Aufgeregt hastet Gänse-Schlunzke (Andreas Schmidt) durch das brandenburgische Dörfchen Schönhorst. Ausgerechnet am Tag vor Weihnachten sind ihm Gänse gestohlen worden - ein Fall für Dorfpolizist Krause. Doch Horst Krause, gespielt von Horst Krause, lässt sich nicht in der Mittagspause stören, schon gar nicht bei diesem opulenten Mahl. Er genießt den Hirschgulasch, den ihm seine Schwestern Elsa (Carmen Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger) im "Gasthof Krause" nach Mutters Rezept zubereitet haben.Mit dem ARD-Weihnachtsfilm "Krauses Fest" hat der RBB seinem verdienten und populären "Polizeiruf"-Akteur Horst Krause, der in den letzten zehn Jahren schon drei Kommissarinnen treue Dienste geleistet hat, eine Hauptrolle und einen Ausflug ins Private gegönnt. Das heißt, eigentlich spielt Horst Krause auch in den "Polizeiruf"-Krimis immer eine Hauptrolle - findet jedenfalls Horst Krause. "Krause ist doch keine Nebenfigur!" stellt er im Gespräch energisch klar. "Er gehört zum Team und ist genauso wichtig wie die Kommissarin!" In "Krauses Fest" nun ist Horst Krause die klare Autorität im Dorf. "Ich bin nicht bei der Polizei, ich bin die Polizei!" betont der gestrenge Polizeihauptmeister im Film.Gern der komische TypEgal ob nun Haupt- oder Nebenrolle - Horst Krause fällt auf. Der massige Schauspieler, der sich Anfang der neunziger Jahre nach über 25 Jahren an den Theatern in der DDR ganz auf die Arbeit für Kino und Fernsehen konzentrierte, wird gern als komischer oder bärbeißiger Typ besetzt. Dabei überzeugte Horst Krause auch mit Charakterrollen in Kinofilmen, von Detlev Bucks "Wir können auch anders" bis zu Michael Schorrs Tragikomödie "Schultze Gets The Blues" (der Montagnacht nochmal im ZDF lief). Eine tragende Rolle spielte er auch in der ZDF-Krimiserie "Der Schnapper", die nach zwei Folgen ohne Begründung eingestellt wurde, "ohne mit mir zu reden", wie Krause bedauert.Die populärste Rolle Horst Krauses aber ist der Dorfpolizist Horst Krause im "Polizeiruf 110". Obwohl der Rollenname Horst Krause die Annahme nahe legt, hier würde einer Privates und Fiktives vermischen, betont der Schauspieler die Distanz zur Figur: "Die Rolle des Dorfpolizisten ist eine Erfindung von Bernd Böhlich." Der Autor und Regisseur, der auch mit "Krauses Fest" ein eigenes Drehbuch in Szene setzte, kennt seinen Krause einfach am besten: "Er weiß genau, wie er mich einzusetzen hat. Ihm muss ich auch nicht erklären, dass ich Trompete spielen kann."Die Besetzung von Carmen Maja Antoni und Angelika Böttiger als Krauses ältere Schwestern geht auf eine Anregung Horst Krauses zurück: "Mit den beiden wollte ich schon immer mal spielen." Wie in "Krauses Fest" drei Geschwister miteinander umgehen, das habe ihm Spaß gemacht: "Die drei Krauses sind auch mit über 60 Jahren noch neugierig aufeinander!" Überhaupt zeige der Film eine besondere Art des Zu-Hause-Seins, wie man es im Fernsehen kaum noch sehen könne.Der ARD-Weihnachtsfilm setzt dabei nicht auf eine besonders dramatische Geschichte, sondern zeichnet mit viel Liebe ein Panoptikum kauziger Dörfler, die sich über die Feiertage einmal Zeit für ihre Gefühle lassen. Sogar Polizeihauptmeister Krause entdeckt ungewohnte Emotionen an sich: Er verschont den Hasen, der eigentlich als Festtagsbraten enden sollte, tanzt am Heiligabend einen innigen Walzer mit einer gestrandeten Mutter (Gabriela Maria Schmeide) und findet im fernen Berlin schließlich sogar seine Jugendliebe wieder. Doch Krause als Romantiker, das will Horst Krause nicht gelten lassen, gesteht nur zu: "Vielleicht zeigt er ein paar romantische Züge."Ein erklärter Genuss-Mensch, ein Genießer aber ist Horst Krause genauso wie seine Filmfigur. Er schwärmt darüber, wie er sich selbst bekocht: "Ich koche nicht nach Kochbuch, sondern danach, was meine Geschmacksnerven mir vorschlagen." Dazu kann er sich ganz furchtbar darüber aufregen, wenn jemand etwas an seinen Mahlzeiten auszusetzen hat, obwohl man sich absolut nicht vorstellen kann, dass jemand in seiner Gegenwart diesen Frevel begeht: "Am Essen anderer Leute zu mäkeln - so etwas finde ich unmöglich! Solchen Menschen fehlt jeder Respekt! Mir muss es doch schmecken - nicht den anderen!"Den rustikalen "Gasthof Krause" würde Krause gern weiter mit Carmen Maja Antoni und Angelika Böttiger als eine Art Weihnachtstradition betreiben. Doch über die Fortsetzung des Weihnachtsfilms wird erst im nächsten Jahr entschieden. In künftigen "Polizeiruf"-Folgen werden die Schwestern und der Gasthof allenfalls am Rande auftauchen: "Vielleicht bringen sie ihm mal das Essen vorbei", hofft Krause. Dass der Hauptmeister in zwei Jahren schon in Pension geht, wie in "Krauses Fest" angedeutet, davon will Horst Krause aber nichts wissen: "Mir sieht man doch mein Alter nicht an." Gestern feierte er übrigens seinen 66. Geburtstag - und am Sonnabend widmet ihm der RBB einen "Fernsehabend".Krauses Fest, 20.15 Uhr, ARD, Wiederholung am Sa., 22.15 Uhr, RBB------------------------------Seit elf Jahren beim "Polizeiruf"Horst Krause wurde am 18. Dezember 1941 als Sohn einer Bauernfamilie in Westpreußen geboren. Er machte eine Lehre als Dreher und arbeitete bei den Brandenburger Traktorenwerken. Dort ermutige ihn ein Kollege, sein schauspielerisches Talent auf der Bühne zu erproben. Nach der Schauspielschule erhielt Krause 1984 ein Engagement am Dresdner Staatstheater, dem er auch nach der Wende bis 1994 treu blieb.1996 spielte er in der Krimireihe "Polizeiruf 110" erstmals den Dorfpolizisten Krause.Darüber hinaus war und ist Horst Krause in mehreren Filmen und Serien zu sehen. Mal nicht als kauziger, aber immer herzensguter Mensch war er etwa 1996 in Sönke Wortmanns "Charleys Tante" und im selben Jahr in "Das Mädchen Rosemarie" zu bestaunen.------------------------------Foto: Dorfpolizist Horst Krause, gespielt von Horst Krause, mit einem Schneemann, gespielt von einem Schneemann.