In den USA wird wieder über Rassismus debattiert: Obamas Freund in Handschellen

NEW YORK. Ein "post-racial America", ein Amerika jenseits von Rassenfragen hatten sich viele Amerikaner von der Wahl Barack Obamas versprochen, aber so einfach ist es nicht. Derzeit kochen die Wogen hoch, nachdem Henry Louis Gates, ein Harvard-Professor, verhaftet wurde - in seinem eigenen Haus, nur zwei Minuten vom Campus der Universität entfernt. Gates ist schwarz.Vor ein paar Tagen hatte sich Gates, der in einer Villa in Cambridge, Massachusetts lebt, nachts von einem - ebenfalls schwarzen - Taxifahrer nach Hause fahren lassen. Als er die Tür aufschließen wollte, merkte er, dass diese klemmte. Mithilfe des Taxifahrers rüttelte er daran, schließlich benutzte er die Hintertür. Derweil hatte eine Nachbarin die Polizei angerufen: Zwei schwarze Männer würden gerade in ein Haus einbrechen.Verschiedene VersionenDie Polizei kam und über das, was dann geschah, gehen die Versionen auseinander. Gates versicherte dem - weißen - Polizisten, dies sei sein Haus. Der Polizist verlangte Beweise. Nach der Polizeiversion legte Gates seinen Dienstausweis von Harvard vor, in dem keine Adresse steht. Nach der Version des Professors legte dieser seinen Führerschein vor, in dem die Adresse steht. Jedenfalls, Gates, ein älterer Herr, der an einem Stock geht, beschuldigte den Polizisten, ihm nicht zu glauben, weil er schwarz sei. Der Dialog wurde lauter, bis Gates wegen "Widerstands gegen die Staatsgewalt" verhaftet wurde.Freigelassen wurde er erst, als die Polizei erkannte, wen sie vor sich hatte. Den Mann, den das Magazin Time einen der 25 einflussreichsten Amerikaner nannte. Doch zu spät, die Schlagzeilen und das Foto des Intellektuellen in Handschellen verbreiten sich schnell. Obama - der Gates zu seinen Freunden zählt - nannte das Verhalten der Polizei dumm. Entschuldigte sich aber am Freitag für seine Wortwahl, sie sei "unglücklich" gewesen. Das habe er auch dem betroffenen Polizisten am Telefon direkt gesagt, so Obama. Der Polizist selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Entschuldigen möchte er sich auf keinen Fall. Er habe nach Vorschrift gehandelt. Mit seiner Bemerkung versucht Obama ein wenig die Wogen zu glätten. Denn in den USA tobt seit der Verhaftung eine Rassismus-Debatte. Amerikaner streiten sich in Leserbriefspalten und Internetforen: War der Polizist rassistisch? Wäre das einem älteren weißen Herrn, der am Stock geht, auch passiert? Gates hat seine eigenen Schlüsse gezogen. "Ich habe begriffen, wie verwundbar schwarze Männer sind", sagt er. (ev.)------------------------------Foto: Ein Nachbar fotografierte die Verhaftung von Henry Louis Gates.