Immer mehr Menschen feiern ihren hundertsten Geburtstag – doch wie sieht ihr Leben in diesem hohen Alter aus? Erstaunliche Antworten darauf gaben nun Heidelberger Forscher: Die Hundertjährigen sind heute fitter als noch vor wenigen Jahren. Die meisten von ihnen wollen noch lange weiter leben und verspüren keinerlei Todessehnsucht. Rosarot malen die Wissenschaftler das Leben im hohen Alter aber keineswegs. Denn meist leiden die Hundertjährigen gleich unter mehreren Erkrankungen. Oft werden sie deshalb von ihren Kindern unterstützt. Doch die Frage, wer sich in Zukunft um immer mehr alte Menschen kümmert, zählt zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

„Es ist nicht so, dass die heute Hundertjährigen kränker sind“, sagte Studienleiterin Daniela Jopp am Freitag bei der Vorstellung der Untersuchung in Heidelberg. Das Gegenteil sei der Fall. So sind laut der Studie unter den Hundertjährigen im Südwesten, deren Leben die Forscher genauer untersuchten, heute mehr Menschen als zehn Jahre zuvor in der Lage, selbstständig zu essen, Mahlzeiten zuzubereiten oder Geldangelegenheiten zu regeln. Etwa jeder zweite Hundertjährige (52 Prozent) zeigt zudem keine oder nur geringe geistige Einschränkungen. Zehn Jahre zuvor waren es nur 41 Prozent gewesen.

Alles andere als kerngesund

Dies ist umso erstaunlicher, weil die Zahl der Hundertjährigen rasant ansteigt. Während im Jahr 2000 nur rund 6000 Menschen in Deutschland hundert Jahre und älter waren, waren es zehn Jahre später schon 13000. Entgegen so mancher Befürchtungen kamen die Heidelberger Forscher aber zu dem Schluss: „Dass mehr Menschen das Alter von 100 erreichen, hat nicht zur Folge, dass diese Menschen stärker eingeschränkt sind.“ Deutlich mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Hundertjährigen wohnt in einem Privathaushalt. Immer mehr alte Menschen leben sogar allein.

Allerdings sind die Hundertjährigen alles andere als kerngesund. In der Heidelberger Studie gab es niemanden, der unter keiner Krankheit litt. Im Durchschnitt hatten sie vielmehr vier Erkrankungen. Fast alle (88 Prozent) litten unter Seh- oder Höreinbußen, rund zwei Drittel (67 Prozent) hatten gesundheitliche Probleme wegen eines Sturzes.

Diese Einschränkungen mindern aber keineswegs zwangsweise den Lebensmut. Mehr als 80 Prozent der Hundertjährigen sind mit ihrem Leben zufrieden. Der eigene Tod ist für die Hochbetagten zwar kein Tabuthema, aber mehr als die Hälfte (53 Prozent) von ihnen berichtet von Zielen und Plänen für die Zukunft. Fast drei Viertel (72 Prozent) wünschen sich, weiter zu leben und spüren keinerlei Todessehnsucht. Nur zehn Prozent der Hundertjährigen äußern den Wunsch zu sterben. (AFP)