Gesehen hat der Mitarbeiter des "Tele Cafe" den Tumult am Sonntag nicht. Der Laden an der Buttmannstraße, Ecke Badstraße war geschlossen. Jugendliche und Polizisten sollen im Gesundbrunnen-Kiez aneinandergeraten sein? Der Mann schüttelt den Kopf. Er will wissen, ob die Jugendlichen Ausländer waren. "Arabisch?", fragt der Mann. "Arabisch gefährlich!", sagt er mit einem Grinsen. Er kennt die Vorurteile, soll das wohl heißen.Laut Polizeibericht wollten am Sonntagabend fünf Beamte einer Einsatzhundertschaft einen 23-Jährigen überprüfen, der zuvor ein Handy geklaut haben soll. Der 23-Jährige soll sofort auf die Beamten eingeprügelt haben. Schnell hätten rund 30 Personen die Beamten umringt, bis zu 80 weitere Personen "mit Migrationshintergrund" standen in der Nähe. Die Beamten riefen Verstärkung und setzten Pfefferspray ein. Ein 24-Jähriger bedrohte sie laut Polizei massiv und wurde ebenfalls festgenommen."Vorfälle wie den am Sonntag gibt es immer mal wieder", sagt Christian Seidler, der in der für Mitte zuständigen Polizeidirektion 3 die Operative Gruppe Jugendgewalt (OGJ) leitet. Seine zehn Beamten, die in Zivil unterwegs sind, werden von ausländischen Jugendlichen eher akzeptiert als Polizisten in Uniform. Offener Hass sei es meist aber nicht, der die Menschen bei solchen Gelegenheiten auf den Plan riefe, so Seidler. "Oft spielt die Mentalität der Leute eine Rolle, dass man schnell zusammenkommt, wenn was los ist. Da stehen ja oft ganze Familien zusammen", sagt er."Das ist menschlich normal, dass man gucken geht", sagt Ali, der seit drei Jahren einen der vielen Telefon- und Internet-Shops auf der Badstraße betreibt. Seinen Nachnamen behält er wie viele hier lieber für sich. Normal findet er auch, was am Sonntag passiert ist. Die Buttmannstraße sei ein "Slum", sagt Ali, der in Kreuzberg lebt, "Gott sei Dank". Dass die Polizei im Kiez nicht besonders gerne gesehen ist, wisse jeder. "Daran sind die aber nicht unschuldig, die treten arrogant auf und beleidigen auch Leute", sagt Ali. Die Beleidigungen will er selbst gesehen haben."Jeden Tag gibt es hier Streit, das am Sonntag war doch nur eine Kleinigkeit", sagt Mustafa Yildiz vom Mini-Markt in der Buttmannstraße. Yildiz ist 29 Jahre alt, er kennt angeblich "jeden hier". Er sagt, dass man in der Straße alles finden kann, "Heroin, Frauen, Unterhosen", nur Deutsche nicht sehr viele. "Ein Drittel Türken, ein Drittel Polen, ein Drittel Rumänen", skizziert Yildiz die Verhältnisse."Das kommt so ungefähr hin", sagt Pero von gegenüber. Der 36 Jahre alte, in Wedding geborene Kroate ist einer der Betreiber des Vereinslokals "Café Barrikade". Das ist ein linker Treffpunkt in der Buttmannstraße und stammt noch aus Zeiten, als die Häuser gegenüber besetzt waren. "Das hier ist unser Kino", sagt Pero und zeigt auf das Fenster des Cafés, vor dem es wohl öfter was zu gucken gibt.Herr Can vom Spätkauf nebenan hat wirklich gesehen, was am Sonntag passiert ist. Er bestätigt den Polizeibericht, die Schläge, das Pfefferspray. Er sagt aber auch, dass die Polizisten der Einsatzhundertschaft bekannt sind, dass sie weniger reden und lieber gleich die Fäuste sprechen lassen. Dafür hätte am Sonntag offenbar die schlichte Frage "Warum?" des Beschuldigten gereicht. Das hat Herr Can zumindest gehört. "Wer angefangen hat, kann ich nicht entscheiden", sagt er.Ob er den Festgenommenen kennt? Herr Can schüttelt den Kopf, als er den Namen vorgelesen bekommt. "Aber das ist ein Araber, oder?" fragt er: "Dann ist ja alles klar." (mit kop.)------------------------------Foto: Täuschender Anblick? Bürgerlich sind nur die Fassaden in der Buttmannstraße, sagen Anwohner.