Nun ist er da, der Sommer. 35 Grad! Wer Glück hat, hat eine Klimaanlage, andere kühlen sich am Ventilator. Und für ganz Sparsame gibt es immer noch den Fächer. Den sieht man hier zu Lande immer häufiger, im Straßencafé oder auch mal im Park, und nicht mehr nur in den Händen von Rudolph Moshammer oder Karl Lagerfeld. Und doch haben die Fächer in unseren Breiten noch einen schweren Stand.Dabei kommen Fächer in derart vielen Farben, Formen und Materialien daher, dass sie längst das Zeug zum Kult-Objekt haben könnten. Da gibt es kleine handliche aus Papier oder Bambus, filigran geschnitzte aus Elfenbein oder Sandelholz, große aus Reispapier, das Model mit Gaze-Einsatz oder auch den ganz pragmatischen aus Plastik. Was bei uns eher exotisch anmutet, gehört in anderen Kulturen zum Alltag. "In Südspanien und Madrid gehen die Frauen mit Fächer auf die Straße", sagt die spanische Sängerin Marina Bollain. "In Deutschland kommt kaum jemand auf so eine Idee. Also mache ich es hier auch nicht", sagt die Madrilenin, die seit neun Jahren in Berlin lebt und eine stattliche Anzahl Fächer zu Hause hat. Zuletzt hat die Regisseurin im Mai die Operette "La Verbena de la Paloma" auf die Bühne des Hebbel-Theaters gebracht, mit Fächern als Requisiten. Selbst Männer, erzählt Marina Bollain, greifen schon mal zum Wedel der Gattin, aber nur, wenn es wirklich ganz heiß ist. Und nie, nie, nie würde ein Senor auf die Straße gehen mit einem Fächer in der Hand.Ost- und Südostasiaten sind solche Befindlichkeiten völlig fremd. "Er gehört in Japan, den Philippinen oder auch im Süden Chinas zum Alltag, und das für Männer und Frauen. So wie bei uns ein Regenschirm", sagt Siegmar Nahser von der Ost- und Nordasiatischen Abteilung des Ethnologischen Museums in Dahlem. Dabei sei der Fächer beileibe nicht nur ein Mittel um sich Luft zu verschafften, die Asiaten verschenkten ihn auch gerne. "Man kauft sich dann einen Rohling und verschönert ihn selbst oder lässt ihn von professionellen Malern verzieren", sagt Nahser.Im Chinaladen von Jianming Yang in der Flughafenstraße in Neukölln kaufen vor allem junge Leute Fächer, hauptsächlich im Sommer. Rund 20 Modelle hat er im Angebot, den günstigsten verkauft er ab 50 Cent, den aus duftendem Sandelholz für rund zwei Euro. Der Größte mit einem Radius von rund einem Meter kostet 20 Euro. Der mag zum Wedeln zu unhandlich sein, hat aber doch seinen Wert: Ein Fächer in der Wohnung verheißt Schutz und Glück: "Das ergibt ein positives Feng-Shui", sagt Yang.