Babywäsche, Bikinis und Schmuck liegen hübsch drapiert in einer Fischtheke. Ein seltsames Bild, das sich in dem Geschäft bietet, in dem es nicht mal eine Kasse gibt. Dabei gehen hier viele Kleidungsstücke über den Ladentisch. Aber im Klamottentauschladen (KTL) in der Markthalle an der Eisenbahnstraße in Kreuzberg fließt kein Geld, es wird getauscht. "Man liefert Kleidung ab, die man nicht mehr braucht und nimmt mit, was einem gefällt", sagt Nils Debler. Der 30-Jährige ist ein Multitalent. Er ist Tischler, Programmierer und arbeitet mit geistig Behinderten. Gemeinsam mit Gregor Kohle, einem 35-jährigen Ingenieur der Drucktechnik, hat er den KTL aufgebaut.Beide gehören zu Percy & Komplizen, einem zwölfköpfigen "Kollektiv für Ideenentfaltung". Neben dem KTL, den sie bereits im vergangenen Oktober in Friedrichshain ausprobiert haben und aktuell auch in Kiel betreiben, bieten sie Cross-Minigolf in Bremen und auf Musik- und Kleinkunstfestivals an. Den KTL haben sie eröffnet, um Menschen zu konsumkritischer Haltung anzuregen, wie sie sagen. "Bei uns herrscht Warenreichtum. Man muss also nicht immer neue Sachen kaufen, sondern kann auch tauschen", sagt Gregor Kohle. Unterstützt werden sie von zehn Helfern, die kostenlos im Laden arbeiten.Wer hier stöbert, ist nicht zwangsläufig bedürftig. Viele kommen, weil sie auf der Suche nach skurriler Kleidung sind. Eine Punkerin betrachtet gebrauchte Tanzschuhe, eine Muslima beäugt eine kurze Kuhhose mit angenähtem Schwanz, und ein kleiner Mann mit großem Bauch interessiert sich für einen gelben Pullunder. Der Umschlagplatz für gebrauchte Kleidung hat seit März geöffnet und wird am Sonnabend geschlossen. Denn die Markthalle befindet sich im Umbruch. Zuletzt wirkte sie verwaist und stand zum Verkauf. Ein großer Investor zeigte Interesse, aber statt eines schnöden Discountladens, werden hier künftig orientalische Bäcker und regionale Bauern mit ihren kleinen Ständen einziehen.Den KTL wird es nicht mehr geben, doch es bleiben in Berlin weitere Läden, die funktionstüchtige Gebrauchsgegenstände verschenken: 2001 entstand der erste Umsonstladen in einem besetzten Haus in der Brunnenstraße183. Nach der Räumung des Hauses 2009, wurde der Laden in der Kastanienallee86 wiedereröffnet. Ähnlich ist es dem Schenkladen in Friedrichshain ergangen: Er war in einem Ladengeschäft in der Scharnweberstraße beheimatet, wurde im März geräumt, ist dann in ein Hausprojekt in die Jessnerstraße 41 gezogen und feiert dort am Sonnabend Eröffnungsparty. Weitere Umsonstläden gibt es in der TU in Charlottenburg, im Kultur- und Bildungszentrum Weißensee sowie in der Kreuzkirche in Spandau.Aber wie finanzieren sich Läden, die keinen Umsatz machen, jedoch Fixkosten zu stemmen haben? Die Betreiber zahlen keine Miete, da sie entweder in besetzten Häusern untergekommen oder in Kulturzentren eingebettet sind. "Wir haben fast keine Unkosten und bekommen viele Spenden", sagt Gregor Kohle, während er eine neue Ladung Klamotten entgegennimmt.------------------------------Hier gibt's wasKlamottentauschladen: Markthalle IX, Eisenbahnstraße 42, Kreuzberg. www.ktl.blogger.deBerliner Umsonstladen: Kastanienallee 86, Prenzlauer Berg. http://berlinerladen.blogsport.de/Schenkladen: Jessnerstraße 41, Friedrichshain. http://systemfehler-berlin.de.vuUmsonstladen KuBiz: Bernkasteler Straße 78, Weißensee. http://kubiz-wallenberg.deUla - die erste Umsonstlädin der Welt: TU Berlin, Charlottenburg. http://ula.blogsport.deUmsonstladen Kreuzkirche (ULK): Zeppelinstraße 11, Spandau.------------------------------Foto: Er tauscht von Herzen gern: Gregor Kohle in seinem Umsonstladen in der Markthalle Eisenbahnstraße.