Immer mehr deutsche Rentner ziehen nach Südspanien. Wer will, dass sich sonst nicht viel ändert, geht nach Torrox: Die Klimawechsler

Als Gerd Kling die Schweißtropfen spürt, die seinen Bauch hinunter Richtung Badehose laufen, denkt er, dass es heute so weit sein könnte. Heinz war schließlich auch schon drin. "Heinz, wie ist das Wasser?", ruft Gerd Kling rüber zu der Liege ein paar Meter weiter. "So 18 Grad", ruft Heinz zurück. Kurz darauf legt Gerd Kling seinen Gameboy weg und Jutta Kling ihre Frauenzeitschrift. Sie gehen über den Strand zum Wasser und hinein ohne stehen zu bleiben. Später werden sie am Telefon nach Deutschland durchgeben, dass sie heute die Badesaison eröffnet haben. Ein bisschen spät dieses Jahr: Mitte März. Aber es war ein kalter Winter. Sie haben manchmal sogar die Heizung angemacht. Vor über zehn Jahren saß Gerd Kling in seinem Haus bei Köln und hatte Grund zu glauben, dass es ihm nie wieder richtig gut gehen würde. Zwei Hüftoperationen in einem Jahr, er ging an Krücken. Dann die Bronchien, oft bekam er kaum Luft. Gerd Kling war Ende 50. Er hatte vierzig Jahre gearbeitet, die meisten als Versicherungsvertreter, und er wollte eigentlich noch was haben vom Leben. In die Wärme, riet der Arzt. In der Lokalzeitung fanden die Klings Immobilienanzeigen, die für einen Ort namens Torrox warben, und für dessen gesundes Klima. Sie beschlossen, die Sache zu beobachten. Jeden Tag guckten sie auf die Europa-Wetterkarte, und jeden Tag hatte der Streifen Land, auf dem Torrox lag, die gleiche Farbe wie Nordafrika. Mal rosa, mal dunkelrot, je nach Temperatur. Das Stück Land gehörte glücklicherweise nicht zu Afrika. Es gehörte zu Spanien, wo sie schon im Urlaub gewesen waren. Costa del Sol hieß die Gegend, Sonnenküste. Nach einem Jahr flog Jutta Kling hin. Als sie wiederkam, besaßen die Klings eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock, Meerblick, 65 000 Mark. "Einen deutschen Skat-Klub gibt es da auch", berichtete Jutta Kling.In dem spielt ihr Mann jeden Montag und Donnerstag, seit Jahren schon. Deutschland ist jetzt das Land, das auf der Wetterkarte oft in Blau getaucht ist, oder in Hellblau, wenn es richtig kalt ist. Nach Deutschland fahren Klings nur noch auf Besuch. Sie leben in Torrox-Costa, einem Ort, den es vor dreißig Jahren noch gar nicht gab. Anfang der 70er-Jahre kaufte der Bremer Unternehmer Hoffmann einen eineinhalb Kilometer langen Küstenstreifen. Vorne dunkelgrauer Lavasand, hinten Gestrüpp. An dessen Stelle setzte Hoffmann lang gezogene Wohnblöcke, jeder neun Stockwerke hoch. Dann schaltete er Anzeigen in deutschen Zeitungen: Wer kaufte, flog umsonst. Es funktionierte. Den Deutschen ging es gut, sie konnten sich immer mehr leisten, warum nicht auch einen Platz an der Sonne. Torrox-Costa wuchs, die Wohnungen wurden immer teurer, nur so hoch wie am Anfang baute man nicht mehr. Es heißt, dass es der größte deutsche Ort außerhalb Deutschlands ist. Inzwischen haben hier etwa 7 000 Deutsche eine Wohnung oder ein Haus. Die meisten sind Rentner. Die in den 70ern gekauft haben, sind alt geworden, und die neu kaufen, sind es meist auch. Vielleicht liegt es am Ruf. Wer nur ein paar Kilometer außerhalb wohnt, spricht vom Rentnerghetto. Viele verbringen den Winter hier und den Sommer in Deutschland. Und viele sagen, dass sie das tun, obwohl sie das ganze Jahr bleiben. Dann müsste man sich nämlich melden, aber das machen die meisten nicht. Sie fürchten, dass es weniger Rente gäbe und wissen nicht, dass das nur in besonderen Fällen so wäre. Man glaubt den Gerüchten. Auch die Klings haben ihren Wohnsitz offiziell in Deutschland, weshalb sie ihren richtigen Namen lieber nicht geschrieben sehen möchten. Vielleicht wird es Pensionäre wie diese nur einmal geben. Die vor ihnen kamen noch nicht auf die Idee, sich allein in ein Land im Süden aufzumachen, um dort nichts zu tun. Die nach ihnen werden das Gefühl vielleicht nicht kennen, dass man sich nach einem Leben voller Arbeit etwas gönnen will. Weil es in ihrem Leben nicht diese Art von Arbeit gegeben haben wird, Tag für Tag, beim gleichen Betrieb, jahrzehntelang. Und nicht die Gewissheit, dass der Staat danach für sie sorgen wird. Die Rentner in Torrox waren zu einer Zeit jung, als eine Urlaubsreise etwas Besonderes war, und braun gebrannt zurückzukommen auch. Geblieben zu sein scheint die Idee, dass das Leben besser wird, wenn viel Sonne drauf scheint.Und stimmt das?In Deutschland würde ich ja gar nicht mehr leben, sagt Herr Kling, da würde ich die Radieschen schon von unten sehen.Wird es nie langweilig, immer Sonne, immer Strand?Die Frage ist doch, hätte man woanders mehr Abwechslung?Frau Kling zählt auf: Tennis, Wandern, Skat, die Kaffeekränzchen. Die Eigentümerversammlungen, wo es immer was zu diskutieren gibt - gerade findet das halbe Haus, dass die spanische Hausmeisterin zu viel verdient. Wo soll da die Langeweile sein? Manchmal will Frau Kling nur kurz was erledigen und kommt erst Stunden später zurück. Weil man so viele Bekannte trifft. Deutsche. Mit Spaniern haben Klings so rein privat nichts zu tun. Ganz am Anfang wollten sie mal Spanisch lernen. "Aber damit kann man hier nichts anfangen", sagt Gerd Kling. Wenn sie im Restaurant auf Spanisch bestellen wollten, hat der Kellner auf Deutsch geantwortet. Da sind sie nicht mehr in den Sprachkurs gegangen. Jutta Kling legt ihre Hand auf die braune Haut oberhalb ihres Badeanzugs. "Fassen Sie mal an, wie heiß das ist" sagt sie. Herr Kling verkündet, dass es hinter dem Windschutz über 30 Grad sind, er hat es gemessen. 30 Grad, im März. Beide klingen fast stolz.Denken sie manchmal daran, dass die deutsche Wirtschaft das Geld auch gut brauchen könnte, das sie hier ausgeben?Die Gesundheit geht vor, sagt Herr Kling.Damals, als sie hier ankamen, humpelte er immer mit seinen Krücken ins Wasser. Er ließ sie los, seine Frau watete hinterher und sammelte sie ein. 14 Monate ging das. Dann brauchte er die Krücken nicht mehr. Dreimal die Woche spielt er Tennis, sein Partner ist 82 Jahre alt. "Was meinen Sie, warum in Miami auch lauter Rentner wohnen?" fragt Gerd Kling. "Gleiche Klimazone."Ein Spaziergang entlang der Strandpromenade ist wie ein Ausflug in eine Vision dessen, was die Deutschen in fünfzig Jahren sein werden. Es gibt kaum Junge, und die Alten sehen aus, als könnte es noch sehr lange so weitergehen. Über ihren Bäuchen wehen bunte Hemden, manchmal sind da auch nur die Bäuche. Aus kurzen Hosen gucken Beine. Früher haben sie die Sachen im Urlaub getragen. Jetzt, wo der Urlaub ihr Alltag ist, haben sie sie einfach angelassen. Ab und zu fährt ein Rollstuhl vorbei, oder jemand schiebt sich mit einem Geh-Wagen voran, aber das müssen die sein, die noch nicht lange hier sind. Die die Geschichte ihrer Genesung noch nicht erzählen können. Wie alle anderen. Die Geschichten handeln wahlweise von Lungen, durch die keine Luft mehr wollte, von Muskeln, die schmerzten, von Knochen, die brüchig waren. Wenn doch einmal jemand von einem Todesfall in der Nachbarschaft berichtet, dann, weil sogar jener Tod gewissermaßen ein Triumph war: da er Jahre nach dem vom Arzt in Deutschland vorhergesagten Zeitpunkt eintrat. Vielleicht brauchen sie die Geschichten, weil sie ihnen das Recht geben, hier zu sein. Denn manchmal werden Erklärungen nötig. Manchmal passieren Dinge, und dann muss man vor sich selbst ganz schnell einen guten Grund parat haben, warum man sein Leben in Deutschland gegen eine Statistik eingetauscht hat: 320 Sonnentage im Jahr. Weil sonst die Zweifel kommen.Am Balkon über Karin und Adolf Buchwalds Erdgeschosswohnung hängt ein Plakat. "Die Eigentümer wollen nicht auf Mauern schauen", auf Deutsch und Spanisch steht das da. Karin Buchwald hat vor ein paar Wochen organisiert, dass alle Plakate malen, deren winzige Gärten an der neuen Baustelle enden. Dann hat sie den Reporter der Costa del Sol Nachrichten, der deutschsprachigen Wochenzeitung, angerufen. Der Protest kam groß mit Foto. Sie ist so, sie muss was tun. Auch wenn es den spanischen Bauarbeitern egal sein dürfte, was die Deutschen aus ihren Fenstern hängen. Adolf Buchwald beobachtet eher schweigend die Dinge, bis sich sein Urteil in einem Satz entlädt. "Die Deutschen sind zum Zahlen gut, zu sagen haben sie nichts", das wäre so sein Resumee. Es klingt mehr hilflos als wütend, vielleicht liegt es an seinem Schwäbisch.Wieder wird eine Lücke zugebaut, nicht Neues in Torrox, doch diese befindet sich zwischen den Buchwalds und ihrem Blick aufs Meer. Die Baggerspuren führen direkt an der Terrasse vorbei, auf der Frau Buchwald jetzt Rosinenschnecken und Kaffee serviert. Wenn es schlimm kommt, nehmen ihnen die neuen Häuser nicht nur die Sonne. Sondern auch die Kraft, die Fragen in Schach zu halten. Ob alles richtig war. Ob es zum Beispiel richtig war zu gehen, obwohl die vier Kinder dagegen waren. Sollen eure Enkel keine Großeltern haben, haben sie gesagt. "Es ist unsere Entscheidung, wir müssen für uns selbst sorgen", hat Karin Buchwald geantwortet. Es gibt jetzt nicht viel Kontakt zwischen den Buchwalds in Torrox und den vier erwachsenen Kindern im Schwäbischen. Dann die Sorge, ob man mit über 60 Jahren in einem Land leben sollte, in dem man sich davor fürchtet, krank zu werden. Herr Buchwalds Osteoporose, die ihn in Deutschland arbeitsunfähig gemacht hat, ist hier besser, das Klima, aber wer weiß. Am meisten fürchtet er einen Herzinfarkt. "Bis hier der Krankenwagen kommt, ist man längst tot", weiß Herr Buchwald. Er kann von Fällen berichten, wie jeder hier. Wenn er es doch bis ins Krankenhaus schaffte, wäre er eben dann verloren. Ohne die Zettel mit spanischen Wörtern drauf, die seine Frau ihm schreibt, kann er sich hier nicht verständigen. Und es sei doch bekannt, dass die Patienten einfach liegen gelassen werden in spanischen Krankenhäusern, weil die Angehörigen das Füttern und Waschen schon übernehmen werden.Wie eine Festung sitzen die Häuser der Siedlung namens Torrox Park auf dem Hügel, und in gewisser Weise haben Karin und Adolf Buchwald hier Zuflucht genommen. Spanien reicht nur bis zu den Hecken, die die Häuser umgeben. Im Winter 1997 stellten sie in der kleinen Neubauwohnung ihre alte Schrankwand aus Göppingen auf und das geblümte Sofa, richteten die Satellitenschüssel auf deutsches Fernsehen aus und hatten ein neues Zuhause. An die Eingangstür hängten sie ein Keramikschild: "Karina und Adolfo", in geschwungener Schrift. In Torrox Park spricht man deutsch, man hilft sich mit Gelierzucker zum Marmeladeeinkochen aus, wenn der im deutschen Supermarkt wieder mal alle ist, und unterhält sich darüber, dass Aldi bald auch kommen soll, nach Lidl und Plus. Die kleine Rente reicht, auch darum sind die Buchwalds schließlich hergekommen. Im Monat brauchen sie nicht mehr als 500 Euro. Aus Deutschland kommen schlechte Nachrichten im Fernsehen, es schien ganz gut, weit weg zu sein. Sie haben sich eigentlich recht sicher gefühlt soweit.Es klingelt an der Tür. Ein Nachbar. Er sagt, dass Manfred mit dem Vorarbeiter der Baustelle geredet hat, und der hat gesagt, dass es natürlich eine Baugenehmigung gibt und dass weitergemacht wird. "In einen Bunker setz ich mich nicht", sagt Adolf Buchwald und schnauft vor Erregung. Aber wohin mit ihnen? In Deutschland haben sie nichts mehr, und in Spanien haben sich die Immobilienpreise verdoppelt in den letzten zehn Jahren.Die Buchwalds erzählen von ihrem gefährdeten Glück, und man bekommt den Eindruck, dass es vielleicht unklug war, es hier zu suchen. Dass es überhaupt eine seltsame Sache ist, was die meisten hier tun: in ein anderes Land gehen und wollen, dass alles bleibt, wie es war, und weiter Harzer Käse essen und die Bild-Zeitung lesen. Und dass all das doch irgendwie ein Fehler ist. Die vielen Häuser, die die Hügel überwuchern, bis kein Platz mehr frei ist. Die Skat-Klubs, die Bingo-Klubs, die Chöre, die Restaurants mit Namen "Alt Lüdenscheid" und "Zur Kupferglocke", der "Frischebäcker" und der deutsche Metzger Rommel hinten in Torre del Mar.An der Wand des Grill-Restaurants an der Hauptstraße hängt ein großes Foto. Man sieht ein Stück flache Meeresküste, an einem Hang klebt ein Dorf aus Häusern wie weiße Würfel, und ganz hinten schimmern die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. So sah es hier aus, bevor die Touristen kamen. Das Dorf ist das alte Torrox, Torrox Pueblo heißt es heute. Es ist eine schöne, sanfte Gegend, und das Bild wirkt ein wenig wie ein Vorwurf. Antonio, der Wirt, wiegt den Kopf und sagt, dass das mit den Deutschen zwei Seiten hat. Dass sie hier zufrieden werden sollen, wenn es nach ihm geht, sie haben gearbeitet, sie haben gespart, "es sind keine Superreichen, die hierher kommen", sagt er. Sie haben Geld gebracht und Arbeit, auch ihm. Das Restaurant hat er eröffnet, als er von dem Gemüse nicht mehr leben konnte, das auf seinen Feldern wächst. Seinen Vater und seinen Großvater haben diese Felder ernährt, und auch er bestellt sie noch. Aber verdienen können an Gemüse nur noch die Firmen mit Plantagen, groß wie Fußballfelder. An der Schule in Torrox Pueblo lernen die Kinder jetzt Deutsch.Schlimm sind die Deutschen, die durchblicken lassen, die Spanier hätten dankbar zu sein für das viele Geld, sagt Antonio. Er begegnet ihnen fast nur in seinem Restaurant. Ihre Leben berühren sich nicht. Er wohnt im Dorf am Hang, wo die Alten den ganzen Tag auf den Bänken zusammensitzen, in ihren olivgrünen Pullovern und grauen Anzughosen, die Schiebermütze hoch auf dem Kopf. Diese Rentner fänden wahrscheinlich schon die Vorstellung seltsam, eine Badehose zu besitzen.Das alte Torrox am Hang, wo die Spanier leben, und das neue Torrox unten am Meer haben zusammen 12 000 Einwohner, 2 000 davon sind Deutsche. Es könnten noch viel mehr sein, wenn alle hier ihren Wohnsitz anmelden würden, die länger als ein halbes Jahr bleiben. Es täte dem Ort gut. Hätte er offiziell mehr Bewohner, gäbe es mehr Zuschüsse aus Madrid, für neue Straßen, die Müllabfuhr oder das Krankenhaus.Aber die Deutschen sind da vorsichtig. Sie fühlen sich besser, wenn ihr Name noch an irgendeinem Briefkasten in Deutschland klebt. Als ob keiner merken soll, dass sie nicht da waren, später einmal, wenn sie vom Staat mehr brauchen als die Rente. "Wenn's kritisch wird, sind wir weg", sagen Gerd und Jutta Kling. Deutschland verliert vielleicht seine Alten, seine Pflegebedürftigen bekommt es wieder.Es sei denn, das deutsche Pflegesystem folgt den Rentnern. Ein paar Kilometer von Torrox entfernt hat das erste Altersheim unter deutscher Führung an der Costa del Sol eröffnet. In Gegenwart von Ruth Deninger ist allerdings allenfalls die Bezeichnung Seniorenresidenz vorstellbar. Ruth Deninger steht sehr aufrecht, reicht die Wange zur Begrüßung, und der kleine spitznasige Hund auf ihrem Arm dekoriert sie mindestens ebenso wie der rote Lippenstift. Seit zehn Jahren lebt sie in Spanien, seit einem Jahr hier im Haus "Costa Tropical". Eine Vorsichtsmaßnahme: In den Frühsommermonaten wurde ihr immer Angst in ihrem Apartmenthaus an der Strandpromenade. Die deutschen Überwinterer weg, die spanischen Urlauber noch nicht da. Eine bald 80-jährige Frau in einem fast leeren Haus - sie beschloss umzuziehen.Zurück nach Deutschland? Da gibt es nur die Erinnerungen an ihren toten Mann und draußen zu viel von dieser Dunkelheit, die sich ihr schwer auf die Seele legt. Deswegen war sie ja weggegangen, zuerst monatsweise mit der Freundin, dann allein, das ganze Jahr.In ihrer kleinen Wohnung hier in Spanien leuchtet alles im Licht, der rosa Samtbezug der Biedermeier-Stühle, der Kristalllüster aus dem Haus in Freiburg und das Gemälde, auf dem eine schöne junge Frau stolz den Kopf zurückwirft. Als sie so gemalt wurde, glaubte Ruth Deninger den Satz ihrer Mutter schon nicht mehr, dass, wer sich in Gefahr begibt, darin umkommt, und sie hat einfach Schauspielerin gelernt. Der Mut hat sie danach nicht mehr verlassen, und schließlich hat er sie nach Spanien gebracht. Darum mag sie auch die anderen Bewohner hier: "Das sind Menschen, die rechtzeitig selbst entscheiden wollten, wie es mit ihnen weitergehen soll", sagt Ruth DeningerBang ist ihr vor dem Tag, an dem sie ein Bett oben in der Pflegestation brauchen könnte, wo die liegen, die allein nicht mehr zurechtkommen. Die Versicherung in Deutschland zahlt die stationäre Pflege im Ausland nicht. Das Johanneswerk, Betreiber des Hauses, will für eine Gesetzesänderung kämpfen, bald könnte es einen Musterprozess geben. Man sieht einen Markt in Spanien. Das nächste Altersheim ist in Planung.Das Hündchen von Frau Deninger rast um den Swimming Pool, das Wasser glitzert. Nach dem Mittagessen wird sie den Badeanzug aus dem Schrank holen und sich am Beckenrand drapieren.In Torrox klappt Herr Kling die Liege zusammen. Im Sportkanal kommt ein Fußballspiel. Der Strand ist morgen auch noch da.------------------------------Foto (5): "In Deutschland hielt mich nichts mehr." Ruth Deninger lebt jetzt in einer Seniorenresidenz an der Costa del Sol.Es wird weitergebaut: Torrox bei Nacht."Hätte man woanders mehr Abwechslung?". Jutta und Gerd Kling sind vor über zehn Jahren nach Torrox gezogen. Am Strand sind sie fast jeden Tag."Junge, komm bald wieder, bald wieder nach Haus". Deutsches Liedgut unter Palmen: Der Shanty-Chor von Torrox."Zu sagen haben die Deutschen hier nichts". Karin und Adolf Buchwald haben eine Wohnung mit Meerblick gekauft. Der wird wohl bald zugebaut.