Wenn der Drucker, der rund 50 Euro gekostet hat, nur noch blasse Farben und unlesbare Wörter ausspuckt, ist eine neue Druckerpatrone fällig. Doch beim Kauf einer solchen lässt die Freude über das vermeintlich günstige Gerät oft schlagartig nach. Denn gegen Druckertinte sind erlesene Weine, Luxusparfüm oder Champagner ein Schnäppchen: Die Tinte gehört zu den weltweit teuersten Flüssigkeiten, sie kostet durchschnittlich 1 700 Euro pro Liter. Preise von 45 Euro für eine Patrone sind keine Seltenheit."Wir haben festgestellt: Je preiswerter der Drucker ist, desto teurer sind die Patronen", sagt Jenny Braune, Produkttesterin bei der Stiftung Warentest. Doch es gibt Alternativen zu den überteuerten Patronen. In Berlin öffnen immer mehr Läden, die sich auf billigere Druckertinte spezialisiert haben. Sie verkaufen preiswerte Konkurrenzprodukte oder füllen Tintenpatronen kostengünstig wieder auf.Michael Raetsch und Norbert Kirste betreiben seit einem Jahr den Laden Kieztinte in Neukölln. Der hat nachgebaute Patronen und so genannte Refills im Angebot. Kirste erklärt den Unterschied: "Bei Marken wie Epson oder Canon gibt es baugleiche Patronen anderer, billigerer Fabrikate. Hersteller wie HP und Lexmark haben den Druckkopf in die Patronen integriert und durch Patente schützen lassen. Diese Patronen darf man nicht nachbauen, man kann nur die Originale neu mit Tinte befüllen." Eine solche Refill-Patrone kostet ein Drittel bis die Hälfte weniger als das Original. Wenn man noch eine alte alte Patrone hat, kann man die für etwa zehn Euro wieder befüllen lassen, entweder mit Spritze oder per Maschine.Bis zu 90 Prozent kann man sparen, wenn man selbst Hand anlegt und seine leere Patrone mit speziellen Nachfüllsets, die die Läden verkaufen, wieder befüllt. "Da braucht man aber schon ein gewisses handwerkliches Geschick", sagt Uwe Jähsert, Inhaber des Ladens Tintentanker in Neukölln. Die Hersteller versuchten die Patronen so herzustellen, dass man sie nur schwer nachfüllen könne. Egal für welche Variante man sich entscheidet: "Die Garantie des Druckers erlischt in keinem Fall, auch wenn die Hersteller das behaupten", sagt Jenny Braune von der Stiftung Warentest. Deren Tests haben ergeben, dass die nachgebauten Patronen in vielen Fällen bei sehr viel günstigeren Preisen die gleiche Qualität liefern wie das Original. Vom Selbstbefüllen rät Braune aber eher ab.Norbert Kirste von Kieztinte und Ingo Schacht von der Kette Tintendiscounter beobachten, dass neben Privatleuten auch immer mehr Geschäftsleute die billigen Möglichkeiten nutzen. Denn auch für Laserdrucker gibt es inzwischen günstige Alternativen: Wiederaufbereitete Tonerkartuschen, bei denen Verschleißteile ausgewechselt und neuer Toner eingefüllt wurde. Die kosten teilweise nur ein Drittel des Originals. Bei Tonerkartuschen sollte man allerdings auf keine Fall selbst Hand anlegen. "Die Tonerpartikel sind krebserregend", sagt Ingo Schacht.------------------------------Tintentankstellen // Viele Schreibwarengeschäfte verkaufen neben den originalen Druckerpatronen, die oft ziemlich teuer sind, auch Konkurrenzprodukte anderer Firmen, beispielsweise von Pelikan oder Geha. Es gibt allerdings nicht für jeden Drucker die passende Alternative. Eine Reihe von Läden hat sich aber auf Billig-Tinte spezialisiert und bietet Lösungen für jeden Drucker an.Kieztinte: Neben Originalpatronen sind Nachbauten, Nachfüllsets und Tinte im Sortiment. Patronen werden auch vor Ort von Hand nachgefüllt.Harzer Straße 90, Neukölln. Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Sonnabend 9 bis 13 Uhr.Tintentanker: Verkauft kompatible Patronen für Epson-,Canon- und Xerox-Drucker und Refills für Lexmark und HP, außerdem Toner und Nachfüllsets. Gebrauchte Patronen kann man vor Ort auffüllen lassen. Sonnenallee 34, Neukölln. Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Sonnabend 10 bis 14 Uhr.Tintentankstelle Delta-Media-Store: Verkauft werden Nachfüllsets für Patronen gängiger Tintenstrahldrucker und Tinte in bis zu Fünf-Liter-Kanistern. Wer nicht selbst Hand anlegen will, kann seine leeren Patronen im Laden nachfüllen lassen. Utrechter Straße 45, Wedding. Montag bis Freitag 11-19 Uhr.Colorfant: Hier werden leere Tintenpatronen von HP und Lexmark mit einer speziellen Maschine wieder aufgefüllt. Außerdem sind kompatible Patronen und Tonerkartuschen im Angebot. Hauptstraße 51, Schöneberg. Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Sonnabend 11 bis 16 Uhr.Ladenketten: Eine Reihe von Franchiseketten mit mehreren Berliner Filialen befüllt Tintenpatronen neu, verkauft kompatible Patronen und Nachfüllsets. Sie sind in ganz Berlin zu finden.TiDiS-Tintendiscounter hat 18 Filialen in Berlin und fünf in Brandenburg. Sie sind mit Adresse und Öffnungszeiten zu finden unter http://mcink.de/Filialen/Filialen1.html.Office&Tinte betreibt elf Filialen in Berlin. Dort werden die Patronen mit speziellen Maschinen befüllt, vor Ort wird ein Testausdruck erstellt. Die Liste der Filialen gibt es unter www.druckkosten-senken.de/filialen.php.4 Colors hat vier Filialen in Schöneberg, Tempelhof, Wilmersdorf und Steglitz. Adressen und Öffnungszeiten unter www.4coloursberlin.de.Tintenstation hat zwei Läden in Berlin. Einer ist in der Schlossstraße 54 in Steglitz, der andere am Kaiserdamm 2 in Charlottenburg. Weitere Infos im Internet unter www.tintenstation.deRecycling: Wer seine leeren Tintenpatronen oder Tonerkartuschen zu Geld machen will, kann sich an Ecoprint wenden. Die Firma kauft leere Patronen und Kartuschen an und zahlt zwischen 20 Cent und 15 Euro pro Stück. Tonerkartuschen bringen in der Regel mehr Geld als Druckerpatronen. Bei größeren Mengen holt Ecoprint die Patronen auch vor Ort ab. Die Firma verkauft auch Nachfüllprodukte. Alt-Heiligensee 20, Reinickendorf, Montag bis Freitag 8.30 bis 16.30 Uhr. Telefon 030/43 72 05-0.------------------------------Foto: Michael Raetsch vom Laden Kieztinte führt Kunden vor, wie man Druckerpatronen mit einer Spritze selbst befüllt.