Stadtrat Otto Edel (SPD) ist verärgert. Seit mehr als zehn Jahren plant der Bezirk, das Gewerbegebiet "Schöneberger Linse" neu zu beleben. Büros und Wohnungen, Einzelhandel und Gewerbe, Gastronomie, Hotels und Grünflächen sollten entstehen. Doch das Gebiet zwischen den S-Bahnhöfen Schöneberg und Papestraße wirkt heute so verschlafen wie eh und je. In kleinen Werkstätten werden hier seit Jahrzehnten Autos repariert - großstädtisches Flair vermittelt die Linse nicht. Der für Stadtentwicklung zuständige Stadtrat Edel sieht die Schuld für den Stillstand bei der Deutschen Bahn AG (DB). "Seit der Wende kündigen sie an, den Bahnhof Papestraße zum Fernbahnhof auszubauen", sagt er. "Für die Linse wäre das die Initialzündung." Doch weil die Bahn im Juli ankündigte, den Ausbau auf unbestimmte Zeit zu verschieben, kommt der Stadtrat mit den Planungen nicht voran. Solange keine Fernzüge halten, fehle die "Initialzündung". Investoren, die an der Umsetzung der Pläne interessiert waren, habe es gegeben. Sie hätten ihr Engagement aber an den Bau des Fernbahnhofs geknüpft. "Die Bahn hat uns ihre Entscheidungen zu spät mitgeteilt", sagt Edel.Michael Baufeld von der DB-Projektverkehrsneubau, einer Tochtergesellschaft der Bahn, weiß nichts von schlechter Kommunikation. Die Bahn wolle den Fernbahnhof Papestraße weiterhin bauen, nur der Termin stehe nicht fest. "Die Fertigstellung des Lehrter Stadtbahnhofs bis spätestens 2006 hat Priorität", sagt Baufeld. Wegen unerwarteter Kostensteigerungen bei anderen Projekten sei der Ausbau des Bahnhofs Papestraße eben derzeit nicht möglich. Kritik an der Bahn äußert aber auch Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU). Den angekündigten Wiederaufbau des S-Bahnhofs Julius-Leber-Brücke habe die Bahn bisher "gezielt verschleppt". Lawrentz rechnet mit einem Baubeginn frühestens im November 2001.Stadtrat Edel hofft, dass die Bahn an der Papestraße zumindest den Halt des Südrings in Richtung des Bahnhofs der S-Bahn-Linie 2 verlegt, um das Umsteigen zu erleichtern. Außerdem soll der Zugang von der Naumannstraße verbessert werden, um das nördlich der "Linse" gelegene Wohngebiet "Schöneberger Insel" anzuschließen. Bahn-Sprecher Baufeld: "Wir machen das, wir wissen nur noch nicht wann."Werkstätten, keine Büros // Ein innerstädtisches Zentrum hat der Bezirk für das Gebiet der "Schöneberger Linse" geplant. Neben S-Bahn-Gleisen und Autobahn sollten Hotels, Büros, Wohnungen und Geschäfte entstehen. Derzeit arbeiten dort vor allem Autowerkstätten.Der Fernbahnhof Papestraße sollte Investoren durch die gute Verkehrsanbindung anlocken. Im Juli dieses Jahres kündigte die Bahn jedoch an, den Bahnhof wegen Geldmangels zunächst nicht zu bauen. Der Bezirk hofft nun, dass zumindest die Stationen der beiden S-Bahn-Linien bald zusammengelegt werden.BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS Problemfall "Schöneberger Linse": In dem Gewerbegebiet sollten Büros entstehen. Vorerst passiert nichts.BLZ/KATRIN BORN Die "Linse" liegt zwischen den S-Bahnhöfen Schöneberg und Papestraße.