KLEINMACHNOW. An der Autobahn A 115, kurz hinter der Lärmschutzwand bei Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark), fristet das Panzerdenkmal sein Dasein. Der Sockel ist von Graffiti beschmiert. Oben drauf steht seit Jahren schon kein sowjetischer T 34 mehr. Eine Schneefräse ist dort stationiert. Sie war einst pinkfarben lackiert. Auch sie ist sowjetischer Bauerart, auch sie steht wie einst der Sowjetpanzer unter Denkmalschutz. Jetzt ist in der Gemeinde Kleinmachnow ein Streit darüber entbrannt, wie man mit dem immer noch so bezeichneten Panzerdenkmal umgehen soll. Denn die Treuhandnachfolgerin, die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), würde der Gemeinde das Flurstück samt Denkmal gerne überlassen.Doch die Kosten für den Erhalt von Schneefräse und Sockel spalten die Gemüter. 15 000 Euro hat die Gemeinde in diesem Jahr für das Denkmal in den Haushalt eingestellt. Doch noch ist der Posten mit einer Ausgabesperre versehen. Klaus-Jürgen Warnick, der Fraktionsvorsitzende der Links-Partei in der Gemeindevertretung von Kleinmachnow, kann nichts Schutzwürdiges an der Fräse finden und sieht auch keinen Grund, warum Kleinmachnow dafür zahlen sollte. "Dieses Denkmal ist eine Lachnummer. Es ist absurd, dafür 15 000 Euro zu bezahlen", sagt er.Gut sichtbare ErinnerungDie Frage nach dem Sinn sei legitim, sagt Kleinmachnows Bürgermeister Wolfgang Blasig (SPD). Es gebe Befürworter des Denkmals aber auch Kritiker. "Der Panzer ist ja nicht mehr da, den haben die GUS- Truppen bei ihrem Abzug mitgenommen." Nun stehe dort ein Stück Altmetall, das jemand in einer Nacht- und Nebelaktion dorthin verfrachtet habe. So sei die Diskussion durchaus notwendig, sagt Blasig. "Die Meinungen prallen hart aufeinander." Denn dem Betrachter der Schneefräse erschließe sich nicht sofort der Wert des Denkmals.Anders sieht es die SPD-Fraktion. Sie spricht sich durchaus für die Pflege des Denkmals aus. "Wir haben einen Denkmalpflegeplan beschlossen, und da ist auch das Panzerdenkmal drin, das derzeit in einem total unbefriedigendem Zustand ist", sagt SPD-Gemeindevertreter Jens Klocksin.Der T 34, der einst an der deutsch-deutschen Grenze stand und zum Symbol der Teilung Deutschland wurde, war 1945 der erste Panzer, der Berlin erreicht hatte. Eine Frau soll ihn gesteuert haben. Wohl auch deswegen nahmen die russischen Truppen das symbolträchtige Kampfgerät nach der Wende mit nach Hause - mit ihm verschwand es auch von der Denkmalliste. Doch der Sockel blieb nicht ungenutzt. Der Künstler Eckhard Haisch stellte eine Schneefräse darauf, die er ausrangiert an der alten Autobahnabfahrt Potsdam gefunden hatte. Er spritzte das Gerät pinkfarben, goss Beton in die Reifen und ließ einen Statiker eine sichere Installierung berechnen."Ich bin früher mit dem üblichen Westberliner Gruseln an die Grenzübergangsstelle gefahren, habe aus der Warteschlange heraus auch den Panzer gesehen", erzählt er. Nach der Wende, als der T 34 plötzlich nicht mehr da gewesen sei, habe er den Ort auf frische und unbeschwerte Weise und durch die ungewöhnliche Farbe gut sichtbar in Erinnerung halten wollen. Die Denkmalschutzbehörde befand die Fräse schon wegen ihrer leuchtenden Farbe durchaus für schutzwürdig."Mit diesem Konzept wird auf eine eindrückliche Weise sowohl an international bedeutende Aktionen ähnlicher Art angeknüpft", hieß es damals in einem Gutachten zum Denkmalwert. Denn auch der Widerstand in Prag 1968 hatte einen rosa bemalten Panzer zum Symbol. Zudem sei mit der Fräse einer "ins Große übersetzten Interpretation des Mottos ,Schwerter zu Pflugscharen' Rechnung getragen worden". Darüber hinaus werde damit aufgezeigt, wie "mit Denkmälern aus der Zeit der DDR umgegangen werden könnte".Die Gemeindevertreter haben die BVVG gebeten, ihr die genauen Konditionen für die Übernahme des Panzerdenkmals und auch die Instandsetzungskosten zu benennen. "Wir können uns vorstellen, der Gemeinde das Denkmal für einen symbolischen Preis zu überlassen", sagt BVVG-Sprecherin Andrea Hubatschek. Wie hoch die Instandsetzungskosten seien, darüber werde man heute beraten.------------------------------Frau am SteuerDenkmal: Ursprünglich befand sich das Panzerdenkmal in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Kleinmachnow. Weil es dort ständig Beschädigungen gab, wurde es auf Beschluss des Präsidiums des DDR-Ministerrates vom April 1969 mit Beginn der Bauarbeiten an der Grenzübergangsstelle Drewitz/Dreilinden umgesetzt.Panzer: Der T 34 war der erste Panzer der Sowjetarmee, der am 24. April 1945 Berlin erreicht haben soll. Der Legende nach soll er von einer Frau gesteuert worden sein.------------------------------Foto: Das Panzerdenkmal ist heute eine rostig-pinkfarbene Schneefräse. Sie soll an die deutsche Teilung erinnern.------------------------------Foto: Der T 34 stand bis zum Jahr 1994 auf seinem Sockel.