In Berlin sorgt ein besonderes Schiff für bessere Wasserqualität: Sauerstoff für den Landwehrkanal

Auf der "Rudolf Kloos" geht es auch im Sommer immer ein bisschen winterlich zu: Auf dem 27 Meter langen Schiff, das auf Berlins Gewässern unterwegs ist, herrscht täglich Frost. Dünne Metallrohre sind von einer weißen Eisschicht überzogen, und von den Leitungen steigt weißer Dampf auf. Verantwortlich für dieses Stück Winter mitten im Sommer ist ein großer Tank, der mit flüssigem Sauerstoff gefüllt ist - minus 196 Grad kalt.Eben jener Sauerstoff ist das Herzstück des Kahns - die "Rudolf Kloos" ist ein "Belüftungsschiff" und versorgt im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Flüsse und Kanäle der Stadt mit Sauerstoff. Denn das ist in Berlin dringend nötig: In zahlreichen Gewässern herrscht im Sommer Sauerstoffmangel. Immer dann, wenn es heftig regnet, gelangen auch Blätter, Pollen, Hundekot und Abfall ins Wasser - und beim Abbau dieser Stoffe wird Sauerstoff verbraucht. Die Folge des Sauerstoffmangels: Fische und Wasserpflanzen sterben ab. "Wir messen deshalb regelmäßig den Sauerstoffgehalt des Wassers", sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Am Abend vorher werde jeweils entschieden, wo genau die "Rudolf Kloos" eingesetzt wird. In dieser Woche war es auf dem Neuköllner Schifffahrtskanal und dem Landwehrkanal unterwegs.Das Belüftungsschiff, das übrigens nach dem früheren Leiter der Berliner Wasserbehörde benannt ist und von einem privaten Wasserbauunternehmen betrieben wird, kreuzt seit neun Jahren auf den Berliner Gewässern. "Ich glaube, es ist weltweit das einzige Schiff dieser Art", sagt Maschinist Andrej Brillowski. Dann erklärt er die Technik: Mit sechs Düsen wird am Bug Wasser angesaugt - pro Stunde 4 800 Kubikmeter, dann mit dem Sauerstoff vermischt und wieder in den Kanal oder den Fluss geleitet. Dabei entsteht auch das Eis: Der Sauerstoff, der normalerweise gasförmig ist, wird aus Platzgründen in flüssiger Form transportiert - je kälter, desto weniger Platz nimmt er weg. Kurz vor dem Mischen mit Wasser muss er von 196 Grad minus aufgetaut werden. Das geschieht ebenfalls an Bord - der flüssige, eisige Sauerstoff wird durch lange Rohre gepumpt. Dort erwärmt er sich und sorgt an den Rohren für die Eisschicht.Acht bis neun Stunden ist die "Rudolf Kloos" pro Tag in Berlin unterwegs. Haupteinsatzgebiet: der Landwehrkanal. "Dort gibt es kaum Wasserpflanzen, die Sauerstoff bilden könnten", sagt Schiffsführer Ekkehard Wall. Außerdem fließe das Wasser im Kanal sehr langsam und auf dem Boden befinde sich sehr viel Schlamm. Hinzu komme, dass am Ufer viele Bäume wachsen, deren Blätter in den Kanal fallen und dort verrotten. Als es so heiß war, war die "Rudolf Kloos" deshalb hauptsächlich auf dem Landwehrkanal unterwegs - immer zwischen der Unterschleuse in Tiergarten und der Schleuse Neukölln.Für die drei Männer an Bord ist die Fahrt mit der "Rudolf Kloos" nichts Aufregendes: Mit nur vier Stundenkilometern tuckert das Belüftungsschiff über die Gewässer. Aber etwas Positives hat der Job dennoch: Berlin sehen die Männer immer vom Wasser aus. Und selbstredend kennen sie alle Brücken - allein im Landwehrkanal zwischen Neukölln und Tiergarten sind es 37.------------------------------Foto (2): Eiswelt im Sommer: Maschinist Andrej Brillowski überprüft auf dem Schiff "Rudolf Kloos" das Aggregat, mit dem tiefgefrorener Sauerstoff aufgetaut wird. Er wird benötigt, um die Berliner Gewässer zu belüften.Die "Rudolf Kloos": Rund 400 000 Euro pro Jahr gibt der Senat für die Belüftung der Berliner Gewässer aus.