauft", sagte Helmut John. Dazu gehört ein Wohnhaus in der Podbielskiallee in Dahlem, in dem sich früher die Sendestation des US-Senders AFN befand. Aber auch die Siedlung der französischen Schutzmacht Cité Joffre in Wedding mit mehr als 300 Wohnungen sowie Teile der Cité Guynemer nördlich des Flughafens Tegel wechselten den Besitzer.Zu den Käufern gehören nicht nur deutsche Unternehmen, sondern auch viele ausländische Investoren. Vor allem Dänen und Investoren aus anderen skandinavischen Ländern, aber auch Spanier und Holländer, sagte John. Sie decken sich in der deutschen Hauptstadt mit Immobilien ein, weil die Preise hier im Vergleich zu anderen Hauptstädten Europas niedrig sind. Doch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt macht sich auch in Berlin bemerkbar. Das Kaufinteresse sei zwar nicht zurückgegangen, sagte John. Doch die Interessenten wollten vor einem Kauf jetzt sehr viel mehr über die Immobilien wissen als früher. "Bis hin zum Alter der Mieter", so John. Zu den Käufern gehören dabei keineswegs nur große Unternehmen. Am Spittelmarkt sei ein freies Baugrundstück an der Beuth-/Ecke Kommandantenstraße beispielsweise an einen holländischen Kapitalanleger verkauft worden.In diesem Jahr stehen die größten Verkäufe gleich im ersten Quartal an. So will die Bima dann für das 50 000 Quadratmeter große Areal Truman Plaza an der Dahlemer Clayallee den Kaufvertrag abschließen. Auf der Fläche, auf der bisher das deutsch-amerikanische Volksfest stattfand, sollen später im rückwärtigen Teil Einfamilienhäuser entstehen, im vorderen Bereich sind Geschäfte und Arztpraxen geplant. Auch ein Fitnessstudio könne entstehen, sagte John.In Kreuzberg offeriert die Bima mehr als 3 000 Quadratmeter freie Bauflächen an der Neuenburger Straße und an der Alten Jakobstraße. Neben der Columbia-Halle am Columbiadamm soll zudem eine weitere Fläche zum Verkauf ausgeschrieben werden. Zurzeit werde gerade das Exposé erarbeitet, sagte John. Zu welchem Preis der Bundesanteil am Flughafen Tempelhof durch das Land Berlin erworben wird, wie es der Senat und die Bundesregierung vereinbart haben, ist indes noch offen. Zunächst muss ein Gutachter den Wert ermitteln.------------------------------Viele Flächen für HäuslebauerDer Bund besitzt vor allem in den Bezirken Spandau, Reinickendorf und Lichtenberg etliche freie Baugrundstücke, die für die Errichtung von Einfamilienhäusern geeignet sind.In Spandau befindet sich das größte Wohnungsbauprojekt des Bundes in Berlin - in der Landstadt Gatow. Geplant ist, dass dort etwa 1 200 Familien ein neues Zuhause in Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern finden. 60 Prozent der Flächen nördlich des Ritterfelddamms sind bereits bebaut. Für die übrigen 40 Prozent der Bauflächen ist die Nachfrage groß. Ein Teil ist bereits für Häuslebauer reserviert.Die Preise für die voll erschlossenen Baugrundstücke in Gatow bewegen sich zwischen 170 und 195 Euro pro Quadratmeter. Da der Bund keine Provision verlangt, können Häuslebauer bei einem Erwerb der Grundstücke aus Bundeseigentum viel Geld sparen. Teurer wird es für diejenigen, die von einem Bauträger kaufen.Außerhalb Spandaus bietet der Bund freie Einfamilienhaus-Baugrundstücke im Jahr 2008 am Kiefheider Weg in Reinickendorf und in der Waldowallee in Lichtenberg an.------------------------------Grafik: DIE ANGEBOTEFoto: Cité Joffre in Wedding. Die ehemalige französische Wohnsiedlung wurde im Jahr 2007 komplett verkauft.Foto: Cité Guynemer nördlich des Flughafens Tegel. Teile der ehemaligen französischen Siedlung wurden 2007 verkauft.Foto: Beuth-/Ecke Kommandantenstraße in Mitte. Das Baugrundstück erwarb ein Holländer im Jahr 2007.Foto: Ehemalige AFN-Sendestation in der Podbielskiallee in Dahlem. Das Wohnhaus wurde 2007 verkauft.Foto: Truman Plaza in der Clayallee 169-171 in Dahlem. Der Verkauf des Grundstücks soll im ersten Quartal erfolgen.Foto: Wohn- und Geschäftshaus in der Friedrich-/Ecke Mohrenstraße in Mitte. Der Verkauf ist so gut wie perfekt.