BERNAU. Gürgen Crone und Emeretia Flöricke kamen mittellos nach Bernau. Das junge Paar machte eine Bäckerei auf. Schon bald war das nach Zitronen und Pomeranzen schmeckende Brot im Ort bekannt. Gürgen und Emeretia gelangten in kurzer Zeit zu etwas Reichtum. Wohl in zu kurzer, wie ein Nachbar fand. Das könne doch nur mit dem Teufel zugehen. Er schwärzte das Paar an, das daraufhin verhaftet und gefoltert wurde. Gürgen starb im Folterkeller, sein toter Körper wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Emeretia, im sechsten Monat schwanger, durfte noch ihr Kind austragen. Dann wurde auch sie gefoltert und als Hexe bei lebendigem Leibe verbrannt. Das war 1619 - in Bernau die Hoch-Zeit der Hexenverfolgung.Bernau am Dienstag. Annelie Grund steht neben dem Henkerhaus an der historischen Stadtmauer und dirigiert Bauarbeiter. Ein Fundament wird gegossen. Hier wird in knapp drei Wochen das erste Hexendenkmal in Ostdeutschland eingeweiht. Annelie Grund ist Malerin und Glaskünstlerin. Sie hatte die Idee für ein solches Denkmal und sie entwarf das Kunstwerk auch. "Es soll die Frauen und Männer rehabilitieren, die hier in Bernau Opfer der Hexenverfolgung wurden und damit unschuldig auf dem Scheiterhaufen endeten. Damit soll ihnen die Menschenwürde wieder gegeben werden", sagt die Künstlerin.Sie stieß bei ihren Nachforschungen in der Bernauer Stadtchronik auf die Namen und die detailliert geschilderten Schicksale von 25 Frauen und drei Männern, die in der Stadt zwischen 1536 und 1658 wegen angeblicher Hexerei angeschwärzt, grausam gefoltert und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Die meisten starben ab 1617. In jenem Jahr, so steht es in der Geschichtsaufzeichnung, besuchte Kurfürst Sigismund die Stadt. Als sein Gefolge durch das Berliner Tor ritt, sollen alle Pferde tot umgefallen sein. Das konnte nur Hexerei gewesen sein. 22 Menschen wurden daraufhin bis zum Ende dieser Verfolgungswelle im Jahre 1625 als "Teufelsweiber und -männer" umgebracht."Ich finde schon, dass Bernau dieses Denkmal braucht. Auch wenn an anderen Orten vielleicht viel mehr Menschen im Feuer umkamen", sagt Annelie Grund. Sie habe schon immer ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn beim jährlich stattfindenden Hussitenfest die Verbrennung angeblicher Hexen nachgespielt wurde und die Menschen darüber lachten. Vor anderthalb Jahren machte sie sich dann an die Verwirklichung ihres Planes, ein Denkmal zu erschaffen. Im April stimmten dem Vorhaben die Stadtverordneten zu. "Das Thema hat hier in der Stadt für eine breite Diskussion gesorgt", sagt Kulturdezernent Eckhard Illge. Die Leute hätten sich intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt auseinander gesetzt. "Es gibt ja auch einen aktuellen Bezug. Auch heute steht die Frage: Wie gehe ich mit Andersdenkenden oder mit Menschen, die anders sind, um", sagt Illge. Daher habe die Stadt das Denkmal auch mit 2 000 Euro unterstützt.Historikerin Birgit Schädlich, die das Projekt begleitetet, ist sich sicher, dass in Bernau noch viel mehr Menschen als Hexen denunziert und getötet wurden, als die Stadtchronik es belegt. "Ich habe im geheimen Staatsarchiv recherchiert und bin dort auf Akten gestoßen, die auf weitere Opfer der Hexenverfolgung schließen lassen", sagt die Historikerin.Das Hexendenkmal wird 2,95 Meter groß sein und aus zwei rostigen Stahlstelen bestehen, die jeweils einen zerbrochenen Glasflügel tragen. Sie symbolisierten den Schmerz und die Verletzlichkeit der Getöteten, sagt Annelie Grund. Über die Inschrift habe es lange Zeit Streit in der Stadt gegeben. Jede Partei habe etwas anderes gewollt. Bis dann schließlich eine Arbeitsgruppe gegründet wurde, die sich auf einen Text einigen konnte. So wird an der einen Stele stehen: "Der Hexerei beschuldigt, gefoltert, getötet." An der anderen werden die Namen der 28 Opfer angebracht. Darunter auch die von Gürgens Crone und Emeretia Flöricke.------------------------------Ein Novum in OstdeutschlandErinnerung: Das Hexendenkmal - das erste in Ostdeutschland - soll an die Opfer der Hexenverfolgung in Bernau zwischen 1536 und 1658 erinnern. 25 Frauen und drei Männer wurden damals wegen angeblicher Hexerei ver- brannt. Allein von 1617 bis 1625 starben 22 Menschen auf dem Scheiterhaufen.Deutschland: Hier starben zwischen 1560 und 1680 ungefähr 25 000 Menschen auf dem Scheiterhaufen.Finanziert: Das Denkmal in Bernau kostet 15 000 Euro. Das Projekt wird finanziert aus Mitteln vom Kulturland Brandenburg e.V., des Kreises, der Stadt und privaten Spenden.Einweihung: Das Denkmal wird neben dem Henkerhaus errichtet und am 31. Oktober um 16 Uhr eingeweiht.Vortrag: Am 26. Oktober findet in der Bernauer Bibliothek, Breitscheidstraße 41, ein Historiker-Vortrag zu den psychologischen Aspekten der Hexenverfolgungswellen statt. Beginn ist 19 Uhr. Eintritt: 2 Euro.------------------------------Foto: Künstlerin Annelie Grund hat das Denkmal initiiert.