POTSDAM. Jäger haben es auch nicht immer leicht: Stundenlang hocken sie in der Dezemberkälte auf ihren Hochständen, um endlich ein Wildtier vor den Lauf zu bekommen. Doch viele Leute freuen sich später über den Festtagsbraten.Die scheuen Rehe, kräftigen Hirsche und Rudel von Wildschweinen laufen längst nicht mehr nur als freie Tiere durch die endlosen Wälder Brandenburgs. Sie sind zunehmend auch in speziellen Wildtiergehegen zu finden - um sie dort jederzeit problemlos erlegen zu können. Denn anders als in der freien Wildbahn gelten für die Gehege keinerlei saisonale Beschränkungen. "Sie sind eine gute, zukunftsfähige Nische für Landwirte", sagt Axel Behrendt, Chef des Landesverbandes landwirtschaftlicher Wildtierhaltung.130 Gehege landesweitEs begann vor einigen Jahren - in Zeiten niedrigster Lebensmittelpreise und geringer Einkünfte für die Bauern. Da fingen einige von ihnen an, ganze Waldstücke einzuzäunen und dort Waldtiere zu halten. Vor allem Familien mit Kindern schauen jetzt gern vorbei, um die Tiere zu beobachten. "Manche Besucher kommen aber einfach auch nur, um zu sehen, was sie später auf dem Teller haben", sagt Behrendt.Im Herbst ist die Hauptschlachtsaison - denn schon lange vor den Weihnachtsfeiertagen wächst die Nachfrage nach Wild. Wie in der freien Wildbahn werden die Tiere auch in den Gehegen geschossen. Würden die Tiere zusammengetrieben und dann geschlachtet, könnten die Tiere durch den Stress zu viel Adrenalin ausschütten - und das verdirbt den zarten Geschmack, wie er für den Wildbraten typisch ist.Bundesweit gibt es 5 000 solcher Gehege, in Bayern hat fast jeder Landwirt sein Wildareal von ein bis zwei Hektar Größe. "In Brandenburg fangen die Landwirte erst mit Gehegen von durchschnittlich zehn Hektar an", sagt Behrendt. "Je größer das Gehege, desto wirtschaftlicher ist der Betrieb." Derzeit gibt es in Brandenburg etwa 130 Gehege. Die Branche wächst jährlich um zehn Prozent - 1998 wurden nur 51 Gehege gezählt."Das Wildfleisch war das erste ökologische Produkt, noch bevor es diesen Begriff überhaupt gab", sagt Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD), der immer wieder die Notwendigkeit auch der herkömmlichen Jagd betont. Die sei wichtig für ein so extrem waldreiches Flächenland wie Brandenburg. "Wir haben teilweise zu hohe Bestände an Wild", sagt er. "Das führt zu Schäden bei anderen Tierbeständen und auch im Wald selbst." Deshalb müsse Wild geschossen werden. Der Jäger sorgt für ein Gleichgewicht in der Natur."Landesweit wird pro Jahr Wildbret im Wert von 6,8 Millionen Euro erzeugt", sagt der Minister. Das sei für das Land durchaus ein Wirtschaftsfaktor. Es kämen auch immer mehr Jäger aus anderen Bundesländern und dem Ausland zur Pirsch nach Brandenburg. Woidke schwärmt geradezu von Wild. "Es ist besonders gesund, hat wenig Fett, sehr wenig Cholesterin und viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren."Die Jäger wehren sich gegen manche Kritik von Umweltschützern. "Die Jagd dient auch dem direkten Schutz der Menschen", sagt Bernd Möller vom Landesjagdverband. Denn in Brandenburg ereignen sich pro Jahr 10 000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren - in anderen Bundesländern sind es nur 6 000 bis 8 000 "Wildunfälle". Die Gehegehaltung kann dieses Problem nicht lösen.Doch für Lokale ist das Halten von Wild in eingezäunten Arealen ein Gewinn. Denn wegen der Schonzeiten für die Tiere stockte immer wieder der Nachschub beispielsweise für Berliner Edelrestaurants. Bei Engpässen können nun die Gehegehalter liefern.Nicht an Billig-DiscounterAllerdings ist der Ertrag aus den Wildgehegen noch zu niedrig, um das Fleisch beispielsweise an Billig-Discounter zu verkaufen. Deshalb vermarkten die meisten Halter ihre Produkte im eigenen Hofladen und können so die Preise vergleichsweise niedrig halten. Ein Kilo Rehkeule kostet etwa 17 Euro. "Auf den Höfen ist die Nachfrage oft so groß, dass sie kaum gedeckt werden kann", sagt Behrendt. Immer wieder heißt es, dass frei lebendes Wild besser schmeckt als das aus den Gehegen. "Mancher Jäger vertritt diese Theorie", sagt er. "Aber sie stimmt nicht. Das kann jeder ausprobieren."Gerade in der Vorweihnachtszeit laufen die Geschäfte gut und die Halter nutzen das Interesse zur Werbung für ihre Produkte. Zwar isst jeder Bundesbürger 80 Kilo Fleisch pro Jahr, davon aber nur 800 Gramm Wild. "Wir hoffen, dass der Absatz weiter steigt", sagt Behrendt. Die Gehegehalter gehören zu den Gewinnern jeder Fleischkrise. "Egal, ob Rinderwahn, Vogelgrippe oder Schweinepest - nach jeder Schreckensmeldung steigt die Nachfrage nach Wild."------------------------------Der Braten zum FestJagderfolg: Im Jagdjahr 2006/2007 wurden in Brandenburg 66 900 Rehe und 43 360 Wildschweine geschossen, dazu kamen 12 330 kleine und 8 570 große Hirsche sowie 750 Stück Muffelwild.Angebot: Unter dem Motto Brandenburger Herbstpartie will der Verband "proagro" zusammen mit Landwirten, Gasthäusern und Gehegebetreibern die Berliner in der Vorweihnachtszeit aufs Land locken.Adressen: Festtagsbraten halten die Hofläden noch bereit - egal ob Wild, Gans, Ente, Silvesterkarpfen. Eine Übersichtskarte kann bestellt werden (Tel. 03328/337670).Hofläden: Die wichtigsten Wild-Hofläden sind in- Birkholz: Im Gut Hirschaue bei Beeskow leben 1 500 Wildtiere. Es gibt einen Hofladen und ein Restaurant. Angeboten werden Führungen durch Gehege. An der Hirschaue 2, 15848 Rietz-Neuendorf/Birkholz, T. 03366/26037.- Stolzenhain: Damwild-Direktvermarktung, Tobias Andra, An den Hufen 1, 04916 Stolzenhain, T. 0172/6056807- Falkensee: Hofladen Kruse, Dallgower Str. 1, 14624 Dallgow-Döberitz, Tel. 03322/22462- Schlieben: Wildspezialitäten aus dem Schliebener Land, Reiner Schülzke, Jagsal Nr. 33, 04936 Schlieben, Tel. 035361/80354 oder 0162/28011565.Weitere Infos unter: www.proagro.de------------------------------Foto: Abwechslung: Die Tiere im Gut Hirschaue bei Beeskow fressen nicht nur, was im Wald wächst. Sie werden auch gefüttert - in diesem Fall mit Kastanien.